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Island – unsere individuelle Rundreise

2. September 2014 842 Leser 0 Kommentare

Gletscher auf IslandWir ernten erstaunte Blicke, als wir unser diesjähriges Reiseziel verkünden. Aber es stand schon lange auf unserer to-do-Liste. Wir starten um 24 Uhr in Tegel und landen am 2.00 Uhr Ortszeit in Keflavik, dem internationalen Flughafen von Island. Der Zeitunterschied beträgt 2 Stunden. Ein Shuttlebus bringt uns ins nahegelegene Hotel auf einer ehemaligen US-Base. Dem Hotel ist ein Autoverleih angeschlossen, so dass wir von hier aus zu unserer Rundtour starten können.
Wir haben beschlossen, im Uhrzeigersinn die Insel zu umfahren. So geht es an Reykjavik vorbei Richtung Westen. Statt durch den Tunnel bei Saurbær  zu fahren, umrunden wir den Hvalfjörður,   einen landschaftlich sehr schönen Fjord. In Borgarnes versorgen wir uns mit Lebensmitteln, da wir im nächsten Quartier kein Frühstück bekommen.

Das Wetter ist sehr unbeständig. Wenn wir aussteigen, um etwas anzugucken, fängt es unter Garantie an zu regnen. Sitzen wir dann wieder im Auto, scheint die Sonne.

Snæfellsnes

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Gerðuberg

Wir fahren über die Südroute der Halbinsel Snæfellsnes. Leider regnet es ziemlich stark. Da müssen wir uns noch ein bisschen dran gewöhnen, zumal der Regen mit starkem Wind verbunden ist. Trotz des Regens machen wir einen Abstecher zu den Basaltsäulen von Gerðuberg und wandern zu einem Wasserfall. In Búðir wollen wir uns den Muschelsandstrand ansehen, aber das Wetter ist so ungemütlich, dass wir nach kurzem Stopp erst einmal weiter fahren nach Hellnar zu unserem gleichnamigen Hotel, das mit dem Green Globe 21 für seine ökologische Führung zertifiziert wurde.

Hellnar

Am späten Nachmittag bricht die Sonne durch, so dass wir zur Mole in Hellnar spazieren können, wo Hunderte Möwen sich sonnen. Es gibt einen Wanderweg nach Arnarstapi, der aber durch den Regen nicht gut zu begehen ist. So nehmen wir das Auto, um uns den kleinen idyllischen Hafenort anzusehen. Faszinierende Felsformationen werden von vielen Seevögeln bevölkert.

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Lóndrangar

Heute früh scheint die Sonne, welche Freude. Nach unserem ausgiebigen Frühstück starten wir zum

Nationalpark Snæfellsjökull.
Leider ist vom Gletscher nicht viel zu sehen, denn er ist von Wolken verhüllt. Über eine kleine Schotterstraße kommen wir zu den 65 m und 71 m hohen Felsnadeln Lóndrangar. Es handelt sich um die Reste eines Vulkans mit Basalthöhlen. Wir parken bei Djúpalónssandur   und laufen durch ein Labyrinth aus Lavabrocken nach Dritvik, einer geschützten Bucht mit schwarzem Sandstrand, auf dem weit verstreut verrostete Wrackteile liegen. Weiter geht die Fahrt durch das Lavafeld Neshraun, in dem etliche Krater zu sehen sind. Über eine Schotterpiste fahren wir zum westlichsten Punkt der Halbinsel: Öndverðarnes. Ein orange-roter Leuchtturm weist uns den Weg. Das Meer wird an den Felsen hoch gepeitscht und bildet weiße Schaumkronen, ein schönes Schauspiel. Es fängt an zu regnen und wir kehren in Olafsvik ein, um eine Kleinigkeit zu essen. In Grundarfjörður beziehen wir unser Quartier, ein Hostel direkt am Meer. Der Ort lockt, zumal bei dem Regen, nicht zu einem Spaziergang.P1000967_5_1

