Startseite » Amerika

Kanada – Über die Rocky Mountains bis Vancouver

7. Januar 2010 7.194 Leser 0 Kommentare

Anfang Juni fliegen wir über London nach Vancouver. Nach der endlosen Abfertigung in London ist die zügige Abfertigung am Flughafen in Vancouver eine richtige Wohltat. Der Flughafen ist sehr schön gestaltet und weist mit einem großen Wasserfall auf Kommendes hin. Da macht das Ankommen doch Spaß.

Unser Leihwagen ist ein Ford Fusion Automatic. Das Auto ist sehr bequem, leise und hat einen riesigen Kofferraum. Zum Glück finden wir unser Hotel Coast Twasswassen Inn recht schnell und ich falle nur noch ins Bett.

Vancouver Island

Wir frühstücken in einem typischen Schnellrestaurant und fahren direkt zur Fähre nach Vancouver Island, die auch gleich startet. Leider ist es eiskalt. Zum Glück hat der Regen aufgehört und die Fahrt an einigen Inseln vorbei ist sehr schön.

Bei Swartz Bay geht es an Land und wir fahren zur Hauptstadt Victoria zu unserem Hotel James Bay Inn in der Government Street. Es ist das drittälteste Hotel in Victoria, old English style, ein bisschen plüschig, aber nett. Wir haben einen Kamin im Zimmer, natürlich elektrisch.

Im Royal British Columbia Museum sehen wir uns eine Sonderausstellung über die Titanic an. Die Ausstellung besteht zum großen Teil aus Texttafeln und es ist mir zu anstrengend, alles zu übersetzen. Auch die übrige Ausstellung „Natur – Kultur und Geschichte der Urbevölkerung“ ist mit vielen Kommentaren versehen. Die Eintrittspreise sind mit 26 CAD heftig, dagegen sind unsere Museen direkt preiswert.

Wir bummeln durch die Straßen, kaufen in einem Schokoladen, der die Queen beliefert, eine viel zu süße Nascherei und frieren – jedenfalls ich. Ein unangenehmer Wind bläst. Über den Hafen, am riesigen Regierungsgebäude vorbei, kehren wir ins Hotel zurück.

Bevor wir weiterfahren will ich unbedingt noch ins Empress Hotel, wenn schon nicht zur Teatime, dann wenigstens zum Angucken. Es ist ein imposantes Gebäude aus der Kolonialzeit und auch von innen eindrucksvoll. Trotz Massentourismus haben diese alten Kästen etwas Besonderes.

Das Wetter ist heute freundlicher und wir starten gen Norden. Mit uns viele andere, der Verkehr ist lebhaft. Die Landschaft ist streckenweise mit riesigen Reklametafeln zugepflastert und etliche Autohändler präsentieren ihre Gebrauchtwagen. Laufend werden wir von blank polierten Trucks mit ihren komischen Schnauzen überholt.

Wir kommen durch Nanaimo, das uns nicht zum Anhalten animiert. Zwischendurch gibt es sehr schöne Ausblicke auf das Meer und die Berge vom gegenüberliegenden Festland. Bei Parksville biegen wir ab Richtung Port Alberni und finden bei Loombs unser Bed and Breakfast Quartier für die nächsten drei Tage. Es ist ein gemütliches Holzhaus und selbstverständlich brennt im Wohnzimmer ein Feuer im Kamin.

Im Qualicum Falls Provincial Park wandern wir an einem Fluss entlang, der sich durch eine Schlucht mehrere hundert Meter tief herabstürzt und schäumende Wasserfälle bildet.

Am Cameron Lake vorbei geht es zur Cathedral Grove mit riesigen Douglasien. Sie sind bis zu 70 m hoch, haben 2 m Durchmesser und sind bis zu 800 Jahre alt. Sehr eindrucksvoll! Den Rest des Tages verbringen wir am Strand von Qualicum Beach, wo zu unserem Glück die Sonne scheint.

Pacific Rim National Park

Auf geht’s nach Tofino, einem kleinen Ort an der Westküste, der Anlaufpunkt ist für Besuche im Pacific Rim National Park. Hier starten auch Boote zur Walbeobachtung. Es geht vorbei am Cameron Lake, wir passieren Port Alberni und fahren an einem Flusslauf entlang zwischen dicht mit Tannen bewachsenen Bergen, deren Gipfel noch Schneereste aufweisen.

