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Jersey und Guernsey

24. April 2017 583 Leser 0 Kommentare

Jersey

Wir landen bei strahlendem Sonnenschein. Der Flughafen ist klein, so geht es mit dem Gepäck und der Übernahme des Mietwagens schnell. Wir haben eine Wegbeschreibung zu unserem Quartier bekommen. Eigentlich sollte die Fahrt keine 20 Minuten dauern, aber wir verlieren schon sehr bald die Orientierung. Die Straßen sind eng und mit überwachsenen Steinwänden gesäumt. Dazu kommt der Linksverkehr.

Nach einiger Suche und Durchfragen finden wir schließlich unser Quartier und sind sehr begeistert. Es ist ein großes Anwesen mit einem schönen Haus und sehr schön angelegtem Garten mit vielen Blumen. Der rechte Hausflügel ist zu einer Ferienwohnung ausgebaut. Wir haben unseren eigenen kleinen Garten, dürfen aber auch den Rest nutzen.

Nach einer Kaffeepause auf unserer Terrasse machen wir uns auf den Weg zur Piemont Bay, um in einem Restaurant mit Blick über die Bucht zu Abend zu essen. Zufrieden machen wir uns auf den Heimweg, sicher, dass wir jetzt den Weg kennen. Denkste! Wir drehen uns irgendwie im Kreis und als wir am Pub Priory Inn halten, müssen wir feststellen, dass der vordere linke Reifen einen Platten hat. Mit Hilfe der sehr netten Wirtin des Inns, gelingt es, dass die Autovermietung ein Ersatzauto bringt. Die Wirtin gibt uns eine Wegbeschreibung zu unserem Quartier. Inzwischen ist es dunkel und wir sind glücklich, als wir endlich ankommen. Unsere Straße ist eine Sackgasse, die in der Karte nicht verzeichnet ist, aber wir orientieren uns jetzt an der Umgebung.

Devil’s Hole

In der Nähe des Priory Inn gibt es einen Spaziergang zum Devil’s Hole, einer Höhle, in der das Wasser geräuschvoll gurgelt. Der Blick über die Klippen ist faszinierend.

In der Nähe unseres Quartiers liegt ein Weingut, das La Mare Wine Estate. Man kann an Führungen mit Verkostung teilnehmen. Aber wir fahren von hier aus mit dem Bus in die Hauptstadt St. Helier. In rasantem Tempo – jedenfalls empfinde ich es so – geht es über die Insel, vorbei an vielen schönen Anwesen mit schönen Natursteinhäusern und vielen Blumen. Wir landen am Busbahnhof und staunen über die vielen Neubauten. Hier ist in den letzten Jahren ein neues Viertel entstanden: die Waterfront mit Büros und Wohnungen, Restaurants und Einkaufscenter. Es herrscht ein lebhaftes Treiben.

Wir schlendern durch die Fußgängerzone und gucken in die große Markthalle, die architektonisch sehr eindrucksvoll ist. Auch die Parish Church St Helier aus dem 14. Jahrhundert findet unsere Bewunderung. Das Jersey Museum bietet Geschichtliches, eine Kunstgalerie und was mir am besten gefällt, ein originalgetreues Kaufmannshaus aus viktorianischer Zeit.

Hummerbunker L’Etacq

Heute fahren wir zur Westküste an die St. Quen‘s Bay. Als wir ankommen ist Ebbe und es ist sehr neblig. Das Meer geht sehr weit zurück und ist im Moment gar nicht zu sehen. Der Tidenhub beträgt 12 m und ist damit einer der höchsten Gezeitenunterschiede der Welt. Wir stärken uns mit Fish and Chips und Calamaris. Das kann man hier wirklich gut. Am Strand suchen wir Steine und Muscheln. In L‘Etacq kommen wir zu einem Bunker aus deutscher Besatzungszeit, der heute der Hummerzucht dient.

Strahlend blauer Himmel. Wir fahren noch einmal nach St. Helier. Mit der Fähre setzen wir über zur Festung Elizabeth Castle. Die über 500 Jahre alte königliche Burganlage liegt auf einem Felsen rund 1 km weit draußen in der St. Aubin‘s Bucht. Es gibt mehrere Höfe und Festungsanlagen.Wir laufen in alle Ecken und Winkel und staunen über Klappbetten in den Mannschaftsräumen. Die Betten wurden in der Mitte nach oben geklappt (wie eine Klappstulle), damit Platz für einen Esstisch war. Plötzlich zieht Nebel auf und man sieht die Gebäude kaum noch. Das wirkt fast ein bisschen märchenhaft. Als die Sonne wieder hervorkommt, legen wir eine Kaffeepause in einer blumengeschmückten Hofnische ein.

Fähre zum Elizabeth Castle

Weiter geht es den Hafen entlang zum Colette Garden, einem im Reiseführer als besonders schön beschriebenen Garten. Na ja, da kann der von unseren Gastgebern fast mithalten.

