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Von Nantes bis Bourges – Schlösser der Loire

9. Oktober 2017 204 Leser 0 Kommentare

Wir landen fast pünktlich in Nantes, aber leider sind unsere Koffer nicht mitgekommen. Ein echter Albtraum. Die Flughafenmitarbeiterin registriert unsere Daten und wir holen uns unseren Mietwagen, einen grauen Fiat 500 mit rotem Schiebefaltdach. Da es noch sehr früh ist, fahren wir direkt zur Île de Nantes, ein ehemaliges Werftgelände, das heute der Erholung dient und Künstlern Platz für ihre Arbeiten bietet. Leider ist heute am Montag die Machines de l’Île geschlossen. Gleich am Quai Chateau d´AngersLoire besuchen wir das Restaurant O Deck und haben einen schönen Blick auf die Loire. Wir entscheiden uns für das Mittagsmenu, was sich als gute Entscheidung erweist. Es umfasst Wein, Wasser, als Vorspeise ein Nudelsalat mit Lachs und grünem Salat, Hauptgang Fisch mit Stampfkartoffeln, aber nicht aus der Tüte, Nachtisch Tarte Tartine und Espresso. Das alles für 16 Euro.

Es geht jetzt zum Hotel Pommeraye, ein Haus aus dem 19. Jh. Gleich nebenan befindet sich die wunderschöne Einkaufspassage Pommeraye ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert. Wir bummeln durch Nantes und staunen über die vielen jungen Leute, die überall in den Straßencafes sitzen. Es gibt schöne Plätze mit Springbrunnen und große Kirchen. Viele Häuser sind mit schmiedeeisernen Balkongittern verziert. Den Radfahrern wird hier viel Platz eingeräumt. Zum einen sicher den vielen jungen Leuten geschuldet, aber es wird auch stark das Radfahren an der Loire für Touristen beworben. Dafür sind die Parkplätze ausgesprochene teuer und es gibt kaum Plätze ohne Gebühren.

Unser heutiges Ziel ist Angers. Wir fahren über kleine Straßen nah an der Loire entlang. Der Blick über den Fluss ist sehr schön. In Champtoceaux legen wir eine Pause ein und bewundern das große mittelalterliche Tor. Das Schloss ist in Privatbesitz und nicht zu besichtigen. Aber es gibt einen kleinen Park von dem aus man einen fantastischen Blick über die Loire hat. Der Ort hat das Prädikat village fleurie und ist mit vielen Blumen geschmückt.

In Saint Florent le Vieil spazieren wir duch die Benediktinerabtei, gucken in die Kirche und haben auch hier einen wunderbaren Blick über die Loirelandschaft.

Wir wechseln zur anderen Seite des Flusses und legen einen Stopp in Montjean-sur-Loire, einem ehemaligen Fischerdorf, ein.

In Angers beziehen wir unser Zimmer in einem wunderschönen Hotel. Das Haus stammt aus dem 17. Jh. Ich mag diese kleineren oft von den Eigentümern selbst geführten Hotels. Die Zimmer sind mitunter auch mit alten Möbeln und trotzdem allem Komfort ausgestattet.

Hier fällt uns ein riesen Stein vom Herzen, unsere Koffer erwarten uns. Wir machen noch einen kleinen Bummel ums Karree. Auch hier fallen uns die vielen jungen Leute auf, die sich lebhaft unterhalten und nicht nur auf elektronische Geräte schauen. Auch Angers ist eine Universitätsstadt.

Nach einem guten Frühstück fahren wir zum Château d‘Angers, das uns gestern schon durch seine massiven Mauern aufgefallen ist. Es ist die Festung der Grafen von Anjou, erbaut 1230 bis 1239. 17 runde Türme, 40 bis 60 m hoch aus Granit mit hellem Stein geschichtet, markieren das unregelmäßige Fünfeck, dessen Mauerlänge beinahe 1 km beträgt. Die 30 m breiten und 11 m tiefen Gräben sind heute mit schönen Blumenrabatten bepflanzt. In einer 1950 erbauten Galerie werden in der Tapisserie die mittelalterlichen Teppiche mit den Bildern der Apokalypse des Johannes präsentiert. Leider ist die Beleuchtung aus konservatorischen Gründen sehr gedämpft, so dass man die wunderbaren Details, die man bei einer Diashow gezeigt bekommt, nur erahnen kann. Durch die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern aus dem 15. Jh. laufen wir zur Cathédrale Saint-Maurice aus dem 12. Jh. und bewundern die wunderbaren Glasfenster.

