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La Palma – grün, grüner, am grünsten

23. Juni 2015 1.314 Leser 0 Kommentare

Wir wollten schon lange mal auf die Kanarischen Inseln, aber Teneriffa und Gran Canaria mit ihren Bettenburgen reizten mich überhaupt nicht. Da schwärmten uns Bekannte vor, wie schön La Palma wäre. Damit hatten wir unser nächstes Reiseziel im April.

Nach 5 Stunden Flug landen wir bei 22 Grad und leichter Bewölkung. Mit unserem Mietwagen machen wir uns auf zu unserem Quartier auf der Westseite der Insel. Über viele Serpentinen fahren wir die Berge hoch, denn die West- und Ostseite La Palmas wird durch die hohen Berge der Caldera de Taburiente getrennt. Nach einer Tunneldurchfahrt geht es durch ein großes breites Tal mit vielen Bananenplantagen bis Los Llanos de Aridane, die größte Stadt auf der Westseite.140a. Ich will es erst nicht so recht glauben, dass wir an der vor uns liegenden Bergwand hochfahren müssen, aber ja, von fast Meereshöhe geht es auf ca. 500 m zum Aussichtspunkt El Time. Die Straße schlängelt sich in langen Kehren den Berg hinauf. Von El Time haben wir einen grandiosen Blick über das Aridane-Tal und in den Süden der Insel.

Unterkunft mit Meeresblick

Wir sind mit unserem Gastgeber vor einer Bar in Tijarafe verabredet, von dem wir ein Haus des Turismo rural gemietet haben. Dabei handelt es sich um uralte Bauernhäuser  in ländlicher Umgebung, die stilgerecht renoviert wurden und heute an Touristen vermietet werden. Er fährt vor uns her bis zu einer etwas abenteuerlichen Straße, die zu unserem Haus führt. Wir sind begeistert. Das Haus liegt auf einem terrassenförmigen Grundstück mit einer riesigen Dattelpalme, einem Feigenbaum, Avocadobäumen, einem Mispelbaum und vielen Blumen. Es ist gemütlich und mit allem was man braucht ausgestattet. Rechts, links und hinter uns gibt es quasi keine Nachbarn, denn auch hier durchschneiden die Barrancos (Schluchten) die Hänge. Den Nachbarn vor uns sehen wir nicht, weil die Pflanzen zu dicht sind. Aber wir haben einen fantastischen Meeresblick.

In El Jesus lassen wir uns Cabrita (Zicklein) schmecken und genießen den Sonnenuntergang auf unserer Terrasse.

Bananenplantagen

Unser Frühstück genießen wir im Restaurant El Time mit Blick auf das Tal und die zahlreichen Bananenplantagen. Viele der Plantagen sind mit Plastikplanen abgedeckt. Das ist nicht unbedingt dekorativ, aber jetzt glitzern sie in der Sonne, so dass man denken könnte, es sind alles Wasserbecken, von denen es zur Bewässerung auch viele gibt. Es geht die Bergwand wieder hinunter und wir kommen nach Puerto de Tazacorte, mit seinen hübschen bunten Häusern. Es ist der wichtigsten Fischereihafen der Insel. Die Badebucht ist durch eine Mauer vor zu hoher Brandung geschützt Ein paar Jugendliche sind im recht kühlen Wasser. Wir schlendern über die Kaimauer, kommen am neuen Jachthafen vorbei zum Ort Tazacorte. An der Plaza El Morro mit seinen schönen Mosaiken trinken wir einen Kaffee und beobachten das Treiben auf dem Platz.

Auf unserer Fahrt nach Puerto Naos fahren wir auf dem flachen Küstenstreifen durch unzählige Bananenplantagen und überqueren Lavaströme. Puerto Naos ist der größte Touristenort an der Westküste, aber kK1600_002ein Vergleich zu den Hotelburgen anderer kanarischer Inseln. Ein langer schwarzer Sandstrand bietet genügend Platz für die Besucher.

