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Dominikanische Republik – mal ganz anders

10. Mai 2009 6.436 Leser 1 Kommentar

Dominikanische Republik Kinder Wahrscheinlich wäre ich nie in die Dominikanische Republik gereist, hätte mein Neffe nicht eine Dominikanerin geheiratet. Diese Pauschalreisen in eine der Hotelburgen haben mich nie gereizt.

Gleich zu Anfang bekomme ich einen kleinen Eindruck davon, was mich die nächsten 14 Tage erwartet. Mit 5 Mann/Frau werde ich vom Flughafen abgeholt. Eine Personenbegrenzung für PKW und wie ich bald feststellen werde, für Mopeds, kennt man auf der Insel nicht.

Über eine etwas abenteuerliche Landstraße, vorbei an kleinen Buden, Geschäften und sehr einfachen Häuschen, geht es in rasanter Fahrt Richtung Cabarete. Nach ein paar weiteren Kilometern biegen wir ab auf eine unbefestigte, vom Regen ausgespülte Sandstraße.

Angekommen in Sabaneta!

Meine Nichte hat hier ein großes Grundstück mit einem für hiesige Verhältnisse großen Haus. Das Grundstück ist bevölkert mit jeder Menge Familie und sonstigen Leuten. Ich werde überall vorgestellt und mir schwirrt der Kopf vor Namen und Gesichtern.

Dominikanische Republik Altar Morgen jährt sich der Todestag von Mercedes Mutter und man gedenkt ihr mit einer recht aufwendigen Feier. Am nächsten Morgen fahren Mercedes, ihr Bruder José und ich nach Cabarete um Berge von Blumen zu kaufen, mit denen der selbst gestaltete Altar im Haus geschmückt wird.

Als wir zurückkommen, hat sich das Haus schon mit Leuten gefüllt. Eine Kirchenfrau veranstaltet einen Gottesdienst. Es wird gesungen und gebetet und die Stimmung ist recht emotional. Immer mehr Menschen kommen, das Dorf scheint komplett versammelt zu sein. Alle warten aufs Essen. Dafür wurde gestern eine Kuh geschlachtet. Nach weiteren Andachten fährt die Familie zum Friedhof, um Blumen und Kerzen hin zu bringen. Diesmal sind wir zu siebt im Auto, alles ganz normal.

Wieder zurück im Haus, versuche ich mittels Wörterbuch Kontakt mit den Mädchen aufzunehmen. Meine spanischen Sprachkenntnisse sind gleich null, aber sie sind geduldig und neugierig und überreden mich, sie mit auf mein Zimmer zu nehmen, um meine Sachen zu begutachten.

Meine glatten, blonden Haare scheinen sie zu faszinieren, ständig werden sie mit den Händen bearbeitet. Aber das Größte ist meine Digitalkamera. Sie können gar nicht genug Fotos von sich bekommen. Abends sinke ich ganz schön geschafft in mein Bett. Es war ein interessanter Tag, aber auch recht anstrengend. Mercedes hat 11 Brüder und eine Schwester. Ich versuche, mir die Namen einzuprägen.

Die Anzahl der Fahrgäste steigert sich. Heute sind wir zu acht und fahren nach Moca. Wunderschöne Landschaft, viele Hügel, Berge, alles sehr grün. In der Markthalle handeln Mercedes und ihre Brüder, bis sie als Mafiosi bezeichnet werden. Dann wollen wir essen gehen, was gar nicht so einfach ist. Schließlich landen wir in einer Art Garküche an der Straße.

Das Auto braucht einen neuen Türgriff, eine neue Fensterscheibe und irgendein Teil im Motor. Wir kommen zu dem größten Ersatzteillager, was ich je gesehen habe. Hier werden offensichtlich alle noch irgendwie verwertbaren Teile abgewrackter Autos gelagert. Und wieder wird kräftig gehandelt. In einer nahe gelegenen Autowaschanlage wird das Auto per Hand innen und außen für umgerechnet 80 Cent perfekt gewaschen und poliert. Es sieht jetzt aus wie neu. Fragt sich für wie lange.

Auf der Rückfahrt zeigt mir Mercedes einen Kaffeestrauch und eine Frucht, mit der man Kosmetika rot färbt. Es dämmert, denn die Sonne geht hier früh unter. In der Nacht hat es geregnet. Mein Magen rebelliert, ich muss mich erst an die hiesige Küche gewöhnen.

Dominikanische Republik Kinder auf Motorrad Von einer Europäerin wird erwartet, dass sie zum Strand will. Also werde ich per Moped mit einer Schwägerin vom Bruder zum Strand nach Caberete kutschiert. Sie nehmen mich in die Mitte. Von Sturzhelmen hat hier noch keiner was gehört. Ich hoffe auf meinen Schutzengel.

Der Strand ist toll, noch toller das angenehm warme Meer. Die kräftige Brandung macht Schwimmen fast unmöglich und so lasse ich mich von den Wellen einfach schubsen. Die Sonne verpasst mir den ersten Sonnenbrand.