Mit Blick auf das Château essen wir zu Mittag und fahren dann weiter durch das Anjou nach Saumur. Unterwegs fallen uns die vielen Höhlenöffnungen auf. Der Boden des Anjou besteht aus Kalk- und Muschelsandstein. Als hier das Gestein für die Burgen und Schlösser abgebaut wurde, haben die Arbeiter die Hohlräume zum Wohnen genutzt.

Das Château de Saumur thront auf einem Felsen über der Loire und strahlt hell in der Sonne. Es wurde in den letzten Jahren restauriert. Ein paar Gerüste stehen noch. Wir erforschen alle Räume, genießen den Blick über die Loire und pausieren im Hofcafe.

Es wird Zeit, zu unserem heutigen Quartier in Chinon aufzubrechen. Chinon liegt an der Vienne und ist ringsum von Weinbergen umgeben. In einem alten ehemals von Nonnen bewohnten Haus, das sehr schön renoviert wurde, vermietet der Hausherr zwei Zimmer. Das Haus liegt im Zentrum neben einer Kirche mit sehr schönen Glasfenstern und hat auch einen kleinen Garten.

Wir machen noch einen Spaziergang durch die schöne mittelalterliche Stadt und genießen die Abendstimmung an der Vienne.

Am nächsten Morgen werden wir von dem Hausherrn mit einem liebevoll zubereitetem Frühstück verwöhnt. Einiges ist homemade, z.B. die Marmelade, der Joghurt und ein Marzipangebäck. So gestärkt machen wir uns auf den Weg zu der auf einem Felssporn gelegenen imposanten Burg Forteresse Royal. Die zwischen dem 10. und 15. Jh. entstandene Burg spielt in der französischen Geschichte eine wichtige Rolle. Jeanne d‘Arc soll hier Karl VII. die Nachricht überbracht haben, dass er als rechtmäßiger König gekrönt wird. Auf der Burg wird Geschichte sehr anschaulich durch Videos und Hörspiele vermittelt. Es gibt einen großen Raum, in dem Kleine und Große Ritter spielen können. Bestimmt haben auch Kinder ihren Spaß bei einem Besuch. Wir erklimmen alle möglichen Türme, man muss viele Treppen steigen.

Am Nachmittag besuchen wir eines der größten Kloster des Abendlandes, die Abbaye de Fontevraud. Hier ruhen in der Abteikirche Heinrich II., seine Frau Eleonore von Aquitanien und der Sohn der beiden Richard Löwenherz. Trotz der Größe und Bedeutung stellt sich bei uns nicht das wahre Geschichtsflair ein, denn alle Patina der Jahrhunderte wurde weg restauriert.

Nach einem wiederum liebevoll angerichtetem Frühstück verlassen wir Chinon bei leichtem Regen und fahren zum Château du Rivau in Le Coudray.

Was für ein bezauberndes Anwesen. Das Ehepaar Laigneau hat seit 1993 das Schloss aus dem 15. Jh. restauriert. Gleich im Vorhof leuchten Kürbisse in allen Formen und Farben trotz Regen fröhlich zwischen den Blumen. Die Gärten sind unter verschiedenen Themen gestaltet, so gibt es z.B. das Labyrinth von Alice, das Schachbrett aus Blumentöpfen  (hier wurden sehr originelle Figuren aus Blumentöpfen und alten Gartengeräten gebaut), der rennende Wald (den Bäumen wurden Riesenbeine verpasst) und einiges mehr.

