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Die Ligurische Küste – Cinque Terre

31. Oktober 2012 2.535 Leser 0 Kommentare

Blauer Himmel, Sonne, Wärme – deshalb sind wir jetzt im Herbst in den Süden gefahren. Und wir werden nicht enttäuscht. An der Ligurischen Küste, südlich der norditalienischen Stadt Genua, beziehen wir Quartier in der Ferienanlage „La Francesca“. Wir bewohnen ein kleines Häuschen an einem steilen Berghang mit Blick aufs Meer. Am Morgen werden wir vom fröhlichen Gezwitscher der Vögel geweckt und am Abend sehen wir die Sonne im Meer versinken. Was will man mehr?!

Der nächste Tag

Am Fuße unseres Berges verläuft eine Uferstraße nur für Fußgänger und Radfahrer. Wir laufen sie gen Westen entlang und kommen durch einen langen Tunnel nach Bonassola. Der Ort liegt in einer kleinen Bucht der Riviera di Levante. Auf den umliegenden Hügeln gibt es Oliven- und Weinterrassen. Am steinigen Strand liegen die Sonnenhungrigen noch Ende Oktober und holen sich ihre letzte Sonnenbräune. Wir schlendern durch den Ort, genießen einen Eisbecher und laufen durch mehrere Tunnel in die entgegengesetzte Richtung nach Levanto. Hier gibt es einen recht großen Strand, den ich aber mehr steinig als sandig finde.

Nachdem wir uns in der Focacceria „Il Falcone“ gestärkt haben, erkunden wir den mittelalterlichen Ortskern mit der Loggia del Comune aus dem 13. Jahrhundert an der Piazza del Popolo. Nach Besichtigung der gotischen, 1226 erbauten Kirche S. Andrea mit ihrer schönen Fassade und einem interessanten Innenraum machen wir uns auf den Rückweg. Schnaufend klettern wir den Berg  zu unserem Häuschen hoch und genießen den Sonnenuntergang auf unserem Balkon.

Die Dörfer der Cinque Terre

Heute wollen wir die Dörfer der Cinque Terre besuchen. Die Cinque Terre bestehen aus fünf kleinen, abschüssigen Geländeeinschnitten, die sich zum Meer hin öffnen. In den Tälern liegt je eines der Dörfer.

Wir fahren mit dem Auto über zahlreiche Kurven nach Levanto. Hier sind wir leicht geschockt über die Dieselpreise. Versehentlich tanken wir Bio-Diesel für 1,86 €der Liter. Der normale wäre auch schon teuer genug. Aber wir lassen uns die gute Laune nicht verderben und fahren weiter nach Monterosso al Mare, dem ersten Ort der Cinque Terre. Auf dem Weg sehen wir rote Netze unter den Olivenbäumen, denn die Olivenernte hat begonnen. Ich sehe einen Mann, der die Oliven per Hand pflückt, eine mühsame Arbeit.

Monterosso al Mare hat zwei Strände,  getrennt durch einen Felsen. Wir landen im östlichen Ortsteil, wo es eine riesige Baustelle gibt. Anscheinend wird ein großes Parkhaus gebaut, denn die große Anzahl von Hotels und Pensionen lässt auf viele Besucher schließen. Dazu kommen die vielen Tagesgäste, die ihre Autos irgendwo abstellen müssen. Am westlichen Strand verläuft eine lange Uferpromenade und die vielen palmengesäumten Belle-Époque-Villen begeistern mich sehr.

Unser nächstes Ziel ist Vernazza. Aber wir kommen mit dem Auto nicht hin. Die Straße ist wegen Bauarbeiten gesperrt und wir drehen ab. Überraschenderweise befinden wir uns auf der Straße nach La Spezia. Wir ändern unsere Pläne und verschieben die Erkundung der restlichen Orte der Cinque Terre  auf morgen. Wir werden dafür die Bahn nutzen.

La Spezia

An der Piazza Europa finden wir einen Parkplatz und steigen vorbei an der sehr modernen Kathedrale Cristo Rei hoch zum Castello San Giorgio, das oberhalb der Altstadt liegt. Mit einem Fahrstuhl gelangen wir zur Altstadt. Der Bummel durch die Fußgängerzone Via del Prione, die Viale Garibaldi sowie der parallel zum Hafen verlaufenden Durchgangsstraße Via Vittorio Veneto ist wegen der am Montag Nachmittag vielfach geschlossenen Geschäfte nicht so interessant. Nach einem guten Cappuccino an der Piazza Cavour treten wir die Rückfahrt an.

Heute machen wir einen neuen Versuch, die Dörfer der Cinque Terre zu erobern, allerdings diesmal mit der Bahn. In Levanto kaufen wir ein Ticket für 6 Stunden, mit dem die Fahrt bei jedem Ort unterbrochen werden kann. Für die Rückfahrt gibt es dann ein Durchfahrt-Ticket. Es ist ein preiswertes Vergnügen. Zusammen zahlen wir 12.20 €. Normalerweise gibt es Wanderwege an der Küste entlang, die die Orte miteinander verbinden und gut zu bewältigen sind. Aber sie sind alle wegen eines  Unwetters unpassierbar und gefährlich und deshalb leider gesperrt.

In 5 Minuten bringt uns die Bahn nach Monterosso al Mare. Wenn ich an die vielen Kurven denke, die wir gestern gefahren sind,  sollte man wirklich auf das Auto verzichten. Auch heute macht es bei herrlichem Sonnenschein und blauem Himmel wieder Spaß, die Uferpromenade entlang zu schlendern. Die Touristenströme sind zum Glück schon abgeebbt, so dass man sich auch nicht auf die Füße tritt.