Nach ca. 2 Stunden sind wir in Tofino, von wo aus wir zu einem Trail durch den üppigen Regenwald starten. Über einen treppenreichen Holzsteg laufen wir hoch und runter zum Long Beach, einem naturbelassenen Strand. Der weiße Sand ist übersät von Treibholz, durchbrochen von Felsspitzen, kleinen Inselchen und mit Wasser gefüllten Felsbecken. Die Sonne scheint und macht diesen wunderschönen Platz perfekt. Wir laufen zurück durch den Regenwald und gehen noch einmal über einen anderen Trail an eine andere Stelle des Strandes. Hier sieht es fast noch wilder aus. Zahlreiche Baumstämme liegen quer über den Strand verteilt.

Auf dem Rückweg nach Coombs steht neben der Straße, nur durch einen Steinwall getrennt, unser erster Bär.

Es regnet. Wir besuchen einen kleinen Farmermarkt, wo ich sehr schöne Tierfotografien direkt vom Fotografen kaufe. In der Nähe unserer Unterkunft gibt es einen Old Country Market. In mehreren Holzhäusern kann man alles kaufen, was das Herz begehrt und noch viel mehr. Es macht Spaß, hier durch zu schlendern, auch wenn man gar nichts kaufen will. Auch für das leibliche Wohl wird gesorgt.

Der Empfehlung unserer Wirtin folgend fahren wir nach Nanaimo, um am Hafen zu spazieren und vielleicht auf eine Insel überzusetzen. Aber der strömende Regen treibt uns schnell zurück ins Auto. Wir durchstreifen ein Einkaufscenter und legen dann im Zimmer eine Pause ein. Als die Sonne wieder herauskommt, wollen wir uns die Milner Gardens ansehen. Leider schon geschlossen. Wir gehen zur Library, um Emails zu schreiben, auch geschlossen. Jetzt gehen wir zum Strand, der ist wenigstens offen. Wir beschließen den Tag mit einer Riesenpizza.

Auf dem Weg nach Norden fahren wir im Strathcona Provincial Park am Buttle Lake vorbei zu den 440 m hohen Della Falls. Jetzt geht es zügig auf der Hauptstraße nach Port Hardy, denn wir müssen unsere Fähre für die Inside Passage nach Prince Rupert bekommen. Wir begegnen kaum einem Auto. Während der Süden Vancouver Islands sehr stark besiedelt ist mit entsprechendem Verkehr und mehr an die USA erinnert, sind der Naturpark im Westen und der Strathcona National Park Natur pur. Schade, dass wir nicht mehr Zeit hierfür einkalkuliert haben. So konnten wir auch nicht an einer Wale Watching Tour teilnehmen. Aber wir hoffen, Wale bei der Fahrt durch die Inside Passage zu sehen.

In Port Hardy wohnen wir im North Shore Inn.

Inselwelt von British Columbia

Heute heißt es aufstehen um 4.30 Uhr, denn um 5.30 Uhr müssen wir an der Fähre sein. Dort erwartet uns eine unangenehme Nachricht: Prince Rupert ist vom Hinterland abgesperrt, der Highway ist überflutet. Wir werden gefragt, ob wir trotzdem fahren wollen. Ja, wir lassen uns überraschen, was uns erwartet. Auf der BC-Ferry haben wir eine Kabine mit Bad. Luxus pur. Aber wir sind meistens an Deck, um die etwa 15-stündige, unendlich schöne Fahrt durch die Inselwelt von British Columbia zu genießen.

Das Wetter wechselt ständig, Sonne, Wolken, Regen begleiten uns. Über einem kleinen Ort kreisen Bald Eagles (Weisskopfseeadler). Sie sind leider zu weit weg, um sie zu fotografieren. Mitunter sollen die Schiffe von Delphinen und Walen begleitet werden. Bei unserer Fahrt tauchen Delphine nur in der Ferne kurz auf. An den Berghängen sieht manhin und wieder einen Wasserfall. Die Landschaft erinnert mich an norwegische Fjorde. Der intensiver einsetzende Regen vertreibt uns vom Deck. Am Abend gibt es aber einen schönen Sonnenuntergang.

Da es nur einen Anlegesteg gibt, aber mehrere Fähren, dauert es einige Zeit bis wir vom Schiff kommen. Nach 1 Uhr sinken wir im Inn on the Harbour ins Bett.