Vatnsnes

Heute sind wir die ganze Fahrt über bei trockenem Wetter über eine unbefestigte Schotterstraße zur Halbinsel Vatnsnes gefahren. Die beste Teststrecke für Reifen und Stoßdämpfer. Die Landschaft ist spektakulär. Islands Element ist zweifellos das Wasser, ringsherum der Ozean, Fjorde und Buchten, Flüsse, Seen, Wasserfälle und nicht zuletzt das Wasser von oben. Heute sind wir auf vielleicht 3 km an 6 Wasserfällen vorbeigefahren. Wir übernachten in einer netten Holzhütte auf einem Campingplatz in Hvammstangi, einem Ort mit ca. 600 Einwohnern. Es gibt etliche neue Einfamilienhäuser, meistens Bungalows mit einem Garten und sogar Blumen. Der Ort schmückt sich mit einer kleinen Parkanlage um einen Bachlauf herum. Bei Sonne sicher nochmal so nett, aber es hat heftig angefangen zu regnen. Wir braten uns zwei große Scheiben Lammfleisch, echt lecker! Schafe sind unsere ständigen Begleiter. Sie sind hier nicht in Herden, sondern meistens in dreier Gruppen (Mutter mit zwei Kindern) und wie Spielzeuge in die Landschaft gestellt.
Unser Vorhaben, zu den Seehundebänken zu fahren, verschieben wir wegen des Wetters auf morgen. Es ist so neblig, dass wir befürchten müssen, gar nichts zu sehen.
Trotz Sturm und Regen umrunden wir  heute die Halbinsel Vatnsnes und sehen bei Illugastaðir tatsächlich Robben.

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Hvitserkur

Wir stoppen an einem Parkplatz und bestaunen den markanten Felsen Hvitserkur, der ein bisschen an einen Dinosaurier erinnert. Hier soll es auch Robben geben, aber ich sehe leider keine. In Glaumbær besichtigen wir die Grassodenhäuser und trinken in der gemütlichen Stube Kaffee.

Hofsós

Heute haben wir ein ganz besonderes Quartier. Es ist auf einer Farm in der Nähe von Hofsós, eine ganz neu ausgebaute Wohnung mit Blick auf den Fjord (allerdings im Moment nicht zu sehen). Es gibt auch einen Hotpot auf der Terrasse, aber da zieht es mich gerade nicht so hin. Die Wirtin hat sich mehrmals für das schlechte Wetter und dass wir den Fjord nicht sehen können, entschuldigt. Sie sagt, dass das Wetter sehr ungewöhnlich ist, normalerweise wäre es so im September/Oktober.

Schneebedeckte Bergketten säumen unseren Weg nach Siglufjörður. Hier statten wir dem ausgezeichneten Heringsmuseum einen Besuch ab. Durch Tunnel geht es nach Olafsfjörður.
Schließlich erreichen wir unser heutiges Ziel:

Akureyri

Akureyri, die „Hauptstadt des Nordens“.

Die Stadt mit ihren schönen alten Holzhäusern, dem vielen Grün und dem lebhaften Treiben spricht uns an. Im Hintergrund leuchten schneebedeckte Berge, über denen der Himmel seltsamerweise recht hell ist. Der Schnee ist so weiß, dass ich vermute, es ist heute neuer dazugekommen.