Steilküste und Serpentinen pur

Nach dem Frühstück erkunden wir heute den Nordwesten der Insel. Die Küste ist hier steil und Barranco reiht sich an Barranco, d.h. wir müssen ständig Kurven fahren. Den ersten Halt legen wir am Mirador Garome ein, wo wir einen fantastischen Blick über die wilde Schlucht haben. Ein Stück weiter gilt es die Reste der Zwillingsdrachenbäume zu besichtigen. Den einen hat der Sturm umgeworfen und der andere wird auch nur noch durch eine Mauer gestützt. Aber trotzdem beeindrucken uns diese urzeitlichen Riesen. Hinter Puntagorda gibt es ein sehr schönes Waldgebiet mit Pinien. Wir begeben uns auf eine etwa einstündige Rundwanderung. Zur Stärkung kehren wir in Puntagorda im Lokal Pino de la Virgin ein. Wir sitzen in einem blumenberankten Innenhof und essen Conejo (Kaninchen) und dazu Papas arrugadas con mojo. Das sind ungeschälte Kartoffeln mit einer Salzkruste, die man mit Schale ist. Es gibt roten und grünen Mojo. Das sind kalte Soßen mit Tomaten, Knoblauch, Kräutern und vieles mehr. Wir sind sehr zufrieden und so satt, dass leider kein Nachtisch mehr passt.

005Wir fahren noch ein wenig weiter nach Norden. Die Landschaft ist wirklich toll. Aber für heute haben wir genug gesehen. Zurück in unserem Quartier ziehen wir Badesachen an, um mutig in unseren Pool zu steigen, aber mehr als die Füße bekommt er nicht zu sehen. Die Sonne scheint zwar den ganzen Tag, aber die Temperaturen sind gemäßigt.

Morgens ist der Himmel meist ein bisschen verhangen, klart dann aber schnell auf.

Heute wollen wir die Mitte der Insel erkunden und fahren über El Paso bis zum Refugio El Pilar, einem Picknickplatz mitten im Pinienwald. Der Weg führt vorbei an Fayal-Brezal-Büschen (diese Erikabäume sehen aus wie unsere Heide nur überdimensional), durch Pinienwälder und die herrlichen Asche- und Lavafelder von Llanos de Jable, wo wir einen ersten Stopp einlegen und die Aussicht auf El Paso und das Aridane-Tal genießen. Bei El Pilar starten wir unsere Wanderung über die Cumbre Nueva zum Reventon-Pass. Die Cumbres sind die südlichen Bergzüge der Insel. Sie sind nicht so hoch wie die Caldera-Berge. Wir laufen auf dem Bergkamm entlang durch einen Mischwald aus Pinien-, Lorbeer- und Erikabäumen. Auf der einen Seite haben wir immer wieder den Blick auf die Lavafelder und Täler bis zum Meer, aber auf der anderen Seite ist die Sicht durch Nebelschwaden versperrt. Hier schwappen die Wolken über die Berge.
Nach ca. 3 Stunden sind wir zurück am Parkplatz und fahren in unser sonniges Quartier.

Der Süden La Palmas

Schon erstaunli038ch, wie viele unterschiedliche Landschaften so eine kleine Insel bietet. Der Süden wird geprägt von 2 Vulkanen, den San Antonio, ausgebrochen 1677 und den Teneguia, ausgebrochen erst 1971. Auf dem älteren laufen wir auf dem Kraterrand entlang. Im Kraterkessel haben sich schon Pflanzen angesiedelt. An den Außenhängen des Kraters wird Wein angebaut. Bei dem jüngeren Vulkan ist das Gestein noch sehr grob, praktisch ohne Vegetation, wild und schwarz. Wir spazieren durch diese Mondlandschaft.
Über etliche Serpentinen geht es dann bis zur Südspitze der Insel. Hier gibt es Salinen, um die ein Rundgang mit Schautafeln führt. Wir erstehen ein paar Tütchen Fleur de Sel. Auf der Rückfahrt kommen wir durch ein Gebiet, in dem es 2009 kräftig gebrannt hat. Die Folgen sind noch deutlich zu sehen.

Für024 heute ist Faulenzen angesagt. Wir wollen mal unser schönes Anwesen genießen.

Gegen Mittag brechen wir dann doch nach Los Llanos de Aridane auf, um dort ein bisschen herum zu bummeln. Auf der Plaza genießen wir unter riesigen Lorbeerbäumen unsere Tapas. Der Bauern- und Handwerkermarkt in El Paso ist eher enttäuschend.

Strahlend blauer Himmel. Da steht man doch gerne auf. Unsere Fahrt nach Norden geht an Puntagorda vorbei um viele Barrancos herum bis auf 1200 m. Wir fahren durch verschiedene Vegetationsebenen, durch Pinienwälder, Wiesen mit vielen Blumen an den Wegesrändern und Weinanbaugebiete. Der Wein wird bis auf 1000 m Höhe angebaut. Es ist eine besondere Traube, die in Holzfässern gelagert wird. Das Ergebnis ist Tea-Wine, ein Retsinawein.