Das Hochwasser ist zum Glück schon weitgehend zurückgegangen, so dass wir Prince Rupert am nächsten Morgen verlassen können. Es geht am Hochwasser führenden Skeena River entlang, rechts und links ist der Fluss von hohen mit Schnee bedeckten Bergen gesäumt. Die Landschaft ist fantastisch, wenn auch grau und verregnet. Allmählich lockert die Bewölkung aber auf und die Sonne kommt hin und wieder durch.

Wir biegen in den Cassier Highway, der nach Alaska führt, ein, um ein Indianerdorf zu besichtigen. Nach ca. 70 km drehen wir wegen erfolgloser Suche um. Es stellt sich heraus, dass der Name des Dorfes geändert wurde. Wir sind daran vorbei gefahren. Aber jetzt wollen wir nicht noch einmal zurück. Immerhin haben wir auf dem Weg einen kleinen Bären gesehen, vermutlich ein Schwarzbär. Er stand direkt neben der Straße, hat aber leider nicht gewartet, bis ich meine Kamera schussbereit hatte.

Unsere Unterkunft in Hazelton heißt Robbers Roost Hotel. Der Wirt ist Holländer. In der Nähe gib es vier Indianerdörfer. In Ksan wurde eine ganze Siedlung aus dem Jahre 1870 wieder aufgebaut. Es gibt einige beeindruckende Langhäuser. In Kispiox stehen 15 Totempfähle am Flussufer. Weitere Totempfähle finden wir in Gitwangak und in Gitanyow. Hier befindet sich der 140 Jahre alte Totem „Hole in the Ice“. Beim Überqueren eines Canyons sehen wir überall Spuren des Hochwassers. Hier fließen 2 Flüsse zusammen.

Die Landschaft in Richtung Prince George.wird weniger spektakulär, weniger Berge, viel Grün, viel Wasser. Etwa 100 km nach Hazelton tauchen die ersten braunen Tannen auf. Ganze Landstriche stehen voll abgestorbener Tannenstrunke. Das Bild erschreckt uns. Als wir Richtung Fort St. James abbiegen, wird es noch schlimmer. Wir fragen in unserem Quartier Chundoo Motor Inn nach der Ursache. Es gibt einen Schädling und das Problem ist wohl kaum in den Griff zu bekommen.

Die Sonne scheint, ideal für unseren Besuch im alten Fort. Ich bin der Meinung unser Nationalparkpass gilt auch hier. Der nette Herr an der Kasse ist anderer Meinung. Aber er will nicht, dass ich „mad“ bin, sondern will, dass ich „happy“ bin, also lässt er uns umsonst hinein. Es gibt ein paar historische Häuser aus Siedlungstagen zu besichtigen. Die Anlage ist sehr idyllisch gelegen und es ist interessant, zu sehen, wie die ersten Siedler lebten.

Rocky Mountains Nationalparks

Aber jetzt auf zu den Nationalparks. Die Landschaft wird hinter Prince George wieder interessanter. Die Cariboo Mountains mit ihren weißen Bergspitzen tauchen am Horizont auf.

Ein Bär wird gesichtet. Dann taucht ein Elch auf und schließlich noch ein kleiner Bär. Wir finden den Weg zur Ranch nicht und fragen in einer Werkstatt nach. Die Leute sind supernett und telefonieren für uns nach einem Quartier. Schließlich fährt der Mann vor uns her bis zum Twin Peaks Ressort.

Der Chef ist ein Deutscher und wir können den Preis für eine große Cabin von 125 auf 95 CAN herunterhandeln. Die Cabin hat ein großes Wohnzimmer mit Küchenzeile, Schlafzimmer und großes Bad, sehr ansprechend. Die Frau ist Schweizerin und das Ganze hat auch einen Schweizer Touch. Nur die Mücken sind eine echte Plage. Wir flüchten von der Terrasse ins Innere. Auch in dieser Gegend gibt es noch die kaputten Tannen.

Mt. Robson

Heute habe ich „mein“ Kanada gefunden. Wir kommen in die Rocky Mountains, fahren zum Mt. Robson Infocenter und fragen nach einem Wanderweg. 4 km geht es am Robson River mit Blick auf den Mt. Robson (3.954 m) durch herrlichen Wald. Wir sehen Akelei, Indian Paint Brush, Orchideen und viele andere Blumen. Der Fluss ist smaragdgrün und fließt mit hoher Geschwindigkeit abwärts. Schließlich kommen wir an den Kinney Lake, der ebenfalls unbeschreiblich grün ist. Wir laufen bis zum Ende, sehen zwei verschiedene Hörnchen und gehen den gleichen Weg zurück. Das Wetter ist perfekt, nicht zu heiß, nur ein paar Regentropfen, aber die Mücken sind auch hier äußerst lästig.