Wir übernachten zwei Tage in einem Gästehaus ganz in der Nähe der Einkaufsstraße. Von dort erkunden wir die Stadt und laufen zum Hafen, in dem gleich zwei Kreuzfahrtschiffe, eine Aida und eines von TUI vor Anker gegangen sind. Plötzlich hören wir nur noch deutsch, während es ansonsten sehr international zugeht. Nach einer Stärkung in einem Café (es gibt hier sehr leckeren Kuchen) besuchen wir den Botanischen Garten. Klein, aber fein. Erstaunlich viele verschiedene Blumen, selbst Mittagsblumen wachsen hier, aber bei dem Regen lassen auch viele Blümchen die Köpfe hängen. Wir nicht! Es ist überhaupt nicht mehr windig, dadurch ist die Temperatur gut zu ertragen. P1010327_3_1_1Wir beschließen, ins Schwimmbad zu gehen. Baden gehört zur isländischen Kultur. Es gibt quasi in jedem Ort ein Schwimmbad. Jetzt würde man ja denken, bei den Temperaturen hier, gibt es nur Hallenbäder, weit gefehlt. Es sind in der Regel Freibäder. Akureyri hat beides. Als assimilierte Isländer gehen wir natürlich ins Freibad. Man muss zwei wichtige Regeln befolgen: 1. Schuhe aus vor den Umkleidekabinen, 2. nackt duschen.
P1000967_5_1 Das Bad hat mehrere Becken, ein Sportbecken, ein normales Schwimm- und Spielbecken mit 27°, ein Liegebecken, wo man sich einfach lang ausstreckt mit 37°, ein kleines Becken mit 38°, ein rundes Becken mit 39° und ein Hotpot mit 42° bei dem man sich begrüßt, wenn man einsteigt und sich auch wieder verabschiedet, wenn man aussteigt. Zwischenzeitlich kann man wichtige politische Gespräche führen. Ein Kinderbecken gibt es auch noch. Nachdem wir alles durchprobiert haben, entscheiden wir uns für die 37°. Wir sind so gut aufgewärmt, dass die frische Luft am Kopf angenehm ist. Im Laufe des Nachmittags kommt die Sonne hervor. Unser Wirt sagt, der ganze Juni war sonnig. So viel zu Durchschnittswerten.

Heute hat uns die Sonne wach geküsst, das ist doch mal nett. Wir starten auch gleich nach dem Frühstück. Von der Ringstraße biegen wir ab auf eine Schotterstraße, die gut zu befahren ist. Unser Ziel ist ein Wasserfall, bis zu dem wir durch ein riesig breites Tal immer am Fluss Bárðardalur entlang fahren. Abwechslungsreiche Landschaften, von grün bewachsen mit Moos, Sträuchern und sogar Bäumen (vermutlich Birken) bis steinig in allen Farbschattierungen. Nach 40 km ist die Welt für uns zu Ende. Hier geht es ins Hochland, wo man nur mit Vierradantrieb und Jeep fahren darf. Den Wasserfall müssen wir etwas suchen. Wir sind hier die einzigen Touristen. Auf der ganzen Strecke sind uns vielleicht 5 Autos begegnet. Auf der Rückfahrt kommen wir dann zum Goðafoss,

Goðafoss

einem der größten Wasserfälle in Island. Spektakulär, wenn die Wassermassen so herunter donnern, besonders  schön durch mehrere Stufen und Abschnitte. Das Beste ist die Sonne, die zum richtigen Zeitpunkt voll aufdreht.

Entlang an einem wunderschönen Flussdelta fahren wir zu unserem Quartier auf einer Farm unterhalb des Kinnartjöll und des Viknafjöll und gegenüber  von

Húsavik.
Nach einem vorzüglichen Frühstück, brechen wir zu unserer Whale Watching Tour auf.

Husavik

Husavik

Wir fahren auf einem alten Segelschiff, das vormals als Fischerboot auch zum Walfang benutzt wurde, aufs Meer hinaus. Mit etwas Mühe streifen wir einen seefesten Anzug über und ich komme mir vor, wie ein Seebär. Die See ist für Nordatlantische Verhältnisse relativ ruhig (kaum Wind), aber als Landratten werden wir so durch geschaukelt, dass der eine oder andere dem Meeresgott Tribut zollen muss. Zuerst geht es zur Vogelinsel Lundey mit Hunderten von Puffins (Papageientaucher).  Es ist nicht einfach, von einem schaukelnden Boot aus ein Foto zu machen. Man ist auf dem Schiff auch relativ unbeweglich, zum einen wegen der Kleidung und zum anderen gibt es nicht viel Platz. Vorbei an Delphinen, die unterhalb der Wasseroberfläche mehr zu erahnen als zu sehen sind, kommen wir zu den Walfischen. Es tauchen tatsächlich Wale auf, ob es immer der gleiche ist, kann ich nicht sagen. Sie springen leider auch nicht aus dem Wasser, wie auf den schönen Werbefotos, aber man kann die Rückenflosse gut sehen. Nach 4 Stunden gehen wir wieder an Land und gucken uns jetzt im Walmuseum die Tiere aus der Nähe an. Zurück geht es wieder um das wunderschöne riesige Flussdelta mit vielen Inseln und einer reichen Vogelwelt auf unsere Farm. Habe ich schon erwähnt, dass die Sonne auf dem Meer herauskam. Traumhafte Aussichten, schwarze Vulkanberge mit weißen Schneehauben vor dem blauen Meer.

