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Die Provence im September

31. Januar 2019 1.131 Leser 0 Kommentare

Wir landen relativ pünktlich in Marseille und werden von einem blauen Himmel und ca. 28 Grad begrüßt. Mit einem Peugeot 208 fahren wir zu unserem ersten Quartier in Martigues, westlich von Marseille. Der Verkehr ist sehr stark. Unser Hotel Grand Canal befindet sich unter einer riesigen Autobahnbrücke, noch lauter ist aber der Verkehr der darunter liegenden Straße. Das Zimmer ist okay, die Betten gut und für französische Verhältnisse groß, das Personal nett und das Frühstück völlig ausreichend. Aber nachts muss man die Fenster schließen, um nichts mehr vom Verkehr zu hören.

Auf der Suche nach etwas Essbaren bummeln wir durch das erste Zentrum von Martigues. Es gibt insgesamt drei davon. Ich weiß nicht, wovon es mehr gibt: Banken oder Restaurants, wohl eher Restaurants. Auch im zweiten Zentrum, das auf einer kleinen Insel liegt, gibt es davon noch einige. Dieses zweite Zentrum ist recht idyllisch, zwischen zwei Flussläufen gelegen und mit Kanälen durchzogen, sie nennen es Klein-Venedig. Das dritte Zentrum ist eher modern mit Rathaus, Fremdenverkehrsamt, Bahnhof usw.

In der Nähe des Hotels gibt es eine Bushaltestelle für den Bus nach Marseille. In 45 Minuten sind wir am Bahnhof St. Charles und fahren noch 2 Stationen mit der U-Bahn zum Vieux Port. Hier tobt das Leben. Die Sonne knallt vom Himmel und lässt die vielen Segelboote leuchten. Auf dem Weg zum Fort St-Nicolas fallen uns die Mannschaftswagen der Polizei auf, die wie Perlen aufgereiht, rund um den Hafen stationiert sind. Die Polizisten sind ausgerüstet, als ob sie in den Kampf ziehen. Aber ansonsten sieht alles sehr friedlich aus.

Wir kommen am Museum für Marseiller Seife vorbei, die sehr berühmt ist. Ins Museum gehen wir nicht, aber im Laden direkt nebenan erstehe ich ein paar Seifen. Am Fort angekommen, müssen wir leider feststellen, dass es wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Wir gehen in eine Seitenstraße und kommen in ein reines Fressparadies. So viele Restaurants auf einem Fleck habe ich selten gesehen. Wir bestellen Moules Frites, die Muscheln sind gut, die Frites sind mir zu fett, Auf dem Weg zur rechten Seite des Hafens stolpern wir über eine Menschenschlange. Ich werde neugierig und sehe, dass sie an einem Bootsanleger stehen, um zu den Calangues zu fahren. Östlich von Marseille gibt es eine Steilküste mit fjordähnlichen Einschnitten. Kurz entschlossen steigen wir mit ins Boot. Huch, das schaukelt aber ganz schön, aber als wir draußen auf dem Meer sind, fährt der Kapitän langsamer und es wird ruhiger. Der Blick auf die Steilküste ist schön und auch die Einfahrten in die Fjorde, aber um die Schönheit oder Besonderheit der Calanques wirklich genießen zu können, muss man sich wohl geführten Wanderungen anschließen,

