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Jakobsweg – Auf den Spuren der Pilger mit dem Auto

30. April 2009 10.628 Leser 6 Kommentare

Puppen Bevor Hape Kerkelings Buch „Jetzt bin ich mal weg“ so bekannt wurde, beschlossen wir, durch Nordspanien zu fahren.

Wir fliegen bis Bilbao und fahren gleich mit dem Leihwagen Richtung Küste. Der erste Stopp ist in Castro Urdiales (Kantabrien). Wir finden ein nettes Hotel – Las Rocas – und begeben uns auf Entdeckungstour Richtung Ortsmitte. An einer weit geschwungenen Bucht zieht sich eine schöne Promenade entlang.

Nordspanien Am Ende der Bucht wird ein Kastell und eine gotische Kathedrale angestrahlt. Wir finden ein nettes Restaurant mit vielen Einheimischen und bestellen einen Teller mit verschiedenen Tapas und trinken dazu eine Flasche Wein. Und schon stellt sich Urlaubsstimmung ein. Lustig kehren wir zum Hotel zurück.

Der nächste Tag begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein, das Meer rauscht und wir besichtigen die Kathedrale, die sehr authentisch ist.

Nordspanien Hafen Wir fahren weiter nach Santander und quartieren uns im Hotel direkt gegenüber dem Gran Casino ein mit Blick auf Strand und Meer. Ein längerer Fußmarsch an der Küste entlang bringt uns ins Zentrum von Santander. Für den Rückweg bevorzugen wir den Bus. Den Abend beschließen wir mit einem traditionellen kantabrischen Essen.

Und wieder werden wir von der Sonne geweckt. Es geht durch eine eindrucksvolle Dünenlandschaft (Nationalpark) nach Santillana del Mar, ein Städtchen mit einer jahrhundertealten Altstadt. Leider sind heute am Montag alle schönen Gebäude geschlossen, aber auch so wirkt die Stadt wie ein Museum.

Nordspanien Römische Bürcke Cangas de Onis Durch die Berge fahren wir nach Cangas de Onis. Hier essen wir direkt neben der römischen Brücke echt urig und verbringen auch die Nacht in dem Ort. Heute hören wir kein Meeresrauschen, aber dafür prasselt der Regen an die Fenster.

Der Regen begleitet uns auf unserer Fahrt nach Covadonga – einem Wahlfahrtsort in den Picos de Europa. Eine schmale Bergstraße führt zu zwei Gletscherseen. Leider viel zu nass, um einen Spaziergang zu machen.

Nordspanien Kirche So entschließen wir uns zur Weiterfahrt nach Oviedo, der Hauptstadt Asturiens. Wir erreichen die Stadt gegen Mittag und es ist leider alles geschlossen. Wir sehen uns den Dom von außen an, und da die Hotels besetzt sind, geht es weiter nach Luacra, das wieder an der Küste liegt.

In unserem Reiseführer haben wir eine Hotelempfehlung gelesen, die sich als wirklich gut erweist. Die Villa Argentina aus dem Jahre 1899 wurde im Jahrhundertstil renoviert. Schon alleine der Anblick des Treppenaufgangs ist ein Genuss. Wir dürfen uns unter mehreren, verschieden ausgestatteten Zimmern eines aussuchen und weil es uns so toll gefällt, beschließen wir, ein paar Tage zu bleiben.

Nordspanien Strand Ein wirklich gutes Essen im Restaurant „Sport“ im Hafen, macht unser Glück vollkommen. Am Morgen werden wir mit einem liebevoll zubereiteten spanischen Frühstück verwöhnt.

Bei unserem Spaziergang durch den Ort kommen wir auch auf einen Friedhof, bei dem die Urnen in Nischen in großen, hohen Mauern aufbewahrt werden. Leider regnet es immer wieder. Wir setzen uns ins Auto und fahren zu einem sehr schönen Strand bei Otur. Die Sonne lässt sich hin und wieder sehen.

Nordspanien Platz Über Puerto de Vega fahren wir zu einem Vogelschutzgebiet.

Wir folgen einem Hinweis auf den Wanderweg zum Strand. Es sieht von hier oben traumhaft grün aus. Unten angekommen finden wir aber auch nach viel Gestapfe über sumpfige Wiesen keinen Zugang zum Strand. Entmutigt geben wir auf.

Zurück am Strand von Otur, erholen wir uns von unserer erfolglosen Expedition. Am Abend gehen wir zum ersten Mal in eine Sidreria.

Nordspanien Bei den Einheimischen sorgen wir mit unserer Unwissenheit für Heiterkeit. Wir lassen uns zeigen, wie man Sidra trinkt. Der Kellner hält ein Glas so tief wie möglich in einer Hand und gießt den Sidra aus einer Flasche mit erhobenem Arm ein, so dass er auf den oberen Glasrand plätschert. So wird der Sidra mit Sauerstoff angereichert und entwickelt sein Aroma. Die Gäste am Tisch teilen sich ein Glas. Die Böden der Sidrerien sind meistens mit Sägemehl ausgestreut.

