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Das Loire-Delta – Bretonisches Erbe

25. Mai 2012 3.427 Leser 0 Kommentare

@flickr_sybarite48/23894424770Rund um die Mündung der Loire liegt das Departement Loire-Atlantique. Einst Teil der Bretagne, erinnern hier noch immer flache Dachziegel aus Schiefer und Ortsschilder auf bretonisch an das historische Erbe.

Identität

Während des Vichy-Regimes wurde das Departement 1941 von der Bretagne abgetrennt und der Verwaltungsregion Pays de la Loire zugeordnet. Fragt man heute Bewohner, ob Sie sich als Bretonen fühlen, bekommt man widersprüchliche Antworten. Die Realität sieht so aus: Zwar ist der Anteil der Bewohner, die eine Wiedereingliederung in die Bretagne begrüßen, in den letzten Jahren gestiegen, doch sprechen immer weniger tatsächlich die bretonische Sprache. Es scheint, als zehre die Provinz von ihrer Vergangenheit und habe Schwierigkeiten eine eigenständige Identität zu finden.

Die Hauptstadt Nantes

Gerade dieser Zwiespalt ist es aber auch, der diesen Teil Frankreichs so spannend macht. Nantes, die Hauptstadt der Region, ist eine moderne Industriestadt mit einem aufregenden Kulturleben, dennoch ist das bretonische Erbe noch deutlich zu spüren. Im Château des ducs de Bretagne, einer beeindruckenden Schlossanlage am rechten Loire-Ufer, residierten einst die bretonischen Herzöge. Entlang der Erdre kann man die Früchte einer eher unrühmlichen Periode Frankreichs bewundern: Herrenhäuser, Parks und Schlösser säumen das Ufer des „schönsten Flusses Frankreichs“, wie ihn einst der französische König Franz I. bezeichnete. Doch wurden diese Prachtbauten aus Mitteln des Sklavenhandels finanziert, dem Nantes seinen Reichtum verdankt. Am Quai de la Fosse, wo einst die Sklavenschiffe anlegten, bevor sie nach Afrika aufbrachen, wurde jüngst ein Denkmal eröffnet, das daran erinnern soll.

Pornic

Die zerklüftete Küste ist eine beliebte Urlaubsregion, vor allem die bekannte Bucht von La Baule verzeichnet viele Besucher. Einen Kontrast zu dem trubeligen Badeort bildet das traditionelle Fischerdorf Pornic. Bei Ebbe entweicht das Wasser aus dem natürlich gelegenen Hafen, so dass die Boote auf dem Trockenen liegen – ein eigenartiger Anblick. Um zu jeder Tageszeit Bootsverkehr zu ermöglichen, wurde in den 1970er Jahren ein neuer Hafen angelegt. Bei einem Segeltörn eröffnet sich der Blick auf die prächtigen Villen entlang der zerklüfteten Küste. In Pornic kann man Leuten wie Claude begegnen. Der alte Mann wohnt direkt am alten Hafen und ist so etwas wie eine Institution in dem kleinen Ort. Seine Wohnung schmücken Erinnerungsstücke aus der Vergangenheit. Zusammen mit seiner bereits verstorbenen Frau Rosy Marie-Antoinette gründete er in Pornic den Rettungsschwimmer-Klub. Während des zweiten Weltkrieges retteten Sie englische Soldaten nach der Torpedierung ihres Schiffes vor dem Ertrinken. Rosy Marie-Antoinette, eine ehemalige Kämpferin der Résistance, war die erste Frau Frankreichs, die ein Rettungsschiff kommandierte.

Lokale Spezialitäten

Eine Reise an die französische Atlantikküste wäre nicht komplett ohne einen Besuch der exzellenten Restaurants. In der Auberge La Fontaine aux Bretons, unweit von Pornic, können Gäste neben Spezialitäten aus dem Meer lokale Produkte aus dem eigenen Garten probieren. Nicolas Bodin, dem jungen Chefkoch dieses ehemaligen Klosters, merkt man die Leidenschaft an, wenn er von seiner Profession redet. Besonderen Wert legt er auf frische und gesunde Zutaten. Diese zaubert er so geschickt zu phantasievollen und schmackhaften Menüs, dass wir erwarten in Zukunft mehr von ihm zu hören.

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