In einem Hafencafe bestellen wir Hightea. Es kommt – wohl bemerkt für jeden – eine Etagere mit 1. Etage 2 Päckchen Butter und ein kleines Glas Marmelade, 2. Etage 2 Sandwiches mit Schinken und 2 mit Thunfischpaste und 3. Etage 3 kleine Brötchen, 1 Stück Schokoladenkuchen und 1 Stück Kokoskuchen und ein Töpfchen Creme.

Und noch einmal geht es nach St. Helier. In einem ehemaligen Hafenspeicher befindet sich das

Maritim Museum

Maritime Museum. Das Museum ist zu Recht preisgekrönt. Spielerisch kann man vieles ausprobieren, um daraus zu lernen. Es macht richtig Spaß.

Im Hamptonne Country Life Museum können wir in originalgetreu restaurierten Häusern das frühere Landleben nachempfinden. Das älteste Haus stammt aus dem 15. Jahrhundert. Im Hof gibt es ein Cafe, in dem ich mir den Hightea bestelle. Kein Vergleich zu gestern, aber alleine die Warmhaltemütze für den Tee ist schon das Geld wert. Hier gibt es glückliche Hühner, drei Hähne stolzieren mit ihrem Hofstaat und dem Nachwuchs über die grüne Wiese.

Heute regnet es zum ersten Mal. Wir frühstücken ausführlich und als der Regen nachlässt, fahren wir zur Küste. Der Regen hört auf und wir laufen den Küstenwanderweg entlang. Es gibt schöne Ausblicke über die Steilküste. Den Abend beschließen wir im Priory Inn. Morgen geht es nach Guernsey.

Guernsey

Die Überfahrt nach Guernsey läuft problemlos, es ist alles gut organisiert. Da wir hier kein Auto gemietet haben, holt uns unser Wirt von der Fähre ab. Wir werden mit Kaffee und Gebäck willkommen geheißen.

Unsere Unterkunft ist in einem separaten Holzhäuschen auf einem großen Grundstück. Das Haus ist nett und alles vorhanden, aber im Vergleich zu dem vorherigen Quartier, das wirklich 5 Sterne+ war, würde ich dieses mit guten 3 Sternen bewerten. Das Grundstück liegt an der Vazon Bay. Wir müssen nur über die Straße und sind direkt am Meer.

Vazon Bay

Es ist gerade Ebbe und wir laufen den Strand entlang zum Kaufmann.

Die Insel hat einen ganz anderen Charakter als Jersey. Zumindest in dieser Ecke wirkt sie eher wie ein Badeort am Meer. Die Straßen sind breiter und nicht durchgehend mit Steinmauern eingerahmt.

Es regnet, hört aber bald auf. Es gibt einen Bus, der fährt einmal rechts- und einmal linksherum um die Insel. Glücklicherweise hält er fast vor unserer Tür. Wir fahren mit ihm durch nette kleine Küstenorte immer am Meer entlang in die Hauptstadt St. Peter Port.

Die Stadt ist wesentlich gemütlicher und kleiner als St. Helier. Wir schlendern durch enge Gassen und über Treppen in der an einem Hang liegenden Hafenstadt. Am Ende der High Street – eine Fußgängerzone – steht die Town Church, eine Kirche aus dem 15. Jahrhundert. In der Cornet Street besuchen wir den Victorian Shop & Parlour, einen viktorianischen Kaufmannsladen. Im hinteren

St Peter Port

Zimmer wurde ein Wohnzimmer im viktorianischen Stil eingerichtet. Es ist das einzige vollständig erhaltene Stadthaus aus dem 18. Jahrhundert in St. Peter. Es wird vom National Trust of Guernsey betrieben und bietet neben dem historischen Ambiente Kunsthandwerk und Souvenirs zum Kauf an.

Inzwischen ist die Sonne herausgekommen und wir fahren bis zur Saline Bay. In einem Strandcafe trinken wir Tee und gucken den Wind- und Gleitschirm Surfern zu. Es ist recht windig und so nehmen sie ordentlich Fahrt auf.

Am Strand entlang laufen wir zu unserem Haus, das Meer ist auf dem Rückzug und hinterlässt einen sauberen sandigen Boden.,

Heute geht es mit dem Bus links herum. Zuerst kommen ein paar Buchten, wir haben schöne Ausblicke auf das Meer, dann geht es mehr durchs Land, denn hier beginnt irgendwo die Steilküste, von der wir aber nichts sehen können. Links und rechts der Straße stehen kleinere und etwas größere Häuser. Das wird kaum unterbrochen durch Grünland. Schließlich kommen wir in St. Peter Port an. Die Stadt ist recht hügelig und wir schnaufen bergauf zu dem Haus von Victor Hugo (Les Miserables). Er hat hier von 1856 bis 1870 im Exil gelebt. Eine junge Frau führt uns durch das sehr ungewöhnlich ausgestattete Haus. Wir sind glücklicherweise die Einzigen und ich verstehe ihr Englisch recht gut.