Ein lebendiger Pfau steht vor einem Spiegel und putzt sich. Im Schloss selbst kann man 5 Räume besichtigen. Auch sie sind mit viel Phantasie und humorvoller Kunst gestaltet. Ein Besuch, der einfach Spaß macht.

Weiter geht es nach L‘Île Bouchard, wo wir uns die Prieure Saint-Leonard aus dem 12. Jh. ansehen. Es sind nur noch Chor und Chorumgang erhalten, aber auf den Säulentrommeln aus weißem Tuffstein befinden sich wunderschöne Figuren- und Blattkapitelle.

Ein weiteres Kleinod erwartet uns, das Renaissanceschloss Azay-le-Rideau am Indre, einem Nebenfluss der Loire. Das von Wasser umgebene Schloss wurde Anfang des 16. Jh. von einem Bürgerlichen erbaut. Es besticht durch klare und harmonische Proportionen. In den Räumen sind Installationen der Künstler Piet.sO und Peter Keene ausgestellt, die mich heiter stimmen. Ich steige auf den Dachboden und bestaune den Originaldachstuhl aus Eichenholz. Auch hier gibt es einen Garten, genannt Garten der Geheimnisse. Ich sehe nur wild durcheinander wachsende Blumen, schön, aber nicht sehr geheimnisvoll. Im Teelädchen erholen wir uns bei Kaffee und leckerem Törtchen bevor wir zu unserem heutigen Ziel Tours fahren.

Wir wohnen in einem Apartmenthotel neben dem Bahnhof.

Heute wollen wir eine Schlosspause einlegen. Stattdessen schlendern wir durch Tours. Natürlich dürfen wir die Cathédrale Saint Gatien nicht ignorieren. Der Bau wurde im 13. Jh. begonnen und bis ins 16. Jh. erweitert. Beim Anblick der in die Höhe strebenden Säulen fällt mir sofort das Buch „Die Säulen der Erde“ ein. Natürlich sind auch hier die mittelalterlichen bunten Fenster ein absoluter Blickfang. Wir wissen gar nicht, wo wir zuerst hinsehen sollen. Zwischen 2006 und 2010 wurden ein paar nackte Fenster von einem Künstler durch moderne Malereien ersetzt, die sich aber sehr harmonisch einfügen. Im Kreuzgang La Psalette war eine Sängerschule untergebracht. Man hat von hier nochmal einen guten Blick auf das Strebewerk des Chores.

Vor dem Musée Beaux Arts steht eine 200 Jahre alte Libanonzeder. Hier hat die Natur ein mindestens so großes Wunder vollbracht, wie die Baumeister der Kathedrale. Einfach gewaltig!

Durch die Fußgängerzone schlendern wir zur Basilique Saint-Martin. Sie wurde als Ersatz für die alte Basilika im historisierenden romanisch-byzantinischen Baustil errichtet und 1890 eingeweiht. Auch hier sind wir von der Größe beeindruckt, aber sie hat nicht das Flair der Kathedrale.

Ganz in der Nähe gibt es die große Markthalle, architektonisch völlig uninteressant, aber innen gibt es jede Menge leckere Dinge, Obst und Gemüse in Hülle und Fülle, jede Menge Käse , Fisch und Fleisch, wie man es in der Fülle nur von südlichen Ländern kennt.

Auf dem Rückweg kommen wir am prächtigen Bau des Rathauses vorbei. Vor den Fenstern gibt es reichlichen Blumenschmuck. Überhaupt scheinen die Franzosen viel Sinn für Blumen zu haben. Viele Orte weisen wunderschöne und sehr gepflegte Blumenbeete auf. Auch Springbrunnen sieht man immer wieder. Auf dem Platz vor dem Rathaus gibt es gleich 2 große Fontänen. Der Eingang zum Bahnhof von Tours hat eine sehr schöne Jugendstilfassade.

Heute sind wieder Schlösser angesagt. Als wir in Langeais ankommen, erwartet uns ein munteres Treiben. Trotz Sonntag gibt es einen Markt, auf dem unter vielem anderen auch lebendes Federvieh verkauft wird.