Wir fahren zum Moose Lake, um Moose zu sehen, aber sie tun uns nicht den Gefallen. Dafür sehen wir einen Bald Eagle und eine Ente, die anscheinend einen Rekord im Dauertauchen aufstellen will. Sie ist wunderschön gezeichnet, aber zum Fotografieren zu weit weg.

Jasper

Auf der Fahrt nach Jasper regnet es. Die Berge verschwinden in den Wolken. Leider haben wir nichts vorgebucht und es ist ziemlich schwierig ein Quartier zu bekommen, das die Reisekasse nicht zu sehr belastet. Wir landen bei Tom und Lisa Perperidis, ein schlichtes B & B.

Maligne Lake

Unsere erste Tour führt uns am Medicine Lake vorbei zum Maligne Lake. Die Landschaftist fantastisch. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hin gucken soll. Jede Minute ein neuer schöner Ausblick. Am idyllischen Maligne Lake erwischen wir die letzte Bootstour. Vorbei an Bergen und Gletschern geht es bis in die letzte Ecke, dem Spirit Island, wo uns ein Bilderbuchpanorama erwartet. Am eindrucksvollen Maligne Canon, einer sehr schmalen 50 m tiefen Schlucht beenden wir die Tour. Unterwegs sehen wir ein Moose (Elch) und zwei White Tail Deers (Virginia-Hirsch). Squirrels flitzen herum und am Himmel fliegt ein Adler.

Abends macht es plötzlich „krach“. Mein Mann ist mit seinem Bett zusammengebrochen. Wir lachen mit den Wirtsleuten um die Wette.

Es regnet. In der Hoffnung, dass das Wetter besser wird, fahren wir trotz wolkenverhangener Berge mit der Jasper Tramway auf den Whistler (2285 m). Hier gibt es ein riesiges Skigebiet, dass auch bei der Winterolympiade 2010 eine Rolle spielt. Die Wolken reißen tatsächlich auf und es bietet sich ein großartiger Blick auf Jasper und das ganze Tal. Schnaufend erklimmen wir die Bergspitze, kommen aber nicht ganz bis oben, denn es liegt noch Schnee.

Wieder im Tal wollen wir den Old Fort Loop gehen, landen aber auf einem Golfplatz und kehren um. Mit dem Auto geht es am Patricia Lake vorbei zum Pyramid Lake. Das Feuchtbiotop Cottonwood Slough soll ein ideales Vogelbeobachtungsgebiet sein. Wahrscheinlich sind wir zur falschen Jahres- oder Tageszeit dort. Wir sehen nicht sehr viele Vögel. Dafür laufen uns beim Rückweg vier prächtige Elks (Waipitihirsche) über den Weg. Natürlich halten wir und viele andere, um zu fotografieren. Ein vorbeikommender Ranger macht uns darauf aufmerksam, dass mehr Touristen durch Elks als durch Bären verletzt oder getötet werden. Man sollte also genügend Abstand halten.

Icefield Parkway

Heute fahren wir schon mal ein Teilstück des Icefield Parkways (230 km). Die Hochgebirgsstraße verläuft parallel zur kontinentalen Wasserscheide und folgt nacheinander fünf Flussläufen. Da die Straße ausschließlich gebaut wurde, um den Touristen, die Schönheit der Rocky Mountains zu zeigen, gibt es keinen kommerziellen Verkehr. So brausen keine LKWs an uns vorbei und man kann in aller Ruhe fahren und die schneebedeckten Gipfel der 3000er, die Gletscher und Flüsse rechts und links der Straße genießen.

Unseren ersten Stopp legen wir bei den Athabasca Falls ein. Nur 400 m vom Parkplatz entfernt stürzt sich der Athabasca River über einen Felsvorsprung donnernd in eine 25 m tiefe Schlucht. Die tobenden Wassermassen scheinen zu kochen. Es ist ungeheuer eindrucksvoll.

Wir folgen dem Sunwapta River und kommen zu den Sunwapta Falls. Hier stürzt sich der Fluss durch eine enge Felsrinne und die Gischt schäumt hoch. Das Wasser hat eine tiefe Schlucht in das umgebende Tal gegraben. Zurück fahren wir über die wenig befahrene Parallelstraße, den Hwy 93 a. Die Strecke ist landschaftlich sehr reizvoll mit ihren stillen Mooren, glitzernden Seen in dem nordischen Urwald. Wir sind hier fast alleine, nur selten begegnet uns ein Auto.