Die Sonne scheint, wir machen uns zu Fuß auf den Weg zum Saumarez Park. Der Park gehörte zum Anwesen eines Lords und ist heute öffentlich zugänglich. Wir haben zwar eine Wanderkarte, aber in allen Karten, die wir haben, sind nur die Hauptstraßen namentlich verzeichnet. Ich versuche, mich an der Anzahl der Nebenstraßen zu orientieren, aber das ist gar nicht so einfach. Mit einem kleinen Umweg landen wir schließlich im Park. Es gibt hier einen Rosengarten und ein Folk & Costume Museum. Historische Trachten, alte Werkzeuge und Haushaltsgeräte geben einen anschaulichen Einblick in frühere Zeiten. Da das Wetter so schön ist, beschließen wir, zu unserer Nachbarbucht zu laufen. Schon der Einstieg in den richtigen (d.h. kürzesten) Weg gelingt uns offenbar nicht. Aber irgendwann geht es abwärts, das kann nur Richtung Meer sein. Schließlich landen wir

Cobo Bay

tatsächlich in der Cobo Bay, wenn auch ein bisschen östlicher als geplant. Es ist Flut, aber das Wasser geht schon wieder zurück. Es bläst ein ordentlicher Wind. Die Windsurfer sind in ihrem Element.

Die Restaurants sind hier ausgesprochen kinderfreundlich. Oft gibt es einen Extraraum für Familien oder Kinderzimmer mit allerhand Dingen zum Toben und Spielen. Heute gab es im Restaurant einen großen Raum mit Spielgeräten und Kinderfernsehen. Im Garten stand eine Hüpfburg. Das Beste war aber, in der Herrentoilette gab es auch einen Wickeltisch.

Und wieder scheint die Sonne. Wir laufen diesmal den Strand in Richtung Osten entlang. Das Wasser geht zurück, so dass wir in der nächsten Bucht nicht über die Straße müssen, sondern am Strand entlang gehen können. Naja, gehen ist zu viel gesagt. Wir stolpern über ein Steinfeld. Zum Glück haben wir festes Schuhwerk an. Irgendwann gibt es auch wieder Sandstrand. Unser Ziel ist die Insel Lihou. Sie steht unter Naturschutz, ist ein Vogelschutzgebiet und beherbergt seltene Pflanzen. Bei Ebbe kann man hinüber laufen. Aber das Wasser ist zu hoch.

Insel Lihou

Auf dem Weg kommen wir am Le Trépied Tomb – einer flaschenförmigen megalithischen Grabkammer aus der Zeit um 3000 – 2000 v. Chr. vorbei. Ein megalithisches Ganggrab – Le Creuxès Faies Passage Tomb – aus etwa der gleichen Zeit ist ganz in der Nähe.

Nach der Besichtigung laufen wir die Rocquaine Bay an der Ostküste entlang bis zum Fort Grey. Hier nehmen wir den Bus in die Hauptstadt und besichtigen die Candie Gardens, einen sehr schön angelegten Garten mit exotischen Pflanzen und einem riesigen Gingkobaum.

Klippenwanderweg Südküste

Es verspricht ein schöner Tag zu werden. Auf Empfehlung unserer Wirtin fahren wir zum Jerbourg Point, dem Südostzipfel der Insel, um eine Klippenwanderung zu machen. Im Gegensatz zu allen drei anderen Küsten, mit ihren vielen Sandbuchten ist die Südküste eine Steilküste. Es bieten sich immer wieder schöne Ausblicke. Aber die Wanderung ist schon anstrengender, als am Strand entlang zu laufen. Es geht bergauf und bergab über zum Teil ausgewaschene schmale Wege und auch über einige Treppen. Die Sonne brennt ganz schön. Zeitweilig laufen wir durch richtige Blumentunnel. Die Ahorn- und Steineichenwälder bieten zwischendurch angenehmen Schatten.

Wir kommen zum Moulin Huet Tea Room. Jetzt kommt ein steiler Aufstieg über endlose Treppen. Wir schaffen auch diese Herausforderung, aber nach kurzer Zeit beenden wir unsere Klippenwanderung vor meinem eigentlich angepeilten Ziel. Immerhin sind wir schon 3 Stunden unterwegs.

Auf der Fahrt nach Hause staunen wir über den regen Betrieb an den Stränden. Die Leute laufen doch tatsächlich in Badeanzügen herum. Die Temperatur ist mit 16 Grad angegeben. Es wirkt allerdings viel wärmer. Heute hat die Insel einen absolut südlichen Charakter. Mit den vielen Blumen wähnt man sich am Mittelmeer.

Wir hatten in den 14 Tagen überwiegend sonniges Wetter und wenn es wirklich mal regnete, dauerte es nie lange, bis die Sonne wieder hervor kam. Die vielen bunten, oft eher im Mittelmeerraum vorkommenden Blumen und Pflanzen ließen einen vergessen, dass man sich ziemlich nördlich befand. Es sind zwei sehenswerte Inseln, auf denen der Tourismus noch nicht die Ursprünglichkeit zerstört hat.

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