P1010536_2_1Am Abend fährt unsere Wirtin mit uns noch bis ganz ans Ende der Welt. Ihr Hof ist der letzte in der Bucht, aber ein 7 km langer Weg führt noch bis ans Meer. Der ist für unser Auto nicht befahrbar. Es gibt aber ein Zeichen für eine Sehenswürdigkeit. Als ich die Wirtin darauf anspreche, bietet sie an, mit ihrem Auto zu fahren. Es geht über Stock und Stein und durch Wasserläufe an steilen Lavawänden mit etlichen Wasserfällen vorbei bis der Fluss auf das Meer trifft. Hier gibt es den feinsten Sand, nur einfach rabenschwarz. Außerdem liegt reichlich Treibholz am Strand, das aus Russland herüberkommt. Damit bauen die Farmer Ställe und verbauen sie als Dachbalken. Langsam geht die Sonne unter, eine ganz besondere Stimmung.
Bei unserer Abfahrt am nächsten Morgen sitzt eine kleine Eule am Wegesrand und wartet P1010342_2_1_1freundlicherweise, bis ich sie fotografiert habe. Für Vogelliebhaber ist Island ein Paradies. Wir haben tatsächlich schon viele verschiedene Vögel fotografieren können.
Über Húsavik fahren wir gen Norden zum

Jökulsárgljúfur-Nationalpark

Unsere erste Station ist die 3,5 km lange Schlucht Ásbyrgi, die erstaunlich grün ist. Es gibt hier einen

Hafragilsfoss

Hafragilsfoss

Rundgang zu einem kleinen See mit vielen Enten. Dahinter erhebt sich eine hufeisenförmige 100 m hohe Felswand. Vor dem Eingang zur Schlucht liegt der ca. 25 m hohe Felsen Eyjan.
Durch eine faszinierende Vulkanlandschaft geht es zum Hafragilsfoss, einem 27 m hohem Wasserfall, der noch übertroffen wird durch den Dettifoss,

Dettifoss

Dettifoss

dem mächtigsten (wasserreichsten) Wasserfall Europas. Hier donnern die durch mitgeführte Schwebeteilchen grauen Wassermassen 45 m in die tiefe Schlucht.
Über die Ringstraße fahren wir ein Stück zurück nach Westen zum See

Mývatn.

Der Blick durch das große Panoramafenster direkt auf den See entschädigt für das zu klein geratene Zimmer. Der Sonnenuntergang ist perfekt.
Nach einem sehr guten Frühstück in einem Wintergarten mit Blick auf den See beginnen wir den Tag mit einer Wanderung durch die bizarren Lavaformationen Dimmuborgir. Mit etwas Phantasie meint man, hinter jedem Felsen einen Troll zu sehen. An der Landzunge Kalfaströnd laufen wir am Ufer entlang und beobachten die vielen Seevögel. Hier soll es 14 Entenarten geben.

Myvatn

Bei Skútustaðir gucken wir in die Pseudokrater. Wir beenden die Seeumrundung im Vogelmuseum von Sigurgeir. Mývatn heißt Mückensee, aber davon haben wir zum Glück nicht viel mitbekommen, keinen einzigen Mückenstich. Das Wetter hat sich zu ungeahnten Temperaturen aufgeschwungen und der Himmel spiegelt sich mit strahlendem Blau im See wieder.
Nach einer Pause ziehen wir wieder los, um uns stinkende, dampfende, brodelnde und bis zu 100° heiße Schlammbecken anzusehen. Hier am Solfatarenfeld in Námaskarð wurde jahrhundertelang Schwefel abgebaut.
Zum Tagesabschluss begeben wir uns in das Mývatn Nature Bath mit seinem türkisblauen Pool auf Lavaasche und zwei Dampfbädern.