Über eine schmale Straße fahren wir zum Mount Edith Cavell. In ca. 2200 m Höhe sehen wir das Ende eines Gletschers, der sich in den letzten 100 Jahren weit zurückgezogen hat. Es begegnen uns ein Kojote und ein Marder.

Jetzt geht es in die entgegengesetzte Richtung zu den heißen Quellen Miette Hot Springs. Wir genießen etwa 1 ½ Stunden das 37 Grad heiße Wasser. Auf der Fahrt sehen wir viele Tiere: Rocky Mountain Goats (Bergziegen), einen Bären und einen Prachtburschen von Moose.

Wieder geht es über den Icefield Parkway bis zum Columbia Icefield. Es hat eine Ausdehnung von 325 km² und das Schmelzwasser ergießt sich in drei Weltmeere: ins Nordpolarmeer, in den Nordatlantik und in den Pazifik.

An den aufgestellten Jahresmarken an der Gletscherzunge kann man ablesen, wie schnell der Abschmelzungsprozess durch die Erderwärmung voranschreitet. An Bord eines „Snowcoach“ , Spezialfahrzeuge mit riesigen Reifen, geht es ca. 5 km auf die Gletscherzunge des Athabasca Glaciers. Er ist ein Ausläufer des Columbia Icefield. Der Schnee bzw. das Eis ist enttäuschend schmutzig. Nur wo das Eis taut und Wasser entlang läuft, ahnt man das Blau. Es ist eiskalt.

Um zum Peyto Lake zu gelangen, müssen wir ein Stück durch verschneiten Tannenwald laufen. Mitten im Juni kommt bei mir Weihnachtsstimmung auf. Tief eingebettet in dunkle subalpine Wälder bietet sich uns der atemberaubende Blick auf einen smaragdfarbenen See. Seine Form erinnert an einen Hundekopf.

Der Icefield Parkway ist wirklich eine Traumstraße für die man sich viel mehr Zeit lassen müsste.

Banff Nationalpark

Vorbei am Bow Lake geht es jetzt zügig nach Banff, die Hauptstadt des Banff Nationalparks. Banff liegt in einer Höhe von 1380 m und ist von Bergen umgeben. Beim Bummeln durch die Hauptstraße erinnert der Ort mich mit seiner Atmosphäre an europäische Wintersportorte.

Unser Ausflugsziel liegt heute gleich um die Ecke, der Lake Minnewanka. Wir treffen auf eine Herde Bighorn Sheeps (Dickhornschafe). Ein kleines Murmeltier agiert für mich als Fotomodell. Wir finden einen wunderbaren Rastplatz und machen Picknick.

Wir halten am pittoresken Johnson Lake. Hier baden tatsächlich ein paar Jugendliche und Kinder. Die Sonne scheint zwar, aber das Wasser muss eiskalt sein. Da gehen wir doch lieber ins  Schloss ähnliche Banff Springs Hotel, allerdings nur zur Besichtigung, denn die Preise in diesem Riesenkasten sind etwas astronomisch.

Am Bow River gibt es einen wunderbaren Grillplatz, den wir aber heute nicht nutzen können. Den Abend beschließen wir mit einem Stadtbummel.

Lake Louise

Unser Ziel ist heute Lake Louise. Wir fahren über den Bow Valley Parkway, eine sehr schöne Alternativroute zum Hwy 1. Am Lake Louise angekommen, erschlägt einen der Anblick des monströsen Hotels Chateau Lake Louise. Touristenscharen beherrschen das Bild. Aber kein Wunder, die Schönheit der Natur – der türkis leuchtende See, aufragende Berge und gewaltige Gletscher – zieht wohl jeden in seinen Bann. Wir laufen bis zum anderen Ende des Sees und wieder retour.

Der 13 km entfernte Moraine Lake in 1900 m ist nur halb so groß wie der Lake Louise, aber wenn überhaupt noch eine Steigerung möglich ist, ist die Landschaft noch schöner, das Türkis des Sees noch intensiver. Auch sind hier viel weniger Touristen, so dass wir den Wanderweg in aller Ruhe genießen können. Wir treffen auf einen Nutcracker (Tannenhäher) und einen anderen Vogel, den wir nicht identifizieren können. Am östlichen Seeufer ragen einige spitze schneebedeckte Gipfel auf, die der Gegend den Namen “Valley of the Ten Peaks“ einbrachten. Heute war ein sonniger Tag und damit unser Glück vollkommen.