Wir packen unsere Sachen und machen uns auf den Weg zur Camargue. Mit der Fähre geht es über die Grand Rhone und bei Salin-de-Giraud fahren wir nach Süden. Hier kommen wir zu den Salinen mit etlichen Wasservögeln. Als wir schließlich am Meer landen, kehren wir um und fahren am Etang de Vaccares entlang, wo wir viel weniger Vögel sehen. Ich würde gerne noch zur anderen Seite nach Les-Stes.-Maries-de-la-Mer fahren, zumal wir auch keine Pferde und Stiere gesehen haben, aber wir sind bis 18 Uhr in unserem nächsten Quartier angemeldet und es wird leider zu spät. Wir müssen nach Villars in der Provinz Vaucluse. Da wir keine Autobahn fahren wollen landen wir im Luberon, einem Höhenzug, der bis 1200 m ansteigt. Die Landschaft ist schön, die Fahrt kostet aber Zeit. Kurz vor 18 Uhr haben wir unser Ziel erreicht. Der Ort liegt sehr hübsch auf einer kleinen Anhöhe. Man sieht von weitem schon die Kirche. Unser Anwesen liegt am Ende einer Straße. Unser Haus ist wirklich eine Überraschung. Es gibt ja immer Fotos im Internet, aber wie es dann wirklich aussieht, ist doch anders als die Vorstellung. Es ist ein Haus aus dem 18. Jhdt. Es gibt einen großen Wohnraum, der bis zum Dach offen ist. Über eine Treppe kommt man zu einem offenen Zwischengeschoss mit den Schlafzimmern und dem Bad. An den Wohnraum schließt sich eine kleine offene Küche an. Der Boden ist mit großen rustikalen Steinplatten belegt. Die Vorderfront hat große bis zum Boden reichende Fenster und an den Seitenwänden gibt es weitere Fenster. Die Einrichtung ist lustig rustikal. Wir haben vier Sitzgruppen. Im Garten gibt es zwei weitere und Liegen. Von da kann man über die Landschaft gucken. Es ist wunderbar ruhig. Zwei Häuser weiter gibt es einen Bäcker, der sein Brot im Holzkohleofen bäckt, echt lecker.

Roussillon, ein Städtchen auf einem Hügel gelegen, ist heute unser Ziel. Die Häuser leuchten in der Sonne in allen Farbschattierungen des Ockers. Wir schlendern durch die Gassen mit vielen anderen Besuchern. Es ist Sonntag und deshalb vielleicht besonders voll. Die Autos schieben sich durch die Straßen, bis sie zu einem Parkplatz gelangen. Der Ort ist voller Restaurants, denn die vielen Menschen wollen ja versorgt sein. Wir sitzen auf einer kleinen Terrasse über einem Abhang mit Sicht auf rote Felsen.

Die Karawane zieht weiter und wir mit. Und zwar nach Gordes, sehr hübsch auf einer Anhöhe gelegen und auch eines der vielbesuchten Dörfer der Provence. Victor Vasarely (Maler) hat hier das Schloss restauriert und für seine Ausstellungen genutzt. Wir halten uns nicht sehr lange auf und fahren weiter zum Village de Bories, einem Museumsdorf mit Häusern, die ohne Zugabe von Mörtel oder sonstigen Bindestoffen aus kunstvoll übereinander geschichteten Steinplatten bestehen.Für die Herstellung benötigten die Handwerker nur einen Hammer. Wahrscheinlich wurden die Häuser schon im 14. Jhdt so gebaut, aber auch noch viel später.

Das ist interessant anzusehen und nicht ganz so überlaufen. In der Nähe gibt es noch eine Ölmühle aus dem 16. Jhdt., die Moulin des Bouillon mit einem 10 m langen und 7 t schweren Pressbaum. Leider sind die Erklärungen nur auf französisch. Gleich nebenan befindet sich das Musee de Verre et de Vitrail, wo das Glasmacherhandwerk erklärt wird. Es gibt ein paar sehr schöne Exponate.

Heute wollen wir nach Orange. Es geht durch schöne Landschaften, vorbei an leider schon geschnittenen Lavendelfeldern, abgeernteten Kirschplantagen und Weinstöcken, an denen teilweise noch dicke Trauben hängen.

In Orange besuchen wir das römische Amphitheater, das im 1. Jahrhundert n. Chr. unter Kaiser Augustus erbaut wurde. Das Bühnenhaus mit einer 3.50 m hohen Monumentalstatue, die Kaiser Augustus darstellt, ist fast unversehrt erhalten geblieben. Jedes Jahr im Juli gibt es ein Opernfestival.Wir klettern die Zuschauertribünen bis ganz nach oben. Beim Abstieg wird mir ein bisschen mulmig.