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Hverfjall

Heute wartet der Bilderbuchkrater Hverfjall auf uns. Er zählt zu den größten und schönsten Explosionskratern der Welt. Er ragt vegetationsfrei und grauschwarz 160 m aus der Ebene auf, der Durchmesser beträgt 1000 m und er ist 140 m tief. Der Aufstieg ist nicht ohne, aber der Blick in den Trichter ist imposant und wir haben einen schönen Blick über den Mývatn. Man kann einmal um den Krater herumlaufen, aber der Wind pfeift uns derart stark um die Ohren, dass wir uns wieder an den Abstieg machen. Vorbei an einem Geothermal Kraftwerk fahren wir zur

Krafla,

einem der aktivsten Vulkangebiete der Welt.Im Kratersee schimmert grünes Wasser. Bei einer Rundwanderung laufen wir an schmatzenden Solfataren, dampfenden Spalten und rabenschwarzer Lava entlang. Wir statten noch dem milchblauen Vitisee einen Besuch ab und fahren dann durch eine fast vegetationslose Hochlandeinöde vorbei an unzähligen Wasserfällen nach

Egilsstaðir,

dem Dienstleistungszentrum des Ostens. Die Sonne scheint und wir machen uns auf den Weg zu dem Fährhafen Seyðisfjörður, wo die MS Norrona Island mit Hirtshals in Dänemark verbindet. Wir müssen über einen Pass, der noch mit reichlich Schnee bedeckt ist. Zum Meer hin gibt es einen Fluss, der von den schmelzenden Schneemassen gespeist wird und in etlichen Kaskaden den Berg hinunterstürzt.

P1020106_2_1Bei Sonnenschein starten wir von Egilsstaðir, und fahren durch ein großes Waldgebiet. Es ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Islands. Fast erinnert es ein bisschen an Österreich, nur das Tal ist viel breiter, als ich es je in Österreich gesehen habe. Aber es wird enger und wir fahren an einem Wildwasserfluss entlang. Ein Wasserfall reiht sich an den anderen. Plötzlich wird es recht ungemütlich. Wir kommen auf einer Schotterstraße über einen Pass, über den sich eine dicke Wolke geschoben hat. Die Sicht ist gleich null. Schließlich geht es auch wieder abwärts, wir haben wieder Sicht und kommen zum Meer. Hier sieht die Landschaft ganz anders aus. Rechts neben uns ragen die Lavaberge in den Himmel. Es gibt gefühlt zehnmal soviel Wasserfälle wie bisher. Vor den Bergwänden sind die abgerutschten grauschwarzen und seltener auch roten Geröllmassen und am Fuß ist ein schmaler grüner Streifen, der zum Teil landwirtschaftlich genutzt wird. In Djúpivogur,

Djupivogur

Djupivogur

einem kleinen Hafenstädtchen, legen wir eine Pause ein. Hier gibt es einen skurrilen Künstler, der aus Steinen und allem möglichen Kram lustige und auch schöne Dinge bastelt. Im Hafen hat sich ein anderer Künstler verewigt: Sigurður Guðmundsson
hat 34 Vogeleier von in der Umgebung nistenden Vögeln aus Stein nachgebildet, die im Hafen auf Betonsockeln aufgereiht stehen.
Wir wandern über eine lange schwarze Landzunge. Hier soll man manchmal auch Robben sehen können, aber heute gibt es keine. Dafür packt mich das Steine-Sammel-Fieber. Unsere Übernachtung ist heute in einem sehr netten Apartment auf einer Farm kurz von Höfn.

Höfn ist ein netter Ort, der in erster Linie vom Hummerfischfang lebt. Hunderte Seeschwalben lärmen über unseren Köpfen. Wir warten jetzt, dass die Wolken den Blick auf den Gletscher

Vatnajökull

freigeben. Es ist der größte Gletscher Europas. Zwischen den Wolken bricht die Sonne durch und bescheint den weiß leuchtenden Gletscher. In Jökulsárlón treiben auf dem Gletschersee große Eisschollen, auf denen Hunderte Vögel aufgereiht sitzen.

Vatnajöküll

Vatnajöküll

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Jökulsárlón

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In der Mündung zum Meer schwimmen Gletscherbruchstücke, bizarr geformt und in unterschiedlichen Blautönen, die besonders eindrucksvoll auf dem schwarzen Lavastrand sind.