So schnell kann das Glück vorbei sein. Mein Chip mit ca. 400 Bildern ist und bleibt leider verschwunden. Ich bin sehr betrübt.

Wandern auf dem Johnston Canyon Trail

Aber das Wetter ist ideal zum Wandern. Also machen wir uns auf zum Johnston Canyon Trail und kommen zu den in Dunstschleier gehüllten Lower Falls und danach zu den Upper Falls. Von hier führt der Weg zu den sieben Quellen der Ink Pots, die auf einer hübschen offenen Wiese in Gelb-, Rot-, Grün- und Blautönen an die Oberfläche sprudeln und sich ständig verändernde Ringe bilden.

Über die Tunnel Mountain Road fahren wir zu den Hoodoos. Das sind seltsam geformte Säulen am Bow River. Während der Rest des Tales erodiert ist, haben sich Schotter und Schwemmsand mit Kalk verfestigt und Kalksandsteinblöcke gebildet, die wie Kopfbedeckung aussehende Felsplatten tragen.

Wir fahren zu den Bow Falls. Am Fuß des Banff Springs Hotels stürzt der Bow River über klippenartige Kalksteinstufen. Die Cascade Gardens werden ihrem Namen nicht so ganz gerecht. Es gibt sehr schöne Blumenrabatten, aber die Wasserbecken sind leer.

Im Sumpfgebiet des Bow River mit seinen drei Vermillion Lakes wollen wir Vögel beobachten. Es gibt hierfür eine Plattform. Leider sehen wir nicht sehr viele, aber einen sehr schönen mit roten Schultern und vermutlich einen Reiher.

Eisenbahn im Yoho Nationalpark

Heute geht es in den Yoho Nationalpark. Der erste Halt ist am Spiral Tunnel Viewpoint. Hier gibt es einen Eisenbahntunnel von 1909, der eine Steigung von 4,5 % hat, die steilste in Nordamerika. Wir müssen eine ganze Weile warten, bis eine Bahn kommt. Leider ist es eine recht kurze. Es gibt hier Züge mit 100 Waggons. Da sieht man das Ende des Zuges im Tunnel verschwinden, während die Lokomotive am Anfang des Tunnels schon herauskommt.

Über eine Stichstraße, an der wir auf Murmeltiere treffen, geht es zu einem der höchsten Wasserfälle Kanadas, die spektakulären Takakkaw Falls. Das Schmelzwasser eines Gletschers stürzt sich ca. 400 m über eine Steilwand in den Talgrund. Wirklich eindrucksvoll. Leider kommt nicht nur der Wasserfall von oben, sondern auch heftiger Regen. An der Natural Bridge, einer natürlichen Steinbrücke, durch die die Wassermassen toben, scheint wieder die Sonne. Das lässt für den Emerald Lake hoffen.

Hier gibt es wieder reichlich Touristen, aber schon nach wenigen Minuten auf dem Uferwanderweg, treffen wir niemand mehr. Auch dieser See schimmert wieder türkisgrün. Ursache für alle diese grünen Seen sind die sedimenthaltigen Gletscherschmelzwasser. Der feine Staub aus dem Gletscher schwebt im Wasser und reflektiert besonders das grüne Licht des Spektrums und macht die Seen zu diesen Postkartenschönheiten.

Es geht im dichten Wald über Stege, denn wir sind im Regenwald, der seinem Namen alle Ehre macht, es fängt an zu gießen. Als wir schließlich am Delta ankommen, bricht die Sonne hervor und es ist wunderschön. Am Ausgangspunkt unserer Wanderung ist unsere Kleidung wieder trocken. Zurück fahren wir über den Bow River Highway und treffen auf Deers.

Vom Banff zum Kootenay Nationalpark

Heute heißt es Abschied nehmen von Banff, denn wir wollen in den Kootenay Nationalpark. Am Vermillion Pass Fire-Aussichtspunkt haben wir einen weiten Blick auf die ehemalige Waldbrandfläche, die 1968 durch Blitzschlag entstanden ist. Die Bergstraße steigt bis zur Vermillion Passhöhe auf 1651 m. Die Passhöhe bildet die Grenze zwischen dem Banff N.P. und dem Kootenay N.P. Der kurze Fireweed Trail zeigt uns auch hier die Folgen des Waldbrandes, gespenstisch ragen silbergraue hölzerne Ruinen aus dem Jungwald empor. Aber es ist auch gut zu sehen, wie die Natur sich wieder erholt.