Nachmittags geht es zurück zum Haus. Hier ist schon allerhand los. Es ist Samstag Nachmittag – die Familie trifft sich zum Baseballspielen. Abends kocht Mercedes mit Hilfe der Mädchen für alle. Die Mädchen versuchen, mich zu überreden, mit ihnen tanzen zu gehen, weil sie alleine nicht dürfen. Aber dazu habe ich wirklich keine Lust.

Strand ist angesagt. 5 Erwachsene und 1 Kind werden im Auto verstaut. In Cabarete ist Ende der Fahrt, der Motor streikt.

Claudia und ihre Tochter begleiten mich zum Strand. Wir sind heute weiter westlich am Strand in Cabarete. Es ist starker Seegang, ich werde von einer Welle umgeworfen und meine Sonnenbrille ist weg. Überall Sand und Salz am Körper.

Die Rückfahrt entwickelt sich für mich zu einem echten Abenteuer. Ein PKW stoppt, oh, denke ich, ist voll. Weit gefehlt. Claudia und Tochter steigen hinten zu, sie sind zu siebt, ich vorne, wir sind drei. Plötzlich stoppt das Auto. Ich denke, es will jemand aussteigen, weit gefehlt. Es will jemand einsteigen, aber wo? Der Fahrer steigt aus, eine junge Frau ein, der Fahrer hinterher. Er bedient die Gangschaltung um die Frau herum. An unserer Kreuzung angekommen, warten schon die Mopedtaxen, aufgestiegen und los geht es über die mit Pfützen gepflasterte Schotterstraße. 20 Pesos kostet dieses Vergnügen.

Eines der Mädchen will aus mir eine karibische Schönheit machen und föhnt meine Spaghettihaare total glatt. Ich kann ihr nicht klar machen, dass ich es gerne etwas aufgeplusteter hätte. In Zukunft verzichte ich lieber auf ihre Friseurkünste.

Ich sitze auf der Terrasse an der Straße und beobachte den Verkehr. Es geht zu, wie auf einem Highway. Ein Moped nach dem anderen braust mit lautem Geknatter vorbei. Sie sind blitzblank geputzt und sehen aus wie neu, was bei den staubigen Straßen an ein Wunder grenzt. Esel und Pferde dienen als Transportmittel für Wassertanks.

Mercedes kocht für 20 Leute Bacalao (Trockenfisch). Dazu gibt es einen Topf Reis, mit dem man ganz China ernähren könnte.

Dominikanische Republik Lagerfeuer am Strand Am Nachmittag fahren wir zu siebt mit 2 Mopeds zu einem wilden Strand mit viel angespültem Treibgut, zum Baden nicht geeignet. Der Fluss fließt hier ins Meer und vermutlich ist das Wasser nicht sehr sauber.

Langsam wird es kühl und das Treibholz eignet sich hervorragend, um ein großes Lagerfeuer zu entzünden. Im Dunkeln geht es nach Hause. Ich hoffe nur, mein Fahrer sieht mehr als ich. An einem Straßenimbiss essen wir Hähnchen.

Froh, mit heiler Haut wieder nach Hause gekommen zu sein, bewundere ich den wunderbaren Sternenhimmel.

Mein Zimmer entwickelt sich zum allgemeinen Familientreffpunkt. Wir beschließen nach Sosua an den Strand zu fahren. Um 9 Uhr sind tatsächlich alle startklar. Per Mopedtaxi geht es zur Hauptstraße und dann weiter mit einem Kleinbus. Man sollte hier nicht kontaktscheu sein oder allergisch gegen Körperkontakt. 4 Personen pro Bank ist das Mindeste. Ich zähle und komme auf 21 Personen, der Schaffner hängt seitlich außerhalb des Autos. Mit Affentempo geht es die lebhafte Hauptstraße entlang.

Unser Ziel ist ein sehr schöner Strand in einer bewaldeten Bucht. Das Wasser ist hier so ruhig, dass man gut schwimmen kann. Wir machen eine Bootstour an der Küste entlang. Hier sollte man unbedingt tauchen, aber dafür sind wir nicht ausgerüstet.

Mercedes und ihr Bruder lassen sich die Karten legen. Hier gibt es noch reichlich Aberglauben.

Heute Abend gibt es ein Konzert. Stundenlang wird diskutiert, wer mitgeht und wer bezahlt. Geld ist ein Dauerthema. Die Frauen machen sich gegenseitig die Haare und verwandeln sich in karibische Schönheiten. Der Konzertplatz ist reichlich überfüllt. Eine angeblich 80-jährige Frau (Typ Tina Turner) heizt mächtig ein. Die Lautsprecheranlage ist hoffnungslos übersteuert. Alles tanzt Merengue. Als wir um 2 Uhr nach Hause gehen, bin ich taub.