Nach einer Stunde begeben wir uns zum Bahnhof, um nach Vernazza zu fahren. Auch das dauert nur wenige Minuten. Der Ort wurde um das Jahr 1000 gegründet, das Kastell Doria an der Spitze des Felsvorsprungs stammt aus dem 11. Jahrhundert. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde die gegenüberliegende  Kirche Santa Margherita d’Antiochia erbaut. Vernazza gilt als das schönste der Cinque Terre -Dörfer.

Mit seinem malerischen Hafen, den bunten Häusern, der Piazza und dem runden Wachturm ist es schon eine Postkartenidylle. Von den durch die Überschwemmung im letzten Herbst verursachten Schäden sehen wir nichts mehr.

Aber für uns heißt es, sich von der Idylle zu lösen und den nächsten Ort Corniglia anzusteuern. Er liegt als einziges der Dörfer nicht direkt am Meer, sondern auf einem Felsvorsprung in ca. 100 Metern Höhe, was bedeutet, dass wir endlos Treppen steigen müssen. Sie wollen gar nicht mehr enden. Schließlich sind wir oben, laufen durch die Hauptgasse Via Fieschi zur Panoramaterrasse und genießen die tolle Aussicht. Treppen wieder abwärts und weiter nach Manarola. Auf und zwischen zwei Felsenklippen drängeln sich die bunten, mehrstöckigen Häuser. Bunte Boote liegen übereinander gestapelt auf der Straße. Wir steigen die verwinkelten Treppengässchen hoch und runter. Unsere Beine werden heute ordentlich strapaziert. Jetzt geht es zu unser für heute letzten Station Riomaggiore.

Der Bahnhof liegt außerhalb des Ortes. Um ins Zentrum zu gelangen, müssen wir durch einen Tunnel laufen. Auch hier das jetzt schon vertraute Bild, bunte Häuser schieben sich an den Berghängen nach oben. In diesem Ort können wir uns ein bisschen länger aufhalten. Das Ticket gilt für 6 Stunden, so dass man für die einzelnen Orte nicht viel mehr Zeit als jeweils 1 Stunde hat. Wenn man sich länger aufhalten will, sollte man das Tagesticket für 10 € kaufen, das gleichzeitig als Eintrittskarte für alle Wanderwege gilt. Aber da die Sonne jetzt schon gegen 19 Uhr untergeht, fahren wir mit dem 17 Uhr Zug zurück nach Levanto, gehen noch einkaufen und fahren in unser Quartier.

Genua

Wir haben uns für die Bahnfahrt nach Genau entschieden. Über die Autobahn geht es fast nur durch Tunnel, so dass man von der Landschaft ohnehin nichts sieht und die Küstenstraße dauert durch die vielen Kurven zu lange. Auch das Parken ist nicht ohne. Bei der Rezeption frage ich nach der Verbindung zum Hauptbahnhof und bekomme die Auskunft, dass wir bis Nervi fahren und dann umsteigen müssen. In Nervi schickt uns der Zugabfertiger wieder zurück in den Zug und besteht darauf, dass er ins Zentrum fährt. Als alle aussteigen, steigen wir auch aus und es sieht tatsächlich nach Zentrum aus. Ich wundere mich ein bisschen, warum die Straßen nicht mit meinem Stadtplan übereinstimmen, aber wir laufen erst einmal los und kommen in die Via XX Settembre, eine elegante Flaniermeile mit Geschäften, Galerien und Cafés.

Über die Piazza Dante kommen wir in die Altstadt mit ihren engen und verwinkelten Straßen. Der Duomo San Lorenzo beeindruckt durch seine schöne Fassade und den großen reich ausgestatteten Innenraum. Von der Altstadt laufen wir zur Via Garibaldi, die berühmte, im 16. Jhdt. angelegte Prachtstraße Genuas. In den prächtigen Palästen residieren heute zum großen Teil Banken, u.a. die Deutsche Bank.

Wir laufen weiter kreuz und quer durch Genua und suchen schließlich fuß- und auch ansonsten müde den Bahnhof. Am Hauptbahnhof  (Stazione Principe) wundern wir uns, dass zu unserer geplanten Abfahrtszeit kein Zug in unsere Richtung fährt. Der Bahnhof sieht auch sehr anders aus, als der, bei dem wir angekommen sind. Schließlich kommen wir dahinter, dass unser Ankunftsbahnhof  Genova Brignole war. Wir fahren eine Station und bekommen hier den richtigen Zug.

Riviera di Levante

An unserem letzten Tag fahren wir nach Westen an der Riviera di Levante entlang.

In Sestri Levante laufen wir durch die Altstadt zur malerischen Isola und spazieren durch ihren großen Park zur Basilika San Nicolò. In der Via XXV Aprile suchen wir nach Mitbringseln.

Chiavari begeistert uns mit dem historische Stadtkern zwischen der Piazza Matteotti und der Viale Enrico Milo. Es macht Spaß, in den mittelalterlichen Laubengängen zu flanieren.

Von Rapallo fahren wir mit dem Bus nach Portofino, denn das Parken dort im Parkhaus soll extrem teuer sein. Portofino ist sicher ein wunderschöner Platz, aber auch recht überlaufen und sehr teuer.

Der Himmel hat sich eingetrübt und so fahren wir zurück in unser Quartier, um Koffer zu packen.

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