Unser drittes Ziel ist Nimes, das eigentlich nicht mehr zur Provence gehört, aber direkt an der Grenze liegt. Hier befindet sich das größte erhaltene römische Amphitheater. Wir klettern die Ränge empor und stellen uns die Gladiatorenkämpfe vor.

Es geht zum Pont du Gard, ein römisches Äquadukt, 49 m hoch und 275 m lang, erbaut um das Jahr 50 n. Chr. aus Steinblöcken ohne Mörtel. Der Bau ist sehr gut erhalten und sieht einfach imposant und sehr ästhetisch aus. Bei 2 Millionen Besuchern im Jahr fragt man sich, wie lange er jetzt wohl noch hält. Wir laufen über die Brücke zur anderen Flussseite und sind beeindruckt.

Nach der Mittagspause schauen wir uns den 18 m hohen dreibogigen  Arc de Triomphe in der  Via Aggrippa, erbaut um 26 n.Chr. an. Bemerkenswert ist die gut erhaltene Kassettendecke.

Zurück fahren wir durch die Gorges de la Nesque,  eine Schlucht mit phantastischen Ausblicken. Ich sehe sogar einen Adler am Himmel. Dann geht es über das Plateau de Vaucluse. Wir sind auf fast 1000 m, was sich an der Temperatur bemerkbar macht. Bisher hatten wir über 30 Grad, hier sind es gerade mal 19. Mit fallender Höhe wird es wieder wärmer, bzw heiß.

Hier ist das Land des Ockers, jahrhundertelang wurde die Erde abgebaut, um daraus Farbe in allen Schattierungen von orange bis lila herzustellen. Die Chemie hat diese Aufgabe übernommen und man kann heute die stillgelegten Minen und Steinbrüche besichtigen

Daher wollen wir uns heute dem Ocker widmen und beginnen unsere Tour in Rustrel. Hier gibt es den Colorado von Rustrel. Der zentrale Platz heißt Sahara. Das Abbaugebiet des Ocker hat grandiose Felsformationen hinterlassen, die in allen Orange- und Rottönen leuchten. Zusammen mit dem Blau des Himmels und den grünen Bäumen sieht es fantastisch aus. Es gibt zwei Spaziergänge durch das Gebiet, wir entschließen uns für den längeren, der etwa 2 Stunden dauert.

Nach einer Pause fahren wir zu den Mines de Bruoux. Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier in Minen Ocker abgebaut. Von 1880 bis 1950 wurden mehr als 40 km Galerien geformt, die im Licht der Karbidlampe in die Klippen geschnitzt wurden. Heute kann man auf einem eindrucksvollen 650 m langen Kurs durch gewölbte, ovalförmige oder sogar halbkreisförmige Galerien von bis zu 15 Metern Höhe laufen. Man befindet sich quasi in einer mineralischen Kathedrale. Man kann den Eindruck schwer beschreiben, aber wir sind sehr beeindruckt.

Noch einmal geht es nach Roussillon zum Sentier des Ocres. Hier entschließen wir uns zu der kurzen Tour, denn es sind noch immer 30 Grad, obwohl es schon fast 19 Uhr ist. Das Bergauf und Bergab schlaucht ganz schön. Auch hier beeindrucken die Felsen mit ihren vielen Farbschattierungen, aber das Gebiet ist viel kleiner als in Rustrel.

In Avignon wartet der Palais des Papes (Papstpalast) aus dem 14. Jahrhundert auf unseren Besuch. Wir starten mit dem Garten hinter der Kathedrale und haben einen fantastischen Rundumblick, unter uns die Rhone und die berühmte steinerne Brücke  Pont Saint-Bénézet, die in der Mitte des Flusses endet. Die Kathedrale beeindruckt mich nicht so sehr, da haben wir in Frankreich weit schönere gesehen. Nur die Figuren im Seitenaltar glänzen in prächtigem Gold. Der Palast selbst ist recht nüchtern, denn die Räume sind alle leer, aber riesig und 20 m hoch. In modernen Zeiten bekommt man ein Tablet in die Hand gedrückt und kann in seiner Sprache die Führung individuell erleben und bekommt Bilder, auf denen die Räume möbliert sind. Leider haben wir keine Zeit mehr für die Stadt, denn wir haben noch zwei Ziele.