Dominikanische Republik Frauen im Fluss Die Mädchen gehen mit mir zum nahe gelegenen Fluss. Wir machen große Fotosession und die Mädchen können gar nicht genug bekommen. Unterwegs begegnen uns Pferde, Esel, Kühe, Gänse und Schweine.

Mercedes kocht aus Riesenkastanien Kastanienpüree. Im Gegensatz zu dem grätenreichen Fisch schmeckt es gut.

Heute macht Mercedes mit mir eine Dorfbesichtigung. Sie grüßt nach rechts und links, denn jeder kennt hier jeden. Wir kommen zu ihrem Elternhaus, wo ihre Schwester auf dem Grundstück ein kleines Häuschen bewohnt. Es dauert nicht lange, und die restliche Familie findet sich ein. Die Schwester kocht Nudelsuppe für alle. Mit Hilfe eines Stockes und Steinen wird eine Mango vom Baum geholt. Der Sohn klettert auf einen Pampelmusenbaum, um zu ernten. Die Frauen palavern über alle möglichen Probleme. Ich döse vor mich hin.

Abends ist große Wäsche angesagt. Es gibt eine kleine Waschmaschine, Modell 50er Jahre. Die Wäsche wird aufgeheizt und bewegt, aber Spülen und Wringen muss man dann per Hand. Das ist noch echte Arbeit.

Heute gibt es zum Essen ein Nationalgericht, viele Gemüsesorten werden zusammengekocht. Wie fast jeden Tag finden sich viele Esser ein.

Mercedes Schwester sollte Schauspielerin werden. Obwohl ich nichts verstehe, ist ihre Mimik und Gestik sehr beredt. Das ist hier besser als Fernsehen.

Auf dem Rückweg vom Friedhof kommen wir an einem Fluss vorbei. Wir stoppen und sehen ein paar Jungen zu, die am gegenüberliegenden Ufer von einem Berg ins Wasser springen. Als ich sie fotografiere, wollen sie Geld von mir.

Dominikanische Republik Kochen im Freien Heute wird im Freien über offenem Feuer an improvisierten Kochstellen (ein paar Bausteine aufeinander geschichtet) das Essen zubereitet.

Anschließend geht es mit 7 Erwachsenen und 6 Kindern zu einer anderen Stelle am Fluss. Er dient hier zum Autowaschen, als Kuhtränke und Bade- und Reinigungsort für Groß und Klein. Die Frauen waschen sich die Haare und treiben Körperpflege. Zum Glück hat das Wasser eine ziemlich hohe Fließgeschwindigkeit.

Abends lädt uns der Bruder in eine Bar ein. Die Musik ist laut, lauter, am lautesten und total übersteuert. Sind hier alle schwerhörig? Es dauert nicht lange und die Familie ist wieder komplett.

Es gießt in Strömen. Da sich heute am Strand nichts verdienen läßt, findet sich die Großfamilie schon vormittags im Haus ein. Plötzlich sitzen alle um den Tisch und puhlen Erbsen, auch Papa, Brüder und Kinder. Es ist sehr gemütlich. Die endlos scheinende Arbeit ist schnell erledigt. Es wird wie immer diskutiert. Ist es Streit oder nur einfach laut?

Zum Essen sind wir etwa 20 Leute. Es regnet noch immer. Regenwetter ist auch hier nervig, alle sind im Haus, die Großen palavern, die Kleinen toben.

Zum Glück hört jeder Regen mal auf. Wir fahren Richtung Westen über Gaspar Hernandez nach Maganta, ein Fischerdorf. Das ist hier keine Touristengegend, aber hier gibt es Fischer und wir kaufen eine etwa 1 m lange Dorade. Wir fahren an der Küste entlang durch Mangrovenwälder, vorbei an riesigen Königspalmen und Frambojanbäumen mit ihren roten Baumkronen. Die Straße ist schlecht, aber die Natur großartig.

Dominikanische Republik Frau mit totem Huhn Schon früh am nächsten Morgen werden rote Bohnen aufs Feuer gestellt. Der Fisch wird mühsam entschuppt und dann mittels Riesenmesser, Hammer und Säge zerkleinert. Die reinste Schwerarbeit! In einer zubereiteten Soße wird der Fisch gegart.

An meinem letzten Tag hier wird ein lebendiges Huhn geschlachtet, in heißes Wasser getaucht und dann machen sich zwei Leute ans Rupfen. Auf offenem Feuer wird das Huhn geschmort, später Gemüse und Nudeln zugefügt. Sehr lecker!

Für mich heißt es Abschied nehmen von vielen lieb gewonnenen Menschen. Der Einblick in das wirkliche Leben einer karibischen Familie war etwas sehr Besonderes und ich kann es nur jedem empfehlen.

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1 Kommentar »

  • Stephan meint:

    Das ist das erste mal das ich einen Artikel über die Dominikanische Republik lese der das wirkliche Leben wiederspiegelt.
    Vielen Dank und weiter so.

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