Die Festung wurde Mitte des 15. Jh. erbaut. Hier heiratete 1491 Karl VIII. Anne de Bretagne. Man wird hier von Geschichte förmlich verfolgt. Immer wieder begegnen einem bekannte Namen, die ich leider oft nicht einordnen kann. Das Schloss ist fast gemütlich. Bis auf den großen Festsaal sind die Räume relativ klein, die Wände mit Teppichen behängt, die Böden mit farbigen Fliesen bedeckt und in fast jedem Raum gibt es ein Himmelbett. Von einem Wehrgang aus hat man schöne Ausblicke auf die Umgebung. Nach der Schlossbesichtigung gehen wir in den anschließenden Park. Hier stehen einige Libanonzedern und andere große Bäume. In einem ist ein mehrstöckiges Baumhaus installiert. Wir werfen noch einen Blick auf die Loire und fahren weiter nach Villandry.

Gestärkt von einem Mittagessen geht es ins 1536 vollendete Renaissanceschloss, das seit 9 Generationen und über 100 Jahren in Privatbesitz ist. Das Schloss ist relativ schnell besichtigt. Hängen geblieben sind bei mir die eingebauten Bettnischen und die wunderschönen Blumenarrangements, farblich passend zu den Vorhängen der Bettnischen.

Das besondere in Villandry sind die Schlossgärten. Es gibt einen Ziergarten, in dem in vier Quadraten die unterschiedlichen Arten der Liebe dargestellt werden (die zarte, die leidenschaftliche, die unbeständige und die tragische Liebe), den Wassergarten, den Sonnengarten, das Labyrinth, einen mittelalterlichen Gewürz- und Heilpflanzengarten und den Gemüsegarten. Die Anlage ist riesig und sehr gepflegt.

Jedes Schloss hat seinen ganz eigenen Charakter. Es ist immer wieder interessant und wir müssen viel laufen, so dass wir abends ganz schön geschafft sind.

Und wieder geht es weiter. In Montlouis im Château de la Bourdaisiere hat der Besitzer eine Tomatensammlung angelegt. Insgesamt 700 Sorten hat er bisher angepflanzt. Gestern war großes Tomatenfest, die Pavillons stehen noch im Park. Heute ist es sehr ruhig. Das Schloss kann man nicht besichtigen, es ist heute ein Hotel. Neuerdings sammelt der Prinz auch Dahlien, die in allen Farben und Formen zur Zeit blühen. Hinter dem Schloss schließt sich ein großer Park mit besonderen Bäumen an. Auch hier gibt es wieder die Libononzeder, aber keine ist so prächtig, wie die in Tours. Nachdem ich ein paar Tomaten gekostet habe, machen wir uns wieder auf den Weg.

Nicht weit entfernt kommen wir zum Château Amboise. Es ist eines der Pflichtschlösser, wenn man nur ein paar Tage unterwegs ist. Die Anlage thront hoch über der Loire. Sie wurde 1492 begonnen. Heute existieren neben dem Schoss noch 2 Türme, die dazu dienten, dass die Reiter und Wagen über die 3 m breite, spiralförmig gewundene Rampe bequem nach oben kamen. In der Chapelle Saint-Hubert sollen die Gebeine Leonardo da Vincis ruhen. Vom Garten, der mit vielen kugeligen Buchsbäumen bepflanzt ist, hat man eine herrliche Sicht über Amboise und das Loiretal.

Nach einer Mittagspause begeben wir uns zur 500 m weiter gelegenen Wohnstätte Leonardos. König Franz I. hatte Leonardo da Vinci, den er sehr bewunderte, aus Italien nach Amboise gebracht und ihm ein Haus mit Grundstück – Le Clos Luce – zur Verfügung gestellt. Hier kann man nachempfinden, wie Leonardo dort gelebt hat. Einige seiner Erfindungen sind als Modelle ausgestellt und in einem sehr idyllischen Garten spaziert man sozusagen auf seinen geistigen Spuren.