Die Wanderung auf dem Stanley Glacier Trail führt zunächst durch ein vom Waldbrand gezeichnetes Gebiet, bis wir das schöne terrassenförmige Gebiet unterhalb des Stanley Peaks erreichen. Von hier lässt sich der Stanley Glacier und seine gletschergeformte Umgebung aus nächster Nähe in Augenschein nehmen. Murmeltiere toben über die Steinwüste. Es sind zwar nur etwa 5 km gewesen, aber bei dem Höhenunterschied von 365 m kommen wir doch ins Schnaufen. Zum Schwitzen ist es zu kalt, hier oben sind etwa 6 Grad und als wir uns auf den Rückweg machen, fallen sogar ein paar Schneeflocken, die leider in ziemlich kräftigen Regen übergehen.

Der Regen begleitet uns auch zu den Paint Pots, rote, orange- und senffarbene Tümpel, umrahmt von feuchten, moosigen Wäldern und schneebedeckten Gipfeln. Die Färbung der Tümpel rührt von eisenhaltigem Wasser her, dass aus drei Quellen an die Oberfläche sprudelt und dabei Tonschichten durchquert. Indianer aus ganz Nordamerika holten sich diesen Ton und verarbeiteten ihn für Farbe zur Körperbemalung. Es war für die Indianer ein magischer Ort und an diesem grauen Tag kann man davon etwas spüren.

Weiter geht es vorbei an verbrannten Wäldern, denn auch hier hat es 2001 und 2003 gebrannt. Der Park ist nicht so eindrucksvoll wie die bisherigen, aber vielleicht liegt es ja auch am schlechten Wetter und er ist relativ klein. Wir sehen einen Bären und zwei Rehe laufen uns fast vor das Auto.

In Radium Hot Springs nehmen wir ein Zimmer im Chalets Europe, schnappen uns unsere Badesachen und versinken in den 45° heißen Fluten des Thermalbades. Vom Pool aus sieht man Bighorn Sheeps in den Bergen. Plötzlich tauchen sie auch auf unserem Hotelparkplatz auf.

Schöne Landschaft in Golden

Über den Hwy 95 geht es nach Golden. Die Landschaft ist viel schöner, als wir nach der Beschreibung im Reiseführer erwartet haben. Zwischen den Bergen zieht sich das größte Feuchtgebiet Nordamerikas entlang. Über uns kreisen Adler und neben der Straße sind Deers. Wir beziehen Quartier in der Sportsmanslodge und fahren den

Yoho Nationalpark

von der Westseite noch einmal an, um zu den Wapta Falls zu kommen. Ein leichter Wanderweg – 2,4 km eine Strecke – führt uns dorthin. Schon von weitem hören wir das gewaltige Grollen des Kicking Horse River. Hinter einer Biegung stehen wir dann staunend vor dem donnernden Wasser, das über eine breite Felsklippe 30 m in die Tiefe stürzt. Dieser Wasserfall ist wieder ganz anders, als die bisher gesehenen. Wir haben strahlenden Sonnenschein und der Wasserstaub schimmert in allen Regenbogenfarben.

In Golden sind 32°. Wir fahren zu einem See, an dem wir Wasservögel beobachten und machen Picknick. In der Nähe toben Spuirrels.

Unser heutiges Ziel ist Revelstoke. Es geht durch den Glacier Nationalpark, wo wir am Rogers Pass das Besucherzentrum aufsuchen. Der Hemlock Grove Boardwalk führt durch einen Wald mit 350 bis 500 Jahre alten Hemlocktannen und Red Cedar Bäumen. Ich kommen mir vor wie im Märchen unter diesen Riesenbäumen.

Der Skunk Cabbage Boardwalk im Mt. Revelstoke Nationalpark ist ein 1,2 km langer Holzsteg, der durch ein Sumpfgebiet führt. Leider sehen wir keine Tiere, falsche Zeit, zu viele Besucher. Der Weg ist nach einer Pflanze mit riesigen Blättern benannt, die Stinkkohl heißt. Sie riecht auch so.