Heute sind wir auf einer Farm (vielleicht auch ehemaligen, denn sie haben hier einen Hotelbetrieb, läuft aber unter farm holidays) unterhalb des Öræfajökullgletschers.

Nachts hat es gegossen und ich fürchtete schon um unsere Wanderung. Aber jetzt kommt die Sonne heraus. Unser erstes Ziel ist der nächste Gletscher. Man kommt ziemlich nah an die Gletscherzungen heran, die immer wieder anders aussehen. Der heute ist ziemlich grau. 1996 wurde durch eine Eruption eine riesige Geröll- und Gesteinslawine Richtung Meer gespült. Wir fahren ca. 30 km über ein Sandurgebiet. Hier wachsen allenfalls ein paar Moose oder Flechten. Unterwegs ist noch ein Stück von der damals zerstörten Brücke zu sehen. Es starten Flugzeuge zu Rundflügen über den Gletscher. Am Informationszentrum des

Vatnajökull-Nationalparks

Svartifoss

starten wir zu einer kürzeren Wanderung bergauf zum Svartifoss, einem Wasserfall, dessen Besonderheit ist, dass er vor einer Wand aus Basaltsteinsäulen in die Tiefe stürzt.
Wir steigen an einem mit Moos gepolstertem Lavagebiet aus und wagen uns ein paar Schritte hinein. Aber es ist Potenzial zum Beine brechen, so dass wir bald wieder umkehren. Wir überqueren Gletscherflüsse, die über weite Ebenen dem Meer entgegen fließen. Von den Gletschern war heute nichts zu sehen. Dafür war wieder Wasserfall-Gucken angesagt, es gibt dicke, dünne, große, kleine, hohe, flache, besonders viel Wasser führende und viele mehr. Man kann sich die Vielfalt kaum vorstellen. Wir sind jetzt unterhalb des Eyjafjallajökull, der 2010 mit seiner Asche den Flugverkehr lahmlegte. Es ist nur ein sehr kleiner Gletscher. Zu sehen war heute nichts davon, auch keine Auswirkungen hier unten. Wir sind in einem etwas kuriosem Hotel in der Nähe von Hof angekommen. Es würde perfekt in einen österreichischen Skiort passen. Dicke fette Holzbalken, bei dem man sich fragt, woher wohl das Holz kommt.

Über ein riesiges Sandurgebiet geht es zum nächsten Wasserfall, den Skógafoss, der eine   Fallhöhe von 60 m hat und damit der höchste Wasserfall Islands ist.

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Seljalandsfoss

Beim 40 m hohen Seljalandsfoss bekommen  wir eine Gratisdusche, denn man kann hinter dem Wasserfall vorbeilaufen. Die Fahrt geht jetzt durch grünes Farmland. Der Verkehr nimmt erheblich zu, denn es geht auf die Hauptstadt zu.
Über die Straße 264 kommen wir zum Torfgehöft Keldur. Hier steht das älteste Haus Islands. Eine Dame vom Isländischen Nationalmuseum ist vor Ort. Da sie einmal in Wien gelebt hat, spricht sie recht gut deutsch und erzählt uns sehr viel über die Geschichte des Hofes. Sie ist der Meinung, das Haus wäre über 1000 Jahre alt, aber offiziell wird es mit dem 12./13. Jahrhundert datiert. Das war sehr nett und interessant. Jedenfalls hat sich der kleine Abstecher gelohnt. Jetzt sind wir in einem 60 m² Apartment mit Blick auf den

Laugarvatn.

Gleich nebenan ist das Schwimmbad und da werden wir uns gleich mal im warmen Wasser tummeln (d.h. faul herumliegen).
Das Bad liegt direkt am See und wenn man von dem 32 – 40° warmen Wasser oder von der Sauna genug aufgeheizt ist, kann man in den See eintauchen.
Wir befinden uns jetzt im Golden Circle. Hier werden von Reykjavik aus Bustouren zu den
drei wichtigsten Sehenswürdigkeiten angeboten.

Am See Þingvallavatn vorbei fahren wir nach der ehemalige Thing-Stätte Þingvellir im gleichnamigen Nationalpark.