Es geht zum Pont du Gard.Um das Jahr 50 n. Chr. aus Steinblöcken ohne Mörtel erbaut, 49 m hoch, mit einer Spannweite über 360 m, ist dieses Bauwerk heute die letzte noch existierende römische dreistöckige Steinbrücke. Der Bau ist sehr gut erhalten und sieht einfach imposant und sehr ästhetisch aus. Bei 2 Millionen Besuchern im Jahr fragt man sich, wie lange er jetzt wohl noch hält.Wir laufen über die Brücke zur anderen Flussseite und sind beeindruckt.

Unser drittes Ziel ist Nîmes, das eigentlich nicht mehr zur Provence gehört, aber direkt an der Grenze liegt. Hier befindet sich das größte erhaltene römische Amphitheater, die Arènes de Nîmes, ein zweistöckiges Amphitheater von ca. 70 n. Chr., das heute noch für Konzerte und Stierkämpfe genutzt wird.  Wir klettern die Ränge empor und stellen uns die Gladiatorenkämpfe vor.

Heute müssen wir unbedingt nach L‘Isle-sur-la-Sorgue, denn dort ist Markt. Auch dieser Ort vergleicht sich mit Venedig, denn die Sorgue fließt durch das Städtchen und es gibt kleine Inseln zu denen man über Brücken gelangt. Der Ort ist tatsächlich nett anzusehen und der Markt ist recht groß. Es gibt Käse, Wurst, Fisch, Obst,, Gemüse, Textilien und anderen Kleinkram. Am Ufer der Sorgue liegen etliche Restaurants und wir essen dort sehr gut zu Mittag.

In Fontaine-de-Vaucluse gibt es, wie der Name schon sagt, eine Quelle und zwar die größte Frankreichs und die fünftgrößte der Welt. Es ist die Quelle der Sorgue. Man läuft durch ein enges grünes Tal und steht plötzlich vor einer steil aufragenden Felswand, die das Tal komplett abschließt. In der Mitte ist ein großes Loch, in dem man das grüne Wasser sehen soll. Ich sehe nur dunkel. Wahrscheinlich muss die Sonne anders stehen. Aber das Wasser der Sorgue schimmert in allen Grüntönen und ist kristallklar. Im Ort selbst stehen um den Dorfplatz herum beeindruckend große Platanen.

Der Ort ist uns zu überlaufen, wir fahren weiter und finden in Saumane einen wunderbaren Platz mit Blick weit über das Tal, um sehr gut zu essen. Über kurvige Straßen geht es zunächst nach Venasque, eines der 130 schönsten Dörfer Frankreichs. Es ist eines dieser Bergdörfer, die auf felsigen Anhöhen stehen und am Aussterben waren. Heute sind sie wieder besiedelt und vielfach Anziehungspunkte für Touristen. Das Dorf macht einen ruhigen netten Eindruck, ist nicht so überrannt. Von hier ist es nicht weit zur Abbaye de Senanque, ein noch aktives Kloster, in dem Lavendel angebaut wird und regionale Produkte verkauft werden.

Habe ich es schon erwähnt? Die Gegend ist wirklich schön abwechslungsreich. Plötzlich ist man wieder in den Bergen und blickt über die Landschaft. Es ist keine Monokultur, sondern kultivierte Gegenden mit Kirschen, Wein, Oliven, Lavendel, die sich mit Wald und Wiesen abwechseln.

Wir verlassen unser schönes Haus in Villars und sind gespannt, was uns am neuen Ziel in der Haute-Provence erwartet.