In Revelstoke beziehen wir ein Zimmer im Regent Inn, wo wir am Abend ausgezeichnet essen. Vorher fahren wir noch über den Summit Parkway auf den Mt. Revelstoke. Da die letzten 6 km gesperrt sind, lohnt sich die Fahrt nicht so richtig. Am Morgen hatten wir strahlend blauen Himmel, ab Mittag hing eine Dunstglocke über der Landschaft.

Manning Provincial Park

Wir frühstücken noch gut in Revelstoke und steuern unser vorletztes Quartier das Manning Park Resort im Manning Provincial Park an. Es geht über Sicamous, Vernon, Kelowna und Penticton an Flüssen und Seen entlang durch abwechslungsreiche Landschaften, aber mit viel Verkehr und unattraktiven Städten. In Keremeos essen wir im Pasta Trading Post leckere Nudeln, der Ort ist ganz nett, ein bisschen Wilder Westen. Unterwegs kaufen wir Kirschen, Aprikosen und Äpfel, denn wir sind im Obstland Okanagan.

Über das gesichtslose Princeton erreichen wir unser Ziel: Eine hübsche Anlage, ein schönes Zimmer und eine mufflige Empfangsdame erwarten uns.

Früh am nächsten Morgen geht es auf den Blackwall Peak. Wir kommen aber nicht bis oben. Vermutlich ist der Weg wegen Schnee gesperrt. In entgegengesetzter Richtung geht es zum Lightning Lake, den wir umrunden. Er zieht sich in die Länge und wir sind ca. 4 Stunden unterwegs. Auch hier gibt es Wild, wir treffen Deers und junge Füchse. In der Ferne sind schneebedeckte Gipfel amerikanischer Berge zu sehen.

Stadtbesuch in Vancouver

Auf geht’s nach Vancouver. Welch nette Verabschiedung aus der Wildnis: ein Schwarzbär läuft oberhalb der Straße am Berghang entlang. Nach Hope wird das Tal allmählich weiter. Wir treffen einen alten Bekannten: den Fraser River. Der Verkehr wird dichter, wir nähern uns Vancouver, fahren über die Lions Gate Bridge und finden auf Anhieb unser Barclay Hotel in der Robson Street.

Welche Enttäuschung, als wir unser Zimmer sehen, es ist eher eine Besenkammer. Ich beschwere mich, aber angeblich ist heute nichts mehr zu ändern, für morgen wird uns aber ein anderes Zimmer versprochen. Die Robson Street ist eine lebhafte Einkaufsstraße mitten im Zentrum.

Wir ziehen los Richtung Canada Place, wo zwei riesige Kreuzfahrtschiffe vor Anker liegen. In Gastown trinken wir Kaffee und klappern etliche Geschäfte nach Mitbringseln ab. Völlig kaputt von so viel Stadt, fallen wir in unser Bett.

Heute ist Canadaday, der kanadische Nationalfeiertag. Nachdem wir unser neues Zimmer bezogen haben, geht es Richtung Canada Place, wo wir mit Hunderten oder sind es Tausende von Kanadiern und Touristen der Musik zuhören, Fähnchen und Anstecker sammeln und das schöne Wetter genießen. Ein deutsches Paar bietet uns seine Tickets für den Touristenbus an, statt 35 müssen wir nur 10 CAD zahlen, die beiden gehen auf Kreuzfahrt.

Nach unserem Gang durch Chinatown fahren wir mit dem Bus zum Stanley Park. Am Rosegarden steigen wir aus und schlendern durch den Park zu den Totempools. Wir sehen einen Waschbär und ein rabenschwarzes Eichhörnchen. Zurück in Downtown gehen wir japanisch essen. Ich bestelle mutig irgendetwas und bekomme roten Kaviar in 3 Variationen und rohen Fisch. Schmeckt, aber ungewohnt. Am Abend gibt es im Hafen ein großes Feuerwerk.

Heute ist noch einmal einkaufen angesagt. Wir fahren mit dem Skytrain zu einem großen Einkaufscenter. Schrecklich! Zuletzt landen wir wieder bei GAP und Zara und bei dem Jeansladen in unserer Straße. Fünf Stunden unterwegs – ich bringe nichts mehr mit!!! Wir fahren auch noch die Milleniumsstrecke ab, lohnt sich aber nicht.

Wir sind insgesamt 6500 km in 4 Wochen gefahren und freuen uns jetzt auf zu Hause.

Wählen Sie Ihr Urlaubsziel auf Grund der Tierwelt?

Loading ... Loading ...

Hinterlassen Sie Ihren Kommentar!

Sie müssen eingeloggt sein, um kommentieren zu können.