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Burgentour Madrid auf eigene Faust – Teil 2

26. Mai 2009 5.160 Leser 0 Kommentare

scan070 Dies ist der 2. Teil eines Reiseberichtes zu einer Burgentour rund um Madrid. Lesen Sie zuerst, Burgentour Madrid auf eigene Faust – Teil 1, falls noch nicht geschehen.

Von Burgos geht es gen Südwesten nach Palencia.

Der Regen ist uns von Burgos gefolgt, aber in der sehr sehenswerten Kathedrale San Antolin aus dem 14. Jh. können wir im Museum Werke von El Greco bewundern. Wir überqueren den Carrion über die Römerbrücke und fahren nach Toro. Die Sonne kommt hervor und der wuchtige Bau der Kirche Colegiata de Santa Maria – Baubeginn 1160 – beeindruckt uns schon von außen. Der Uhrenturm – Torre de Reloj –  ist gleichzeitig das Tor in der Stadtmauer.

Bei der Fahrt am Duero entlang nach Zamora konstrastieren die roten Mohnfelder mit den grünen Olivenhainen.  Ein wunderbares Farbspiel.

Zamora wird als Museum der Romanik bezeichnet, denn es gibt hier etliche romanische Kirchen. Die Zahlenangaben schwanken zwischen 17 und 26. Die berühmteste ist die Kathedrale aus dem 12. Jh., die von einer schuppengedeckten, byzantinisch beeinflussten Vierungskuppel gekrönt wird. Die mittelalterliche Altstadt ist von einer alten Stadtmauer mit Toren umgeben. Der Duero wird von einer Steinbrücke aus dem  12. Jahrhundert überquert.

scan071Zügig geht es weiter nach Salamanca. Was für eine Stadt! Wir erreichen die Stadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt gegen Abend. Die Sonne läßt die Gebäude golden strahlen. Die 1218 gegründete Universität gehört zu den ältesten Europas. Zwei Kathedralen gilt es zu bewundern, die Catedral Vieja aus dem 12. Jh. mit einem aus 53 Tafeln bestehenden Hauptretabel, sowie die Catedral Nueva mit ihrem barocken Turm, der einer der schönsten Europas ist. Bemerkenswert ist der mit 365 steinernen Muscheln geschmückte Palast Casa de las Conchas.scan071 - Kopie

Aber am besten gefällt uns die riesige Plaza Mayor mit ihren meist vierstöckigen Gebäuden aus dem 18.Jh., deren Fassaden barock verziert sind und einen wunderbaren harmonischen Eindruck vermitteln. Wir lassen uns in einem der Cafes nieder und können uns gar nicht satt sehen. Um uns herum tobt das Leben.

scan074 - KopieDer pure Kontrast zu Salamanca ist das südlich gelegene kleine Dorf La Alberca. Der Stadtkernmit seinen engen Gassen, die Fachwerkhäuser mit vorspringenden Stockwerken und die von hölzernen Arkaden gesäumte Plaza Mayor steht komplett unter Denkmalschutz. Das Ganze wirkt auf uns wie ein lebendiges Museum. In den Bars hängen die Schinken in langen Reihen von der Decke. Auf der Plaza Mayor finden sich spontan ein paar Menschen zum Tanz ein.

scan070 - KopieDer Duft der Zistrosen, der Lavendel- und Rosmarinsträucher begleitet uns durch die Berge nach Plasencia. Auf gelb leuchtenden Wiesen grasen Esel in der Mittagssonne und Wildpferde kreuzen unseren Weg.

scan076Auch Plasencia hat eine Stadtmauer mit Toren und eine Kathedrale. Am besten gefälltmir aber das Männiken im Rathausturm, der bei vollen Stunden mit seinem Hammer gegen die Glocke schlägt.