Es lohnt sich, vom direkten Weg abzuweichen. Über kleine Serpentinen geht es nach Saignon, ein typisches Luberon-Dorf, in dem sich die alten Steinhäuser um zwei steil aufragende Felsen drängen. Die Aussicht ist grandios. Der Weg hinunter zur Hauptstraße schlängelt sich durch Lavendelfelder und Olivenhaine. Wir verlassen das Department Vaucluse und kommen in die Haute Provence. Die Landschaft verändert sich, sie wird weitläufiger, die Felder sind mit Sonnenblumen und Kürbissen bepflanzt. Die Gegend ist ärmer, die Häuser verfallen, weil die Menschen wegziehen. In Mane fahren wir durch eine bombastische Platanenallee zur Priorei Salagon. Die alten Gemäuer beherbergen eine Ausstellung mit sehr ausgefallenen Töpferarbeiten, interessant anzusehen. Rings um die Gebäude gibt es verschiedene Themengärten: Gärten der Welt, Kräutergarten, Gärten des Mittelalters mit medizinischen Pflanzen und natürlich Lavendel. In Forcalquier machen wir eine Mittagspause. Jetzt geht es in Serpertinen hoch hinaus. Die Berge rücken immer enger zusammen, es ist nichts für Magenschwache. Ich hatte mir die Gegend nicht sooo gebirgig vorgestellt.

Gegen 17 Uhr treffen wir in unserem Quartier in Annot im Département Alpes-de-Haute-Provence in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur ein.

Nicht nur die Umgebung ist völlig anders als zuvor, auch das Quartier unterscheidet sich.Es ist eine Wohnung im Zweifamilienhaus im parterre. Auch hier ist es geräumig, nett eingerichtet, wir können den Garten nutzen, den Swimmingpool und einen Whirlpool. Die Wirtsleute sind sehr nett.

Heute wollen wir einen autofreien Tag verbringen. Wir laufen ins Dorf, das einen uralten Kern hat. Steinhäuser sind ineinander gestapelt durch die enge Gassen und Tore führen. Sehr malerisch! In einer Seitenstraße kommen wir zu der Ausstellung eines Künstlers, der aus alten Werkzeugen originelle Figuren erschaffen hat. Es gibt hier eine Museumsbahn, die nur sonntags fährt. Plötzlich wird der Ort von Menschen überflutet. Wir ziehen uns in unser Haus zurück. Nachdem ich mich daran gewöhnt habe, nicht mehr in einen Raum mit 5 m Höhe zu kommen, finde ich es hier sehr gemütlich. Hier stehen und hängen auch allerhand schöne, witzige und unnötige Dinge herum.

Den Nachmittag verbringen wir am Pool. Gegen Abend bewegen wir uns nochmal Richtung Dorfplatz, wo den ganzen Tag Boule gespielt wird. Am Abend gibt uns der Hausherr den Wetterbericht (die nächsten Tage sollen schön bleiben, um die 25 Grad), Ausflugstipps und Wanderstöcke, denn wir wollen morgen wandern gehen.

Die Berge rufen uns und wir machen uns auf den Weg zu den Sandsteinformationen Les grès d’Annot. Aufgrund der besonderen Formen ranken sich allerlei Legenden um die Berge. Höhenunterschied 350 m, Distanz 6 km, Dauer 4 Stunden. Hört sich doch eigentlich nicht schlimm an. Dann geht es los, über Stock und Stein oder eher über Wurzel und Stein. Berg hoch bleiben wir in etwa in der Zeit. Die Aussicht ist fantastisch, die Berge beeindruckend. Dann geht es eine andere Strecke abwärts. Das ist für mich weitaus anstrengender. Es gibt keinen Meter geraden Weg. Zum Glück hat uns der Vermieter Wanderstöcke ausgeliehen. Sie sind wirklich eine große Hilfe. Ich kämpfe mich ins Dorf zurück. Wir haben etwa 5 Stunden gebraucht.Bei Kaffee und Tarte tartin sammle ich Kräfte für die letzten paar Meter zu unserem Haus. Den restlichen Nachmittag verbringen wir im Garten.