Es ist Zeit, unser nächstes Quartier in Blois aufzusuchen. Es ist eine kleine, sehr nette Wohnung in einem Haus aus dem 17.  Jh. mitten in der Altstadt.

Heute bleiben wir in Blois. Wir lassen den Tag langsam angehen, bevor wir zum Schloss aufbrechen. Es ist nur ein paar Minuten von unserer Unterkunft entfernt. Das Besondere an diesem Schloss ist, dass man an den drei Flügeln, die sich um einen großen Hof gruppieren, die unterschiedlichen Entstehungszeiten ablesen kann.

Wir gucken in die Église Saint-Nicolas aus dem 12. Jh. und gehen durch die Altstadtgassen zu unserem Quartier in der Rue St. Honore. Zwei Häuser neben unserem Haus hat sich ein hoher Hofbeamter das Hôtel d‘Alluye im 16. Jh. bauen lassen. Es hat eine sehr hübsche Renaissancefassade.

Nach einer Mittagspause gehen wir zum Maison de la Magie Robert-Houdin. Houdin war der erste weltberühmte Magier und wurde in Blois geboren. Dieses Museum ist ihm gewidmet. Es gibt ein paar Illusionen, optische Täuschungen und zur Zeit eine Ausstellung über Papierfaltereien. Im Anschluss an die Besichtigung gab es eine halbe Stunde Zauberei.

Es stand noch der Besuch der Cathédrale Saint-Louis aus dem 17. Jh. aus, wie immer riesig und mit schöner Glasmalerei.

Um 22 Uhr gibt es vor dem Schloss eine „Show, die mit Klangspielen und riesigen Projektionen im Einklang mit der grandiosen Architektur des Schlosshofes die großen Ereignisse der Schlossgeschichte heraufbeschwört“. Wir haben Kopfhörer und können uns den Text in deutsch anhören. Das ist sehr schön gemacht.

Heute regnet es. Wir fahren zum Château de Chenonceau (16.Jh.). Es ist das meistbesuchte Loireschloss. Es liegt allerdings gar nicht an der Loire sondern an der Cher und zwar mitten im Fluss. Es wird auch das Schloss der Frauen genannt, da 5 Frauen hier maßgeblich gelebt und gewirkt haben.

Trotz Regen strömen die Massen. So voll wie hier war es noch nirgends. Nachdem wir uns durch die Räume geschoben haben (wunderschön sind die in jedem Raum riesigen Blumengestecke, die zweimal wöchentlich erneuert werden), begeben wir uns in die Gärten, wo wesentlich weniger Menschen sind. Es sind die typischen französischen Gärten, schön, aber wir haben jetzt schon eindrucksvollere gesehen. Es gibt aber einen sehr schönen Gemüsegarten.

Das Château de Chaumont, erbaut 1465 bis 1510 liegt direkt über der Loire in einer riesigen Parkanlage. Es erinnert mich von außen an Schlösser in Märchenbüchern. In den Räumen des Schlosses und auch im Stall wird moderne Kunst ausgestellt, zur Zeit zum Thema Natur und Blumen, denn es findet ein Internationales Gartenfestival statt. 25 verschieden und mitunter sehr originell gestaltete Gärten sind zu entdecken. Wir verbringen hier viel Zeit.

Ein bisschen bedauern wir es, dass wir unsere gemütliche Wohnung verlassen müssen, aber die Sonne scheint und es geht auf zu neuen Abenteuern, bzw. Schlössern.

Heute fahren wir zum größten Schloss an der Loire Chambord, was wiederum Besuchermassen anzieht. Es sieht aus wie ein Zuckerbäckerschloss, Türmchen über Türmchen und hier noch ein bisschen und da noch ein bisschen. Zuviel des Guten. Das Besondere ist hier eine runde Treppe, bei der zwei Aufgänge so angeordnet sind, dass man auf der einen Seite hinauf geht und der andere auf der anderen Seite herunter, ohne dass man sich begegnet. Man kann sich nur an Maueröffnungen sehen. Es wird vermutet, dass Leonard da Vinci seine Finger im Spiel hatte.