Über eine landschaftlich wunderschöne Strecke geht es in die Sierra de Gredos nach Jarandilla de laVera. Hier gönnen wir uns den Luxus einer Übernachtung im Parador, diesen komfortablen spanischen Unterkünften, die in historischen Gebäuden oder an besonderen Standpunkten angeboten werden. Das 4 Sterne Hotel ist ein historisches Hotel, das schon Karl V., den einst mächtigsten Mann der weltlichen Welt beherbergte. Die Burg aus dem 15. Jahrhundert hat auch heute als historisches Hotel nichts von ihrer imposanten Erscheinung verloren. Adelswappen, Festungstürme, schmiedeeiserne Lampen, Holzgebälk und offene Kamine lassen uns die Geschichte des Hotels spüren. Es ist schon ein besonderes Gefühl, Geschichte so hautnah zu erleben.scan077 - Kopie

Das Hier und Heute hat uns wieder auf dem lebhaften Markt. Hier gibt es einen Stand, der nur mit Knoblauch handelt, dafür aber mindestens 5 verschiedenen Sorten.scan076 - Kopie

1461 ließ Kastiliens König Heinrich IV. in grandioser Gebirgskulisse das Schloss Mombeltran errichten. Mit seinen vier Türmen und doppeltem Mauerring sieht es auch heute noch uneinnehmbar aus.

Auf der Fahrt zum Pass Puerto del Pico überqueren wir in den Serpentinen eine gut erhaltene Römerstraße, die ziemlich steil die Berge hinaufführt. Toll, was die alten Römer so konnten!

Ich will unbedingt Fotos der Iberien Steinböcke schießen. Also machen wir einen Abstecher nach Hoyos del scan078Espino und wandern auf der etwa 12 km südlich gelegenen Hochebene. Wir wollen schon aufgeben, da sehen wir in einiger Entfernung eine Herde. Mit dem Teleobjektiv können wir sie gerade mal so erreichen.
Dann auf dem Rückweg zum Auto, trauen wir unseren Augen kaum. Auf einem Felshang direkt vor uns hängen etliche dieser Tiere. In einer Felswand. Es ist schon ein Wunder, wie sie sich an der steilen Wand halten können und dabei sogar noch kämpfen. Ihre Hörner prallen laut knallend aufeinander. Vor Begeisterung verknipse ich einen ganzen Film.

In der Sierra de Gredos lag übrigens noch eine ganze Menge Schnee. Es war immerhin Ende Mai.

scan079 - KopieWir nähern uns Avila und stehen vor einer 12 m hohen, 2,5 km langen und mit 88 Türmen bestückten Stadtmauer aus dem 11. Jahrhundert. Gigantisch! Auch die in den Mauerring eingefügte Kathedrale passt sich dem Bild an. Diese mittelalterliche Stadt bietet einen so ursprünglichen Eindruck, wie man ihn wohl an anderer Stelle nicht mehr findet.
Wir genießen den Anblick bei einem Gang auf der Stadtmauer. Um von außerhalb noch einmal einen Blick auf die Stadt zu haben, fahren wir zu den Cuatro Postes.

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Wir fahren an den gewaltigen Ruinen des Alcazars Escalona und an der Burg Maqueda vorbei nach Toledo.  An der Brücke Puente de San Martin aus dem Jahre 1212 überqueren wir den Rio Tajo und geniessen einen großartigen Ausblick über die Stadt. Über Toledo ließe sich so viel schreiben, dass es diesen Bericht sprengen würde. Deshalb hier nur eine kleine Empfehlung: Machen Sie einen Spaziergang von der Plaza de Zocodover durch die Calle de Armas berab zum Paseo del Miradero. Bei klarem Wetter hat man von der Promenade mit ihrer hoch gelegenen Aussichtsterrasse einen fantastische Blick über die Dächer von Toledo bis zur Sierra de Gredos.

scan082 - KopieNur wenige Kilometer südlich von Toledo treffen wir auf die spätmittelalterliche Burg Guadamur. Sie ist sehr gut renoviert, aber da in Privatbesitz nur an bestimmten Tagen zu besichtigen. Auch die nächste Burg Polan ist geschlossen.

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Wir wollen auf alle Fälle sehen, wo Don Quichotte gegen die Windmühlen gekämpft hat und fahren nach Consuegra. Schon von weitem sehen wir einen langen, hohen Bergrücken mit der unvermeidlichen Burgruine, aber auch 13 Windmühlen stehen am Horizont.