Heute ist Markt in Annot. Natürlich müssen wir da hin. Es ist ein reiner Obst- und Gemüsemarkt.

Auf Empfehlung unseres Wirts fahren wir nach Colmars und zum Lac d‘Allos. Wir schrauben uns die Berge herauf und nach der Passhöhe geht es in Kurven wieder hinab. In Colmars-des-Alpes legen wir eine Pause ein. Die Altstadt ist von einer gut erhaltenen Ringmauer umgeben, außerdem gibt es noch zwei Festungen. Bei Val d‘Allos führt die Straße bis auf 2110 m Höhe. Hier ist an einem Parkplatz Schluss. Die Ausblicke auf die Berge sind wirklich toll. Vom Parkplatz führt ein steiniger Weg zum See. Es geht gemäßigt bergauf und der Weg ist viel weniger anspruchsvoll als gestern. Nach etwa einer Stunde kommen wir am See an.Einfach schön! Der Lac d’Allos ist der höchstgelegene natürliche See in Europa. Er liegt auf einer Höhe von 2230 m über dem Meeresspiegel im Nationalpark Mercantour in der Provence-Alpes-Côte d’Azur. Er ist ringsum von Bergen eingeschlossen. Das ist hier richtiges Hochgebirge.

Wir starten bei strahlendem Sonnenschein und wollen uns einem Höhepunkt unserer Reise nähern, der Verdonschlucht (Gorges du Verdon). Sie beginnt flussabwärts nach der Stadt Castellane und endet nahe Moustiers-Sainte-Marie im Stausee Lac de Sainte-Croix. Durch den etwa 21 km langen und bis zu 700 Meter tiefen Canyon fließt der türkisfarbene Fluss Verdon.Es ist einer der größten Canyons Europas. Wir fahren über Castellane und wählen die Route, die südwestlich flussabwärts führt. Was soll ich sagen, die Fahrt ist einfach überwältigend. Wir halten am Balcons de la Mescia und genießen die Aussicht. Im Hotel-Restaurant Falaises des Cavaliers sitzen wir auf der Aussichtsterrasse und essen zu sehr zivilen Preisen Mittag. Am Lac de Saint-Croix, wo man mit Tretbooten in die Schlucht hineinfahren kann, geht es auf der anderen Seite wieder zurück. Ein besonderer Punkt ist der Point Sublime, von dem man nochmal einen guten Überblick in die Schlucht hat. Der Fluss führt nicht sehr viel Wasser. Natürlich legen wir viele Viewpoint-Stopps ein. Am Ende der Schlucht halten wir noch einmal, hier gibt es einige Badende, die sich im Wasser erfrischen. Es ist wieder ein sehr heißer Tag gewesen.

Nicht weit von Annot entfernt gibt es ein kleines Städtchen Entrevaux. Es klebt vor einer Felswand und ist mit einer Stadtmauer umgeben. Davor fließt ein Fluss. Man kommt in die Stadt durch drei Stadttore, die alle mit einer Zugbrücke zu schließen sind. Über allem thront eine Citadelle, die man besichtigen kann. Aber der Aufstieg ist uns bei der Hitze zu beschwerlich. So bummeln wir nur durch die alten Gassen und besichtigen die eindrucksvolle Kathedrale. Es ist Mittagszeit und wir landen in einem Minirestaurant mit veganer Küche und natürlich alles Bio. Als Vorspeise gibt es ein Gläschen mit Mus aus Cashewnüssen und ein Mus aus roten Beeten. Als Hauptgericht werden uns Zucchini als Spaghetti geschnitten mit ein bisschen Tomatenjus, grüner Salat, ein Wrap mit Algen und eine kleine kalte Suppe mit großen weißen Bohnen, Zucchini, grünen Bohnen und Kartoffelstückchen kredenzt. Es schmeckt nicht schlecht, aber ich schiele doch etwas neidisch auf die leckeren Fleischteller im Nachbarrestaurant. Da waren die Tische nur alle besetzt. Satt werden wir allerdings auch. Zurück in Annot gehen wir in die Cafebar am Marktplatz und essen ein fettes Schokoladentörtchen mit flüssigem Schokoladenkern. Jetzt bin ich richtig satt.