Nordspanien Heute wollen wir eine Rundtour ins Landesinnere machen. Wir fahren über enge, kurvige Bergstraßen und kommen durch idyllische kleine Orte. In einem alten Dorfladen besorgen wir Brot und Schinken für unser Picknick in einer Meeresbucht.

Den Nachmittag verbringen wir in Cudillero, einem kleinen Fischerdorf, das uns an die Cinque Terre erinnert. Herrlicher Sonnenschein!

Am Abend essen wir in der Sidreria und zeigen den Einheimischen, dass wir jetzt Sidra trinken können.

Nordspanien Jakobsmuschel Unser Wirt vermittelt uns unsere nächste Unterkunft und wir fahren bei strömenden Regen nach Santiago de Compostela. Keine schöne Fahrt, aber um so schöner die Überraschung über unsere neue Unterkunft – ein wunderschön renoviertes Landhaus – sehr stilvoll! Ein 200 Jahre alter Magnolienbaum steht direkt vor unserem Fenster. Wir fahren in die Stadt. Es gießt in Strömen! Trotzdem wirkt diese Stadt. Die Kathedrale ist sagenhaft. Wir nehmen uns vor, alles morgen bei hoffentlich besserem Wetter ganz in Muße zu besichtigen. Wir kehren zurück in unser Quartier und bekommen ein landestypisches Essen serviert.

Nordspanien Kathedrale Lautes Vogelgezwitscher weckt uns. Zwar scheint keine Sonne, aber der Regen hat zum Glück Pause.

Auf dem Domplatz herrscht viel Trubel. Wir sehen uns den Parador an und gehen dann in den Dom.

Im Dom beginnt gerade eine Messe, was eine besondere Stimmung in der Kirche bewirkt. Wir lassen uns viel Zeit für die Besichtigung und „umarmen“ auch den Jacob.

Nordspanien Puppenspieler Auf der Plaza dos Platerias findet eine Marionettenvorstellung statt. Wir verstehen zwar die Sprache nicht, aber die Puppen sprechen für sich.

Mit kleinen Törtchen bestückt, landen wir im Parco de Alameda. An der mittelalterlichen Kirche machen wir eine lange Pause und genießen den Sonnenschein. Zum Abschluss besichtigen wir noch einmal den Dom und besuchen das Dom-Museum mit dem Kreuzgang. Im Museum gibt es tolle Tapisserien von Goya.

Nordspanien Kathedrale Vor unser Rückkehr ins Hotel essen wir ein paar Tapas in einer Bar. Leider ist mir da etwas nicht sehr gut bekommen. Ziemlich angeschlagen fahren wir am nächsten Morgen nach Lugo. Herrliches Wetter und schöne Landschaft, aber ich bin malade und muss einen Tag im Hotel pausieren.

Am nächsten Tag bummeln wir durch die von einer intakten römischen Stadtmauer umgebene lebhafte Stadt und sehen uns auch hier die Kathedrale an.

Nordspanien Es macht Spaß durch die schöne, sonnige Landschaft zu fahren. Wir halten in Villafranca direkt am Camino. Wir finden ein ausgesucht nettes Restaurant und sind begeistert vom Menue del dia. Das Essen ist wirklich excellent.

Weiter durchs Land kommen wir zu den Las Medulas – eine Minenlandschaft (Weltkulturerbe). Sie war die wichtigste Goldmine des Römischen Reiches. Nach einer Wanderung durch Maronenwälder erreichen wir eine imposante Höhle.

Nordspanien Auf dem Rückweg kaufen wir Honig und fahren über die Autobahn nach Astorga. Wir parken vor dem Hoteleingang, bekommen das Zimmer mit dem Fahnenbalkon direkt gegenüber der Kathedrale. Super!

Abends machen wir noch einen Rundgang durch das abendliche Städtchen und landen auf der Plaza Mayor mit dem wunderschönen Rathaus. Hier ist noch voller Betrieb.

Nordspanien Am Morgen steht Kathedralenbesichtigung auf dem Programm, sehr eindrucksvoll. Der Gaudi-Palast kann uns nicht so sehr begeistern, ein bisschen steril. Zum Schluss gehen wir noch ins Schokoladenmuseum. Schokolade essen gefällt uns besser.

Wir verlassen den Ort Richtung Burgos. Einen Teil der Strecke „pilgern“ wir mit dem Auto direkt neben dem Jakobsweg. Die Landschaft ist hier nicht so spektakulär und ein kurzer Stopp in Sahagun kann uns auch nicht begeistern.

Zügig geht es jetzt nach Burgos, wo wir im Hotel Abba Burgos ein feudales Zimmer mit großer Terrasse bekommen.