Im Parque National Tablas de Daimiel – einem wasservogelreichen Feuchtgebiet – wollen wir wieder einmal der Natur nahe kommen. Wir machen uns in brütender Mittagshitze auf die Wanderung, was sich als nicht sehr sinnvoll erweist. Wir sehen nicht allzu viele Vögel, denn sie halten wie die Spanier über Mittag Mittagsruhe und verstecken sich im Schilf. Aber die Gegend ist trotzdem sehr reizvoll.

scan084 - KopieNicht weniger reizvoll ist Almagro mit seiner schönen lang gestreckten Plaza Mayor, die uns  zum Verweilen einlädt.

In einem der Läden unter den Arkaden kaufen wir Safran, der aus den Blüten der im Umland angebauten Krokusse gewonnen wird.  Hier gibt es einen berühmten Theaterhof aus dem 16. Jh., in dem unter rot-weißen Holzgalerien die ersten Komödien Spaniens unter freiem Himmel aufgeführt wurden..

Wir fahren weiter nach Osten zum Parque Natural de Las Lagunas de Ruidera. Hier gibt es ein Seengebiet von 15 durch Bäche oder unterirdische Wasserläufe miteinander verbundene Seen. Das in allen Grün- und Blautönen schimmernde Wasser lädt zum Baden ein. Die Felsen schimmern rotgolden in der Sonne.

Wir kommen zur letzten Burg auf unserer Reise: Castillo de Belmonte, eine Burg im gotischen Mudejarstil aus der Mitte des 15. Jh.. Die sternförmige Festungsanlage besitzt sechs Rundtürme und einen zinnengekrönten, doppelten Mauerring. mit sechs Spitzen, an deren Ende jeweils ein zylinderförmiger Turm steht. Den Burghof säumt eine doppelte Galerie mit schönen Reliefs.

Spanien Burg BrückeLangsam müssen wir an zu Hause denken. Aber wir wollen uns noch unbedingt die hängenden Häuser von Cuenca (Casas Colgadas) ansehen. Die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Stadt liegt 1000 m hoch auf einer lang gestreckten Felsenklippe zwischen den Flüssen Júcar und Huécar. Aus Platzmangel wurden die Häuser über den Abgründen bis zu zehn Stockwerke hoch gebaut, deren Balkone sich über den Abgrund hinausbeugen. Über den Abgrund zwischen den Stadtteilen führt eine eiserne Fußgängerbrücke, bei der man besser schwindelfrei sein sollte.

scan086Den Abschluss unserer Reise bildet der Besuch der Ciudad Encantada, was auf deutsch Verzauberte Stadt heißt. Es handelt sich um ein faszinierendes geologisches Phänomen. Im Laufe der Jahrhunderte hat die Erosion ein Felslabyrinth aus Blöcken, Höhlen und Nadeln geschaffen. Mit etwas Fantasie erkennt man Tiere, Gebäude, Pflanzen, eine römische Brücke usw.

scan079Die Reise liegt ein paar Jahre zurück. Ich habe mich an Hand von Fotos erinnert. Deshalb mag es ein bisschen als sterile Aneinanderreihung von Orten erscheinen. Aber ich kann versichern, das es eine tolle Reise war. Die Kombination von Kultur und Natur war perfekt. Auf dem gut ausgebauten Straßennetz konnte man wunderbar Autowandern, denn die Straßen waren in der Regel so leer, dass man niemand behinderte und einem auch keiner im Nacken saß und drängelte. Wir haben jederzeit preisgünstige Quartiere gefunden. Das ist inzwischen sicher teurer geworden, denn das Preisniveau in Spanien hat sich dem unseren sehr angepasst. Wir konnten unser Reisetempo  und -ziele selbst bestimmen und es gab zu keiner Zeit Probleme.

Dies ist der 2. Teil eines Reiseberichtes zu einer Burgentour rund um Madrid. Lesen Sie zuerst, Burgentour Madrid auf eigene Faust – Teil 1, falls noch nicht geschehen.

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