Auf Anraten unseres Gastgebers wollen wir heute eine Tour durch zwei Schluchten unternehmen, die Gorges de Daluis und die Gorges du Cians. Die zweite gehört nicht mehr zur Provence, sondern zu den Alpes Maritim. Das Besondere an den Schluchten ist der rote Porphyr. Ich kann mich nur wiederholen, die Landschaft hier ist phantastisch. Das Grün auf dem roten Stein und der blaue Himmel, dazu die engen Schluchten sind einfach nur schön. Es geht bei Valberg auf 1673 m. Hier sehen wir Lifte für den Wintersport. Es ist ein typischer Skiort. Es war ein schöner Abschluss für unsere Woche hier in den Bergen.

Morgen geht es nach Villeneuve in der Nähe von Nizza.

In 20 Minuten sind wir mit dem Auto in Nizza. Nizza hat eine 7 km lange Strandpromenade, die sich um eine Bucht schmiegt. Der Strand ist, wie überall hier, steinig. Es herrscht noch reger Badebetrieb. Wir parken am Place Massena im Parkhaus, das wird teuer. Der Platz ist sehr groß und hat an einem Ende einen großen mit Figuren umstellten Brunnen. Durch einen Park mit Wasserspielen und schönen Blumen kommen wir in die Altstadt und es wimmelt vor Menschen. Die Stadt ist offensichtlich eine richtige Touristenstadt. Wir lassen uns treiben und kommen noch zu weiteren schönen Plätzen. Der Durst treibt uns in ein Strandrestaurant.Man kann hier Liegen und einen Sonnenschirm für 17 Euro leihen, ich glaube 2 Liegen. Es gibt aber auch überhaupt keinen Schatten am Strand. Ich bestelle mir einen Eiskaffee und bekomme tatsächlich ein großes Glas kalten Kaffee mit Eiswürfeln, kein Speiseeis, keine Sahne. Schmeckt nicht wirklich. Bevor wir wieder abfahren, steigen wir in eine Minibahn, die uns durch die Gegend hoch auf den Schlossberg fährt. Ein Schloss gibt es hier nicht mehr, aber eine sehr schöne Aussicht über die Stadt. Es ist allerdings heute den ganzen Tag etwas diesig, aber warm.

Es wird wieder ein heißer Tag. Um nach Cannes zu fahren, nehmen wir den Bus. Eine angenehme Überraschung, es kostet gerade 1.50 € für fast eine Stunde Fahrt. Wir laufen zur „Croisette“, dem berühmten Boulevard, wo sich angeblich die Reichen und Schönen tummeln. Der Boulevard samt Strand erweist sich als Enttäuschung. Die Hälfte des Strandes ist wegen Restaurierungsarbeiten gesperrt. Die Anlage ist in die Jahre gekommen und braucht dringend ein Facelifting. Es gibt hier einen Sandstrand, der offensichtlich aufgeschüttet ist. Der größte Teil ist von den Hotels und Restaurants reserviert. Hier kommt man so gar nicht ans Wasser. Der Strand soll doppelt so breit, der Boulevard mit schönem Pflaster versehen und ein Fahrradweg angelegt werden. Gegenüber vom Strand sind die Luxushotels – auch nicht alle schön – und sämtliche Top-Designer der Welt mit ihren Läden vertreten. Nizzas Strandpromenade hat mir dreimal besser gefallen und auch die Stadt als solche war schöner.

Wir landen zum Essen bei einer Italienerin und fahren gesättigt wieder in unser beschauliches Villeneuve, denn es heißt jetzt Koffer packen.

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