Die Sonne täuscht, es weht ein eisiger Wind. Wir fahren ohne weiteren Halt nach Orleans. Unser Hotel liegt in der Nähe der Kathedrale in einem Haus aus dem 19. Jh. Das Altstadtviertel ist gleich um die Ecke. Wir laufen bis zur Loire, sehen viele Fachwerkhäuser, besichtigen die riesige, bisher größte Kathedrale unserer Reise und gehen leicht durchgefroren zurück ins Hotel.

Heute bleiben wir in Orleans. Im Hôtel Groslot, einem Palais aus dem 16. Jh. können wir uns ein paar Räume ansehen. Es diente eine Zeit lang als Rathaus von Orleans. Im Sonnenschein vor der Kathedrale lassen wir uns ein Menu schmecken. Sobald die Sonne verschwindet, ist es richtig kalt. Die Sehenswürdigkeiten in Orleans sind ziemlich schnell erledigt, wenn man nicht ins Museum gehen will. Deshalb fahren wir mit der Straßenbahn zum Parc Floral de la Source. Es ist ein größerer Park mit altem Baumbestand und einigen Blumenbeeten.

Am Abend gehen wir zum groß angekündigten Nachtmarkt, der sich aber als sehr bescheidener kleiner Gemüsemarkt erweist. An der Kathedrale gibt es um 22 Uhr eine Lichtshow mit Musik unterlegt. Anders als in Blois, aber auch sehenswert. Durchgefroren kehren wir ins Hotel zurück.

Der Tag beginnt mit Regen. Nach dem Frühstück fahren wir gen Südosten nach Châteneuf-sur-Loire. Hier informiert das Musee de la Marine de Loire über die Geschichte der Seefahrt auf dem Fluss. Bei strömenden Regen fahren wir nach Saint-Benôit-sur-Loire. Hier herrscht in der Benediktinerabtei Abbaye de Fleury seit 1944 wieder mönchisches Leben. In einer wuchtigen Kirche aus dem 12. Jh. aus weißem Kalkstein kann man abends den Mönchen bei ihren gregorianischen Gesängen zuhören. Aber so lange wollen wir nicht bleiben. Als wir in Sully-sur-Loire eintreffen, liegt das Schloss mit seinen trutzigen Türmen voll in der Sonne. Das ist wieder so ein Schloss aus Märchenbüchern: dicke Türme ragen aus dem Wasser. Innen ist es nicht so sehr interessant. Am eindrucksvollsten ist der Dachstuhl, der wie ein umgedrehter Schiffsrumpf aussieht.

Das Wetter hält und wir fahren weiter zum Pont Canal de Briare. Es ist ein 684 m langes Wunderwerk der Technik, bei dem die Schiffe in einer Wasserwanne über die Loire fahren können. Zwei Kanäle werden so verbunden. Die Brücke wurde 1897 eingeweiht. Das Ingenieurbüro von Gustav Eiffel war an dem Bau beteiligt.

Es regnet. Wir packen unsere Sachen und fahren Richtung Bourges. In Ferté St. Aubin erwartet uns eine ganz neue Art von Schlossbesichtigung. Das von außen recht ansehnliche Schloss (ein Wasserschloss aus dem 16. Jh.) wird seit 350 Jahren bewohnt, seit mehreren Generationen von einer Familie. Anscheinend war die Familie nicht sehr begütert, denn hier kann man sehen, wie so ein Schloss aussieht, wenn es nicht restauriert wird. In mehreren Räumen gibt es Spiele aus früheren Zeiten, mit denen man spielen darf. Sehr hübsch ist eine Ausstellung mit alten Puppen, Teddys und anderem altem Spielzeug. Es werden wohl auch Veranstaltungen durchgeführt. Der Besitzer bedankt sich bei den Besuchern, dass sie ihm helfen, das Dach neu zu decken. Für den Eintritt von 7,50 € kann er 6 neue Dachziegel kaufen. Das Dach sah auch ganz gut aus. Aber da müssen noch viele Besucher kommen, um den Rest herzurichten.