Wir laufen durch die Schlucht Almannagjá, einziger Ort der Erde, wo die Grenze zweier Erdplatten, der eurasischen im O und der amerikanischen im W sowie deren Verschiebung im Lauf von Jahrhunderten an der Oberfläche sichtbar ist.

Das ThermalStrokkurgebiet Geysir mit sprudelnden Springquellen und einer Vielzahl blubbernder Heißwasser- und Schlammpfuhle erreichen wir bei strömenden Regen. Der Große Geysir, ursprünglich ein Eigenname, dann eine Bezeichnung für Springquellen generell, ist heute nich mehr aktiv. Wenige Meter weiter jedoch schleudert Strokkur, „Butterfass“, zuverlässig alle 5-10 Minuten kochend heißes Wasser bis zu 15 m in die Höhe.

Gullfoss

Gullfoss

Von hier ist es nicht weit zum Gullfoss,“Goldener Wasserfall“, einem der schönsten Wasserfälle des Landes. Er fällt in zwei rechtwinklig versetzten Kaskaden auf breiter Front   32 m tief in eine 2,5 km lange Schlucht hinab.

Zurück fahren wir über eine wenig befahrene Route durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet, in dem es viele mit Dampf beheizte Gewächshäuser gibt. Wir sind in

Reykjavik

eingetroffen und wohnen direkt in der Einkaufsstraße in einem großen Apartment, zum Glück nach hinten hinaus, denn hier tobt das Leben. Es gibt eine Menge junger Leute, die am Wochenende gerne Party machen. Wir besuchen

Hallgrimskirka

Hallgrimskirkja

die Hallgrimskirkja, eine moderne Betonkirche mit einer großen Orgel und hören uns ein Orgelkonzert an. Tolle Akustik. Abends schlendern wir zum Hafen. Die Uferpromenade ist mit Neubauten gepflastert. Nicht unbedingt hässlich, aber die kleinen Häuser der Altstadt verschwinden dahinter. Dafür, dass ganz Island nur ca. 330 000 Einwohner hat, davon 120 000 in Reykjavik, leisten sie sich ein imposantes Konzerthaus. Die Fassade wurde von Olafur Eliasson gestaltet. Er ist geborener Isländer, lebt aber heute teilweise in Berlin und Kopenhagen.

Harpa - das Konzert- und Opernhaus in Reykjavík

Harpa – das Konzert- und Opernhaus in Reykjavík

Reykjavik beschert uns heute einen wunderbaren Tag. Strahlend blauer Himmel! Die Leute sitzen alle draußen in leichter Kleidung als wären hier 30°. Tatsächlich sind es nur 16°. Gleich morgens machen wir einen langen Spaziergang am Ufer entlang. Dabei kommen wir an dem Haus (relativ unscheinbar) vorbei, in dem sich Ronald Reagan und Michael Gorbatschow 1986 getroffen haben. Das Treffen wird als der Beginn vom Ende des Kalten Krieges bezeichnet. Das schöne Konzerthaus zieht uns noch einmal an und wir bewundern von innen die tolle Architektur.
Am Stadtsee vorbei geht es zum Isländischen Nationalmuseum. Die Ausstellung ist gut präsentiert, aber für uns zu viel Text. Gegenüber von unserem Apartmenthaus gibt es die beste Konditorei der Stadt. In dem kleinen Hofgarten trinken wir zum Abschied Kaffee. Heute Nacht geht unser Flug nach Hause.

Kurz nach unserer Abreise ist der Bardarbunga ausgebrochen. Das Schauspiel hätte ich schon gerne erlebt, aber vermutlich kann man es von der Ringstraße aus gar nicht sehen.
Island lässt sich problemlos individuell bereisen. Mit Englisch kommt man überall zurecht. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit. Wir hatten unsere Quartiere alle im voraus gebucht, was sich in der Hochsaison empfiehlt. Da die Tage lange hell sind, kann man so ohne Druck bis zum Abend unterwegs sein. Die Ringstraße ist etwa 1300 km lang. Mit unseren Abstechern sind wir in drei Wochenrund  3000 km gefahren. Natürlich hat es viel geregnet, aber es kam auch immer wieder die Sonne hervor.
Es war eine beeindruckende und ganz besondere Reise.

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