Über Nacht muss der Ginster aufgeblüht sein. Es leuchtet überall gelb.048

Wir biegen von der Hauptstraße ab zu einem kleinen Dorf, El Tablado. Es liegt etwa auf 350 m Höhe, d.h. es geht rapide abwärts. Es gibt hier ein paar Drachenbäume, die wir uns ansehen wollen und eine schöne Aussicht über die Küste. Etliche Häuser stehen leer und verkommen. Auch hier gibt es Landflucht.
Wieder zurück auf der Hauptstraße fahren wir noch ein paar Kilometer weiter zu einem Restaurant, das in unserem Reiseführer erwähnt wird. Es ist ein schlichtes Gasthaus, von denen es hier recht viele gibt. Wir bestellen gebratenen Ziegenkäse, Tintenfischringe und kleine Tintenfische im Ganzen.

Zurück in Puntagorda besuchen wir den hiesigen Bauernmarkt, der wesentlich größer und bunter ist als der in El Paso. Musiker sorgen für Stimmung. Es gibt viel Publikum.
Angeboten werden Kunsthandwerk, Ziegenkäse, Fleisch, Gemüse, Obst und Torten. Ich trinke ein Glas Zuckerrohrsaft, sehr lecker.

Schöne Strände auf La Palma

Wir fahren zum Strand von Tazacorte. Da Sonntag ist, sind ein paar mehr Leute da. Die Einheimischen nutzen das Wochenende für Ausflüge. Aber es ist nicht wirklich voll, die Wassertemperatur liegt bei höchstens 19 Grad, nur die Mutigen gehen ins Wasser.
Im Hafen essen wir eine Fischsuppe und gebackenen Ziegenkäse. 021

Den Rest des Tages verbringen wir auf unserer Hazienda.

Der Wetterbericht hat für heute Regen angesagt. Wir ziehen trotzdem los, um zu einem Drachenbaumhain zu kommen. In Las Tricias (nördlich von Puntagorda) soll es losgehen, aber wir finden den Einstieg nicht.. Ich habe leider auch nicht das richtige Buch dabei, weil ich dachte, es wird schon ausgeschildert sein. Eigentlich sind die Wanderwege hier sehr gut markiert. So fahren wir weiter Richtung Norden und kurz vor Garafia biegen wir ab in eine Serpentinenstraße zum Poris de Garafia. Unter Poris (Puerto) darf man sich jetzt keinen wirklichen Hafen vorstellen. Die Straße endet ein ganzes Stück über dem Meer und man kommt nur zu Fuß weiter. Unten sitzen ein paar Angler. Bevor es die Hauptstraße gab, erfolgte die Versorgung nur über Boote. Ich möchte mir die mühsame Schlepperei über die Ziegenpfade nach oben nicht vorstellen.

In Garafia legen wir eine Kaffeepause ein und besichtigen die Kirche. Wir entdecken zwei Drachenbäume, zu denen 056wir hinlaufen .Zwar kein Hain, aber die Bäume sind auch als Solitäre eindrucksvoll. Auf dem Rückweg zum Auto wird die Luft schon recht feucht, vom Meer kommt eine dicke Wolkenwand hoch und es fängt an zu regnen. Wir fahren zurück zu unserem Haus. Von der tollen Landschaft ist nichts mehr zu sehen.. Kaum zurück, hört der Regen wieder auf. Die Temperatur ist allerdings auf 13 Grad zurückgegangen. Zum Glück verfügt das Haus über eine Heizung.

Heute steht die Hauptstadt Santa Cruz auf dem Programm. Wir schlendern durch die Fußgängerzone, besichtigen die Kirche und das Rathaus und trinken in der Markthalle Zuckerrohrsaft. Die Balkonhäuser finden unsere Bewunderung.

Für die Rückfahrt wählen wir die Strecke über den Roque de los Muchachos (2426 m), auf dem sich eine bedeutende Sternwarte befindet. Wir müssen uns von Meereshöhe hinaufschrauben. Bei etwa 1000 m beginnen die Wolken und erst bei 500 m weiterer Höhe lassen wir sie hinter uns.
Plötzlich ist blauer Himmel über und die Wolken unter uns. Wir stehen auf einem Grat und können rechts und links auf ein Wolkenmeer hinunter sehen. Das hat etwas Magisches.094

Über etliche Haarnadelkurven geht es dann auf der anderen Seite rasant hinunter. Wir kommen durch Mandelbaum- und Weinplantagen zurück zu unserem Quartier.