Wir wollen essen gehen, im 1. Restaurant ist alles besetzt, im 2. und im 3. ebenfalls. Beim 4. ist es 14 Uhr und time over. In einer Bar gönnen wir uns einen Kaffee. Die Landschaft, durch die wir jetzt fahren, unterscheidet sich von der an der Loire. Es gibt viel Wald und so gut wie keine Landwirtschaft. In den Wäldern soll es viele Teiche geben, aber wir bekommen nur zwei zu sehen. Und es gibt Heide. Hier gab es früher etliche Adelssitze, die heute den betuchten Parisern als Zweitwohnsitze dienen. In den dazugehörigen Ländereien gehen sie auf die Jagd. Wir kommen nur durch wenige Orte. Kurz von Bourges tauchen Apfelplantagen auf. Wir erstehen einige Äpfel im Direktverkauf.

Unser Quartier liegt in einem kleinen Vorort vor Bourges, in Fussy. Es ist eine Einliegerwohnung in einem Einfamilienhaus. Es tut gut, sich wieder ein bisschen ausbreiten zu können. Das Zimmer in Orleans hatte zwar mit Stoff bespannte Wände, aber es war doch recht klein und vor allem das Badezimmer war winzig. Dafür war es direkt im Zentrum. Hier müssen wir das Auto bewegen, um nach Bourges zu kommen.

Die Kathedrale in Bourges übertrumpft alle bisher gesehenen, zumindest an Größe. Aber wir gucken heute nur von außen, das Innere heben wir uns für morgen auf. Die Altstadt von Bourges weist so viele mittelalterliche Fachwerkhäuser auf, wie ich sie in der Menge noch nicht gesehen habe, ein richtig mittelalterliches Stadtbild.

Aber die Kälte treibt uns zurück in unser Quartier. Wir hoffen auf besseres Wetter morgen.

Das Land versinkt im Nebel. Wir frühstücken in aller Ruhe und als wir gegen 11 Uhr losfahren, ist es schon etwas klarer. In Bourges führt unser erster Weg zur Kathedrale Saint-Etienne. Ist sie von außen schon sehr eindrucksvoll, wird man im Inneren von der Größe überwältigt. Es ist ein fünfschiffiger Bau und wahnsinnig hoch. Begonnen wurde der Bau Ende des 12. Jh.

Wunderschöne in allen Farben strahlende Glasfenster gehen über 3 Etagen und darüber kommen noch die Rosetten. Großartige Figurenportale schmücken die Außenfront. Die Kathedrale zählt zu Recht zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Die Sonne scheint. Sofort sieht alles nochmal so schön aus. Die Stimmung steigt und wir gehen in den hinter der Kathedrale liegenden Jardin de l‘Hotel de Ville. Es ist ein kleiner Park mit schönen Blumenbeeten, das Beste ist aber der Blick auf das Querschiff der Kathedrale.

Nach dem Essen machen wir uns auf den Rundweg durch die Altstadt mit ihren vielen Fachwerkhäusern. Wir kommen auch an einigen Palais vorbei, gehen aber nicht hinein. Das Wetter ist jetzt so schön, dass wir einen Spaziergang im Marais de Bourges machen. Das muss man sich wie eine Kleingartenkolonie im Spreewald vorstellen. Ziemlich verwilderte Grundstücke und das Ganze von Kanälen durchzogen. Sehr idyllisch.

Es gießt und jetzt donnert es auch noch. Gegen 11 Uhr kommt die Sonne kurz hervor und der Regen hört auf.

Sancerre In Jars, weniger als 20 km westlich von Sancerre, liegt die Käserei Legras Guillot. Hier produziert das Ehepaar Magali Legras und Dominique Guillot hervorragende Ziegenkäse aus der Milch der auf dem eigenen Hof selbst gezüchteten Ziegenherde.