Vor dem ersten Regenguss erreichen wir am nächsten Morgen eine Frühstücksbar direkt am Denkmal „El Cid“. Schnell in die Kathedrale. Sie ist so beeindruckend, dass hier die Worte fehlen!

Nordspanien Reiterstandbild Wir fahren mit dem Auto zu den Klöstern „Las Huelgas“ und „Miraflores“. Im Miraflores fertigen die Mönche aus Rosenblättern Rosenkränze.

Wir verabschieden uns von unserem schönen Hotel und düsen in Richtung Bilbao. Die Landschaft wird wieder abwechslungsreicher, aber leider wechseln sich auch Sonnenschein mit Regengüssen ab.

In Bilbao erweist sich der so einfach erscheinende Weg zu unserem Hotel als recht kompliziert, denn es gibt reichlich Einbahnstraßen. Glücklich im Hotel gelandet, heißt es jetzt noch den Leihwagen los werden. Auch das Schaffen wir nach einigem Hin- und Hergefahre.

Nordspanien Guggenheim-Museum Mit der U-Bahn geht es zum Guggenheim-Museum. Dieses Bauwerk ist einfach umwerfend – innen wie außen ein architektonischer Genuss und eine echte Herausforderung für Fotografen.

Die Sonderausstellung – 100 % Afrika – ist sehr interessant, aber auch die anderen Objekte sind sehr wirkungsvoll in dieser gigantischen Umgebung.

Nordspanien Guggenheim-Museum Brücke Am nächsten Tag ist blauer Himmel über Bilbao! Wir begeben uns auf Shoppingtour. Bilbao hat ein tolles städtisches Ambiente – schöne Häuser, Cafes, Geschäfte und Plätze. Wir laufen noch einmal Richtung Guggenheim und dort am Fluss entlang bis zur Brücke „Zubizuri“ des Architekten Santiago Calatrava. Abends bummeln wir durch die Altstadt, überall stehen Leute auf der Straße, trinken und palavern. Wir bekommen einige Tapas und einen guten Wein, so dass wir sehr heiter den Heimweg antreten.

Es heißt Abschied nehmen. Es war unsere Art, der Pilgerreise, die ich aber durchaus empfehlen kann. Auf alle Fälle hat sie viel Spaß gemacht.

Haben Sie schon einmal eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg oder anderswo unternommen?

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6 Kommentare »

  • jan meint:

    Schöner Bericht, wir werden dieses Jahr eine Tour dorthin unternehmen.

  • Sally G. meint:

    Interessanter Artikel!

    Bekommt man in Santiago auch eine Pilgerurkunde, wenn man mit dem Auto auf dem Jakobswge unterwegs war??

  • mambaci meint:

    Auf die Pilgerurkunde muss man wohl verzichten, aber dafür hat man ja auch nicht so viel Schweiß vergossen.

  • Hanni Seidler meint:

    War ein sehr schoener Bericht. Haette nur gerne mal die Uebernachtungspreise gewusst. Ausserdem haben wir zwei kleine Hunde. Duerfen die ins Hotel?. Wer kann da Auskunft geben¿ Wir haben vor, von Pinar der Campoverde (Kreis Alicante) hoch zu fahren. Warum waren Sie nicht bis am Ende der Welt. Habe ich in einem Buch gelesen, von einem Rollstuhlfahrer. Weiss leider nicht mehr den Namen. Habe das Buch verliehen und nicht zurueck bekommen. schade.
    Gruss Hanni

  • Thomas aus München meint:

    Als jährl. Pilger, 66, (1x München-SdC -2700 km, 1x aragonischen -880 km, 6x „normal“ SJdP-SdC -780 km) werde ich dies Jahr mit 2 älteren Leuten (82+87) mit Auto bis Sarria fahren, von dort in 5-10 km-etappen die letzten 111km pilgern (normal 4 Pilgertage; dann gibts auch die Urkunde), dann mit Bus zurück zum Auto. Jetzt werde ich mir mal Eure Reise auf der Karte ansehen. Hat sich sehr schön gelesen und zum Nachfahren animiert. Danke und Bon Camino, thomas

  • elisaeth aus berlin meint:

    Am 21.September werden wir unseren jahrelangen Wunsch von der Küste (Peniscola) aus mit Auto bis ans „Ende der Welt“(finesterre)unternehmen.Wir haben in Pamplona,Santander,Gijon,S.d.Compostella,dannzurück über Zamora und Madrid Hotels reserviert,jeweils für drei Nächte und kostenlos stornierbar (Durchschnittspreis für 2 Personen 300€).Dabei wollen wir bei jeder Station die Sehenwürdigkeiten aufsuchen bzw. das Umfeld .Material haben wir seit langem gesammelt und hoffen auf eine unvergessliche Reise.

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