Die Caldera de Taburiente ist heute unser Ziel.. Wenn man vom Roque de los Muchachos mal absieht, gibt es nur zwei Zufahrten zum Nationalpark. Bei der einen fährt man zu einem Parkplatz, wo man in Jeeps umsteigen muss. Die bringen einen dann zu einem Punkt, von dem aus man in 6 bis 8 Stunden an einem Fluss entlang wieder zurück wandern kann. Für die andere Zufahrt muss man sich eine Genehmigung holen, weil es nur 16 Stellplätze für PKWs gibt. Man hat dann ca. 2 Stunden Zeit um zu 2 Aussichtspunkten zu laufen. Das machen wir. Toller Blick in die Caldera und die sie umgebenden 2000er, die steil emporragen. Wir haben großes Glück mit dem Wetter, keine Wolke am Himmel, so dass wir eine sehr gute Sicht haben.1000a

Lecker essen auf La Palma

Wir besuchen eine Bodega (ohne an Verkostungen teilzunehmen), die in einem Lavaberg eingebaut ist, in dem die Weine lagern. Angeschlossen ist ein Restaurant, ebenfalls in dem Berg. Ich bestelle mir „Bien me sabe“ (schmeckt mir gut). Das ist ein Nachtisch aus Mandeln und Honig, der mir eine ganze Mahlzeit ersetzt.
100In Las Manchas de abajo befindet sich auf der Plaza La Glorieta ein wunderschöner Platz mit Mosaiken, Springbrunnen und Pflanzen. Luis Morera, ein Schüler von Cesar Manrique hat den Platz gestaltet.

Auf diesem Platz treffen wir einen Geologen, der Führungen anbietet. Wir verabreden uns mit ihm für den folgenden Tag. Als erstes besucht er mit uns eine Bananenfabrik. Hier werden die Stauden gewaschen, nach Qualität sortiert und für den Versand verpackt. Wir bekommen eine Tüte voll Bananen geschenkt. Ganz in der Nähe gibt es einen botanischen Garten. Er nennt uns die Namen verschiedener Pflanzen und erklärt, welche davon endemisch sind. Auch hier hat Luis Morera gewirkt. An einer Steinwand zeigt er uns, wie La Palma aufgebaut ist. Ein ganzes Stück höher gibt es im Pinienwald die Reste einer Siedlung aus der Steinzeit(?). Lässt sich wohl nicht so genau datieren. Er zeigt uns, wie auf den Lavaflächen wieder Leben entsteht. Flechten zersetzen mit 029ihrer Säure Steine, Moose wachsen, Erde entwickelt sich und schließlich wachsen größere Pflanzen. Am Wegesrand pflückt er für uns Kräuter.

Zerklüfete Nordküste der grünen Insel

Die Nordküste ist wild zerklüftet mit unzähligen Barrancos, wir umfahren die Buchten in dem es tief ins Land hinein geht und auf der anderen Seite wieder hinaus. Das ist landschaftlich höchst reizvoll, weil man immer wieder andere Ausblicke hat. Aber es ist eine wilde Kurbelei, wie im Walzertakt, mal links herum, mal rechts herum. Wir 113fahren nach La Fajana an der Küste. Hier gibt es Meerwasserbecken. Es sind Naturbecken, bei denen das Meerwasser über die Felsen schwappt. Aber es badet niemand, einfach nicht warm genug. Dafür essen wir direkt über dem Meer Fisch und unter uns tobt die Brandung. Schön!

In Los Tilos wandern wir durch einen urwaldähnlichen Lorbeerwald mit großen Farnen.

Wir müssen uns langsam von der Insel verabschieden. Über eine Nebenstraße unterhalb der Hauptstraße fahren wir durch endlose Bananenplantagen. Ziel ist der Felsen oberhalb von Puerto Tazacorte, von wo aus man einen fantastischen Blick über den Hafen und die Küste hat. In Puerto Tazacorte trinken wir einen Kaffee und fahren weiter zum nächsten Strand in Puerto Naos. Hier baden wir zumindest unsere Füße im Atlantik. Am nächsten Strand – Playa de Charco Verde – können wir doch einige Badende beobachten. Es ist eine sehr schöne Badebucht ohne Ort.300a

La Palma hat uns sehr gut gefallen. Landschaft, Klima, Menschen, Unterkunft war alles perfekt. Es gibt unzählige gut ausgeschilderte Wanderwege mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Wenn man wie wir gerne herumfährt, muss man sich allerdings auf viel Kurvenfahrerei einstellen.

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