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Die Vendée – Zwischen Tradition und Tourismus

1. Juni 2012 1.750 Leser 0 Kommentare

@flickr_jmdigne/28303551220Ein Netz aus schmalen Kanälen durchzieht die Sumpflandschaft. Flache, von Bäumen umgebene Häuser prägen das Bild. Am Eingang vieler Dörfer begrüßen hölzerne Kruzifixe die Besucher. Wir sind in der Vendée, einem flachen, windgepeitschten Land.

Geschichte

Die Vendée gilt als religiös und konservativ. Traurige Berühmtheit erlangte sie durch einen blutigen Aufstand gegen die republikanischen Revolutionstruppen, bei dem 1793 etwa 25 Prozent der Bevölkerung ihr Leben verloren. Das Leben der Maraichins – der „Bewohner des Moors“ – war hart und entbehrungsreich. Bis ins 19. Jahrhundert führten sie einen ewigen Kampf gegen das Wasser, das mühsam dem Meer abgerungene Land diente der Landwirtschaft und dem Salzabbau. Noch immer ist die Region vor allem landwirtschaftlich geprägt.

Tourismus

Die wichtigste Einnahmequelle bildet heute jedoch der Tourismus. Aufgrund der vielen Sonnenstunden ist die etwa 150 Kilometer lange Côte de Lumière die zweitbeliebteste Ferienregion Frankreichs. Badeorte wie Saint-Jean-de-Monts und Les Sables-d’Olonne erlebten in den 1970er Jahren einen Bauboom. Die moderne – mitunter gar futuristisch anmutende – Architektur ist zwar nicht jedermanns Sache, doch bilden die hügeligen Dünenlandschaften und die dahinter liegenden Pinienwälder einen schönen Kontrast zum etwas glatten Erscheinungsbild der Badeorte.

Für einen Familienurlaub eignet sich die Côte de Lumière allemal, denn Unternehmungen gibt es in Hülle und Fülle. Auf einem ausgezeichneten Radwegenetz lässt sich die Gegend gut mit dem Fahrrad erkunden. Die breiten, flachen Sandstrände eignen sich gut zum Baden und für spaßige Aktivitäten wie Strandsegeln. Wer etwas über die Geschichte der Vendée erfahren will, bekommt im Museumsdorf des Ecomusée le Daviaud bei La Barre-de-Monts Einblicke in das Leben der Maraichins.

Noirmoutier

Ursprünglicher geht es auf der Insel Noirmoutier zu, die durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist. Während der Ausschreitungen in der Vendée war Noirmoutier ein äußerst praktischer Rückzugsort für die Aufständischen: Die ortsunkundigen Verfolger der revolutionären Armee wurden beim Marsch auf die Insel von der Flut erfasst.

Ein Großteil der Insel liegt unter Wasser, die Sumpf-, Dünen- und Wattlandschaft ist ein Paradies für viele Vogelarten, die hier überwintern. Noirmoutier ist berühmt für die Bonnotte, die angeblich teuerste Kartoffel der Welt. Wurde 1996 noch etwa 450 Euro für ein Kilogramm bezahlt, ist sie heute mit 6 Euro deutlich erschwinglicher. Der aromatische, leicht salzige Geschmack der Frühkartoffel beruht auf dem besonderen Anbauverfahren: Der Boden wird mit Meerwasser getränkt und Seetang gedüngt.

Eine weitere Attraktion ist die Passage du Gois: Bei Ebbe kann Noirmoutier zu Fuß oder mit dem Auto über die 4,5 Kilometer lange Straße erreicht werden, doch sollten die Gezeiten strengstens beachtet werden. Bei Flut ragen nur die Spitzen der Verkehrsschilder aus dem Wasser – das ein oder andere Auto wurde hier schon weggespült.

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