Über Nebenstraßen fahren wir dort hin. Die Landschaft ist jetzt wieder offener und bis auf kleine Gebiete landwirtschaftlich genutzt. Es geht vorbei an riesigen Sonnenblumenfelder, die jetzt allerdings mit ihren braunen herunterhängenden Blüten ziemlich traurig aussehen.

Sancerre liegt auf einem Hügel und wird von der Sonne beschienen. Ringsherum erstrecken sich die Weinberge. Die Lese hat begonnen. Der ganze Ort ist auf Wein ausgerichtet. Der Weißwein von Sancerre  hat einen sehr guten Ruf.

Wir bekommen außerhalb der normalen Essenszeiten einen sehr guten Salat mit warmem Ziegenkäse und ein Omelett mit Ziegenkäse. Die Speisekarte ist hier ganz auf Ziegenkäse ausgerichtet. Es ist dieser junge Ziegenkäse, der ganz mild ist. Als Krönung bestellen wir uns Cafe Gourmand. Das ist ein Espresso mit 4 kleinen Nachtischen; 1 Kugel Eis, 1 Schokoküchlein mit warmer Schokoladensoße, 1 kleiner Sandkuchen und 1 kleine Crème brûlée. Lecker!

Bourges scheint in einer Nebelecke zu liegen. Auch heute versinkt die Umwelt im Nebel. Kaum sind wir ein paar Kilometer gefahren, wird es klar. Die Sonne scheint. Wir nehmen heute die Autobahn, denn es liegen ein paar Kilometer bis zur Küste vor uns. Rechts und links sind überwiegend Kiefernwälder. Das ist optisch nicht so interessant, aber die Autobahn ist wunderbar leer, das Richtige für unseren Flitzer. Allmählich öffnet sich die Landschaft, wir sehen mehr Wiesen und Felder, Landwirtschaft und Kühe.

Um Angers und Nantes wird es ein bisschen voller, aber nicht dramatisch. La Baule ist ein richtiger Ferienbadeort mit langem Strand und Promenade. Unser Appartement liegt in einer ruhigen Nebenstraße mit Pinienbäumen. Auf unsere große Terrasse scheint die Sonne.

Das Wetter sieht gut aus für einen Strandspaziergang. Der Strand ist endlos und da gerade Ebbe ist, erscheint er noch größer und weiter. Lange Muschelbänke lassen uns gar nicht mehr hoch sehen. Wir frönen unserer Sammelleidenschaft. Am Ende des Strandes sind viele schwarze Punkte zu sehen. Als wir näher kommen, erweisen sich die Punkte als Menschen, die zu Hunderten (jedenfalls mehr als Hundert) nach Muscheln graben. Das sieht wirklich lustig aus.

Am Strand In einem Strandrestaurant, quasi im Sand sitzend, nehmen wir ein leckeres Mittagessen zu uns.Wir beobachten, wie das Wasser zurückkommt und die Muschelsammler nach und nach verschwinden (aber nicht im Wasser). Leider kommt mit dem Wasser von unten langsam auch das Wasser von oben. Es zieht sich zu und wir kehren zurück in unser Quartier.

La Baule zeigt sich von seiner besten Seite. Blauer Himmel soweit man sehen kann. Dazu blaues Meer und weiter Strand. Unser Apartment liegt etwa in der Mitte der Bucht. Also laufen wir heute in die andere Richtung. Es ist wieder Ebbe und wir müssen weit hinaus, um ans Wasser zu kommen. Aber wir wollen nicht baden, sondern nur die Füße ein bisschen nass machen. Es ist nicht sehr viel los. Am Ende der Bucht gibt es einen kleinen Hafen, in dem die Boote jetzt auf dem Trockenen liegen. Wir essen zu Mittag und machen uns auf den Rückweg. Nach einer Kaffeepause auf unserer sonnigen Terrasse laufen wir noch einmal los, jetzt wieder entgegengesetzt. Inzwischen ist ein bisschen mehr Betrieb, es ist Wochenende und das schöne Wetter lockt die Menschen heraus.

Wir genießen noch die Abendsonne und nehmen dann Abschied vom Meer und Frankreich.

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